Wer den Geigenklang von Kindheit an im Gehör hat, weiß: Was eines Tages im Musikverein so selbstverständlich gut klingt, bedeutet jahrelange mühsame Arbeit des Musikers, aber auch eine gute Portion Stressresistenz seitens der Eltern. Die Geige trägt den Titel Königin der Streichinstrumente daher zu Recht - nicht nur, weil das Spiel auf ihr als höchste Kunst gilt, sondern auch, weil ihr filigraner und doch eindringlicher Klang seinesgleichen sucht.

Wer das Privileg hat, regelmäßig den Geigenklängen etwa der Wiener Philharmoniker zu lauschen, stellt sich auch einmal die Frage, woher denn eigentlich diese Instrumente kommen, die die Streicher so kunstvoll bespielen. Namen aus dem historischen Geigenbau wie A. Stradivari, G. B. Guadagnini oder G. Lemböck tauchen auf, aber auch Namen von Zeitgenossen wie Stephan von Baehr oder Andreas Hellinge. Und rasch ist man bei einem Thema gelandet, das zuerst schwierig im Zugang erscheinen mag, jedoch, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, einige Überraschungen zu bieten hat.

Wie in allen Künsten gibt es auch hier grundlegende Unterschiede in der Methodik der Herstellung. So wie Orchester nicht gleich Orchester ist, ist Geige nicht gleich Geige, wenn auch das Instrument seit ziemlich genau 500 Jahren in dieser Form existiert und sich - zumindest die äußere Form betreffend - seither relativ wenig verändert hat.

Pionier Amati

Für das sich ab 1508 entwickelnde Streichinstrument setzt sich im Laufe des 16. Jahrhunderts der Begriff "Violine" durch. In früheren Quellen finden sich auch "lira", "viola" oder "violetta", und zur Unterscheidung von der "Viola da gamba" (also Kniegeige) wurde auch der Begriff "Viola da braccio" (also Armgeige) angewendet.

Die frühesten erhaltenen Instrumente dieser Violin-Familie stammen aus den 1560er Jahren und sind jene aus der Hand von Andrea Amati (ca. 1505-1577), der als großer Meister seines Fachs galt. Diese prächtig verzierten Instrumente (heute weiß man, dass die Bemalungen außer Haus auf die fertigen Instrumente aufgebracht wurden) dienten als Vorlage für alle weiteren Entwicklungen dieser Epoche. Zeitgenössische Schriftquellen wie Steuerregister oder Reisebeschreibungen ergänzen das Bild von der Verbreitung dieser neuen Generation von Streichinstrumenten.

Alles was sich im Geigenbau vor 1500 abgespielt hat (bei den Violinen des Mittelalters spricht man von der Fidel), ist schon schwieriger nachzuverfolgen. Die Herstellung sowie die damaligen Formen müssen anhand von Darstellungen in Gemälden, Deckenfresken, Intarsien oder aus archäologischen Funden rekonstruiert werden, denn es gibt aus der Frühzeit bis kurz nach 1500 keine erhaltenen Instrumente. Das einzige erhaltene Streichinstrument aus dem 15. Jahrhundert ist die Violetta der Hl. Caterina von Vigri, das in fast allen Teilen original erhalten ist und in einem Kloster in Bologna verwahrt wird (ebenso wie die Hl. Caterina von Vigri selbst, die ebendort in mumifizierter Form zu bestaunen ist). Sie, also die Violetta, stellt jedoch ein Unikat dar, das nur bedingt als Vorbild für einen Nachbau dienen kann.