Heute sollten an sich schon Osterfeuer brennen. Man wird sie dennoch erst in vier Wochen entzünden. Grund für die Diskrepanz ist eine Osterparadoxie.

Astronomen wissen: Der Frühling bricht alle 365,242 Tage aufs Neue an. Doch unser Kalender kennt keine Stellen hinter dem Komma. Er muss mit den Ganzzahlen 365 bzw. 366 auskommen. Die Schaltregel bestimmt, welche Jahre den Extratag bekommen. Damit hält der Kalender langfristig Schritt mit der Himmelsmechanik. Kurzfristig nicht unbedingt: In der Schule haben viele noch gelernt, der Frühling würde am 21. März beginnen. Tatsächlich zeigt unser Kalender zu Frühlingsbeginn jetzt immer den 20., mitunter sogar den 19. März. Die alte Schulweisheit stimmt erst im Jahr 2102 wieder.

Der irdische Äquator teilt die Erdkugel in eine nördliche und eine südliche Hemisphäre. Der Himmelsäquator macht Gleiches mit der Himmelskugel. Eine Hälfte der Sonnenbahn liegt über, die andere unter ihm. Die Sonne passiert diese Grenze zweimal im Jahr, zu Frühlings- und zu Herbstbeginn. Dann dauern Tag und Nacht gleich lang. Zumindest theoretisch: In der Praxis liegen die Verhältnisse, der optischen Wirkung der Erdatmosphäre wegen, etwas komplizierter.

Zartes Neulicht

Passiert die Sonne den Himmelsäquator im aufsteigenden Teil ihrer Bahn, endet der Winter. Die Dauer des lichten Tags beginnt die Dauer der dunklen Nacht zu übertreffen - was in alten Kulturen als Zeichen der Hoffnung galt. Oft nutzten diese den Mond als Zeitgeber. Der neue Mondmonat begann abends mit dem ersten Sichtbarwerden der noch ganz schmalen Mondsichel im Westen, ein oder zwei Kalendertage nach Neumond.

Dieses zarte Neulicht kehrt im Abstand von 29 oder, etwas häufiger, 30 Tagen wieder. Nach zwölf solcher Mondmonate sind allerdings erst 354 Tage verstrichen. Somit schiebt sich jeder einzelne Mondmonat in knapp dreieinhalb Jahrzehnten durch sämtliche Jahreszeiten. Wollte man das verhindern, müssten ganze Schaltmondmonate eingefügt werden - zum Beispiel, wenn es den Feldfrüchten im entsprechenden Mondmonat noch an Reife mangelte. Später ersann man fixe Schaltregeln, um Mondkalender und Sonnenjahr in Einklang zu bringen.

Im 6. Jh. v. Chr. waren Juden in Babylon gefangen und kamen mit dem dortigen Kalender in Kontakt. Die Ähnlichkeit der Mondmonatsnamen legt davon Zeugnis ab: Aus Nisannu wurde etwa Nisan, aus Ululu Elul, aus Addaru Adar. Auf einem Hügel nahe Jerusalem hielt man zunächst im Abstand von 29 Tagen Ausschau nach dem Neulicht. Gelang die Sichtung, wurde dies mit Feuern und Trompeten oder durch Boten kundgetan. Misslang sie, begann der neue Mondmonat am Abend danach. Der Kalendertag brach stets mit Sonnenuntergang an.