Nach 19 Sonnenjahren (oder 235 Mondmonaten) fallen die Mondphasen wieder auf den gleichen Kalendertag. Diese nach dem griechischen Astronomen Meton benannte Periode hatte man auch in Alexandria zur Vollmondberechnung genutzt. Allerdings gibt es eine kleine Differenz im Stundenbereich, die sich über die Jahrhunderte hinweg aufaddiert. 1582 war der am Himmel sichtbare Mond schon vier Tage früher voll als der kalkulierte - ein weithin sichtbarer Rechenfehler!

Papst Gregor ließ daher auch die kirchliche Mondrechnung modifizieren. Um den zyklischen "Kirchenvollmond" langfristig seinem realen Vorbild am Himmel anzugleichen, greift seither auch hier eine - ganz spezielle - Schaltregel ein. Kurzfristig sind aber Abweichungen um einen Tag möglich.

In welchem Jahr Jesus verurteilt wurde, ist unklar. Prozessakten existieren nicht. Pontius Pilatus war bis 36 n. Chr. römischer Statthalter in Judäa. Wie von den Evangelisten Markus und Lukas überliefert, ließ er Jesus kurz nach dem letzten Abendmahl hinrichten - an einem Rüsttag, dem Tag vor dem Sabbat.

Schon Isaac Newton versuchte, das Todesjahr Jesu mit Hilfe der Astronomie zu bestimmen. Theoretisch müsste man dazu bloß ein Jahr finden, in dem der zum Pascha-Mahl gehörende Frühlingsvollmond auf einen späten Donnerstag oder einen Freitag fällt. Da rücken vor allem die Jahre 30 und 33 in den Fokus.

Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas berichten von einer Finsternis am Kreuzigungstag. Sie soll von der sechsten bis zur neunten Stunde gedauert haben. Der Vorhang im Tempel riss entzwei. Bei Matthäus bebt außerdem die Erde. In Anlehnung daran setzte Egon Schiele 1907 eine totale Sonnenfinsternis in seine Kreuzigungsszene. Dabei wird die Sonne vom Neumond bedeckt. Weil sich der Neumond aber erst zwei Wochen nach dem Vollmond einstellen kann, scheidet eine astronomische Sonnenfinsternis am Kreuzigungstag aus.

Der Ostermond

Allerdings: Am 24. November des Jahres 29 n. Chr. tauchte eine dreistündige Sonnenfinsternis den Himmel über Jerusalem tatsächlich in düster-fahles Licht; knapp vor Mittag blieb von der Sonne bloß noch eine sehr feine Lichtsichel übrig. In Bithynien soll es damals ein Erdbeben gegeben haben, das Nicäa größtenteils zerstörte. Falls Jesus am 7. April 30 starb: Wurde diese, Monate zuvor erfolgte Sonnenfinsternis in der Rückschau mit seinem Tod verwoben?

Exakt am zweiten recht plausiblen Kreuzigungstermin, dem 3. April 33, ereignete sich eine Mondfinsternis. Als der Frühlingsvollmond Freitagabend über Jerusalem aufging, fehlte ihm links oben ein Drittel seines Runds. Fand vielleicht dieses Ereignis Eingang in die Evangelien?

Für die Kirche beginnt der Frühling nach wie vor stets am 21. März. Den Vollmond und den nächsten Sonntag abwartend, kann Ostern zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen. Ostersonntage im März sind seltener und werden stets von Jahren mit Aprilterminen umrahmt. Der April gerät somit zum Ostermonat schlechthin; er wurde früher auch "Ostermond" genannt.