Cover vom 25. Jänner 1931. - © Archiv Holzer
Cover vom 25. Jänner 1931. - © Archiv Holzer

Neben den oft seitenfüllenden Montagen gab es im "Kuckuck" aber auch kleinere Bild-Text-Montagen, die zu aktuellen politischen Themen pointiert Stellung nahmen. Auch sie waren nach dem Vorbild der "Arbeiter-Illustrierte-Zeitung" gestaltet, wo Autoren wie Erich Weinert, Gertrud Ring und (unter Pseudonymen) vor allem Kurt Tucholsky jeweils eine Fotografie mit einem sozialkritischen Gedicht kombinierten.

Der "Kuckuck" nahm diese Form Anfang der 1930er Jahre auf. Einige der besten "Bildgedichte" stammen von Jura Soyfer, der auf dialektisch-witzige Weise zwischen Bild und Text Funken schlug. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten in Deutschland nahm er in einem Bildgedicht die Massenbegeisterung für Hitler bissig aufs Korn. In der letzten Zeile dieses Textes prophezeite er: "Blutige Jahre werden vergehen / Dann wirst Du alles verstehen."

Der Start des "Kuckuck" war im Jahr 1929 fulminant gewesen. Die Zeitung erreichte bereits im ersten Jahr ihres Bestehens eine wöchentliche Auflage von knapp über 50.000 Stück. Damit verkaufte sie mehr als die bekannten bürgerlichen Bilder-Zeitungen, etwa das "Interessante Blatt" oder die "Wiener Bilder". Und dennoch täuschen die Anfangserfolge. Die Sozialdemokratie war um 1930 bereits in der Defensive. In der Folge begann die Auflage des "Kuckuck" kontinuierlich zu sinken.

1932 verkaufte das Blatt nur noch 29.000 Exemplare. 1933 begann die christlichsoziale Regierung Dollfuß ganz offiziell mit der Demontage ihrer politischen Gegner. Im März 1933 wurde das Parlament ausgeschaltet, die Vorzensur für missliebige Zeitungen und Zeitschriften wurde eingeführt. Kämpferisch titelte "Der Kuckuck" noch Anfang April 1933: "Österreich ist eine demokratische Republik . . . und wird es bleiben, trotz alledem!" Ein Irrtum, wie sich zeigen sollte. Der Spielraum für die sozialdemokratische Opposition wurde immer enger.

Bis schließlich im Februar 1934 die sozialdemokratische Partei und ihre Medien ganz verboten wurden. Am 10. Februar 1934 erschien die letzte Nummer des "Kuckuck".