Die Wiener Minoritenkirche beherbergt eine Mosaikkopie des (letzten) "Abendmahls": Das Original stammt von Leonardo da Vinci. Der Meister hatte es zu Ende des 15. Jh. für den Speisesaal des Mailänder Klosters Santa Maria delle Grazie gemalt. Wie die Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas berichten, feierte Jesus zuletzt das Pascha-Mahl, mit dem das mehrtägige Pessach- oder Pascha-Fest beginnt. Es erinnert Juden an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei und findet zum ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn statt. Diesem letzten Abendmahl folgten Gefangennahme, Prozess und Kreuzigung Jesu.

Für Christen ist Jesus am dritten Tag nach seinem Tod, einem Sonntag, auferstanden - ein Ereignis, dessen sie beim Osterfest gedenken. In romanischen Sprachen leitet sich dessen Name klar vom jüdischen Pascha-Fest ab: Spanier nennen Ostern "Pascua", Franzosen "Pâques" und Italiener "Pasqua". Um den geschichtlichen Bezug zu wahren, wollten Christen ihr Osterfest in zeitlicher Nähe zum Pascha-Fest und damit zum Frühlingsvollmond feiern. Nur über den genauen Termin herrschte Uneinigkeit.

Im Jahr 325 n. Chr. hielt das Konzil von Nicäa (heute Iznik in der Türkei) sinngemäß fest: Ostern soll überall gleichzeitig begangen werden, und zwar am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Um diesen Termin im Voraus zu wissen, wurden Ostertafeln erstellt. In Rom setzte man den astronomischen Frühlingsbeginn dabei konstant mit 25. März an, in Alexandria, das auf eine herausragende himmelskundliche Tradition verweisen konnte, mit 21. März.

525 n. Chr wurde der aus Skythien stammende Mönch Dionysius Exiguus mit der Fortführung der alexandrinischen Ostertafeln betraut. Er stieß sich an der Praxis, die Jahre ab der Thronbesteigung des römischen Kaisers Diokletian zu zählen, der ein brutaler Christenverfolger war. So begründete er die uns vertraute christliche Jahreszählung Anno Domini, im Deutschen durch die Abkürzung "n. Chr." charakterisiert. Wie Johannes Kepler 1606 erläuterte, war Dionysius allerdings von einem allzu späten Geburtsjahr Jesu ausgegangen: Der im Geburtsbericht noch lebende König Herodes ist nämlich schon Jahre vor Dionysius’ Ausgangsjahr verstorben.

Reform von Gregor XIII.

Papst Gregor XIII. im Porträt von Lavinia Fontana. - © Archiv
Papst Gregor XIII. im Porträt von Lavinia Fontana. - © Archiv

Bis 1582 blieb der Julianische Kalender in Kraft: Julius Cäsar hatte für das Sonnenjahr eine Dauer von exakt 365,25 Tagen angenommen - und deshalb alle vier Jahre einen Schalttag vorgesehen. Sein mittleres Kalenderjahr geriet so aber um gut elf Minuten zu lang. Nach jeweils 128 Jahren summierte sich der Fehler um einen weiteren Tag auf: Der für die Osterrechnung so wichtige 21. März rückte immer weiter vom astronomischen Frühlingsbeginn weg.

Um genau das zu korrigieren, ließ Papst Gregor XIII. im Oktober 1582 die mittlerweile zehn angesparten, überschüssigen Kalendertage ausfallen. Die alte Schaltregel wurde modifiziert, um die Anzahl der Schalttage ein wenig zu verringern. Wir verwenden Papst Gregors Kalender noch heute.

Bei Vollmond stehen Mond und Sonne einander gegenüber. Zwischen den Vollmonden verstreichen 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten - aber nur im Mittel. Tatsächlich können es bis zu sechs Stunden weniger oder bis zu sieben Stunden mehr sein. Wie Kepler erkannte, folgt der Mond nämlich einer Ellipsenbahn und ändert deshalb periodisch sein Tempo.