In seinem (noch nicht auf Deutsch erschienenen) Hauptwerk "Hyperobjects" stellt Morton die These vom "Ende der Welt" auf: Nicht im Sinne einer Apokalypse, sondern im Sinne einer ontologischen Leere. "Im Zeitalter der globalen Erderwärmung gibt es keinen Hintergrund und deshalb keinen Vordergrund", schreibt der Philosoph. "Es ist das Ende der Welt, weil die Welt von Hinter- und Vordergründen abhängig ist."

Man könne etwa kein normales Gespräch über das Wetter mehr führen, weil schon Sätze wie "Lustiges Wetter heute, was?" im Verdacht der Klimaleugnung stehen. Das Wetter ist ja zumindest in gemäßigten Breiten ein kommunikatives Schmiermittel, sich mit jemandem auszutauschen. Über das Wetter kann man sich schichten- und milieuübergreifend unterhalten, ohne viel, aber auch nicht nichts zu sagen. Wenn nun aber selbst das Wetter politisiert ist, gerät auch die zwischenmenschliche Kommunikation in eine Schieflage.

Komplexes Phänomen

Das "Scheitern normaler rhetorischer Routinen", schreibt Morton, sei das "Symptom eines profunden Upgrades unserer ontologischen Werkzeuge": Je mehr Klimadaten erhoben werden, desto mehr werden kleinere Wetterunfälle zum Symptom einer globalen Klimakrise. Brutal vereinfacht: Je mehr wir durch Satelliten und Wetterstationen auf die Atmosphäre blicken, je hochauflösender und komplexer die Modelle werden, desto unschärfer wird unsere Sicht auf den Planeten.

"Die globale Erderwärmung spielt mit uns ein trickreiches Spiel", schreibt Morton. "Wir hielten das Wetter für real. Doch im Zeitalter der globalen Erderwärmung sehen wir es als Unfall, als Simulation von etwas Dunklerem, Zurückgezogenerem - dem Klima." Das Problem, das Morton identifiziert, liegt darin, dass mit dem Schmelzen der Polkappen auch die Idee der einen Welt wie Polareis in der Sonne schmilzt. Als US-Präsident Donald Trump das Pariser Klimaschutzabkommen 2017 aufkündigte, brach er ja nicht nur mit dem Multilateralismus, sondern auch mit dem Gedanken eines geteilten Planeten. Er repräsentiere "Pittsburgh, nicht Paris", sagte Trump damals in seiner Rede, adressiert an seine Wähler in den Schwermetallrevieren und rußenden Fabriken im Rust Belt, die mit ihren Emissionen zur Erderwärmung beigetragen haben.

Die Botschaft: Wir verlassen nicht nur die internationale Staatengemeinschaft, sondern auch die Natur (so ähnlich formulierte es Bruno Latour einst). Auf unserem Hoheitsgebiet gelten andere Naturgesetzmäßigkeiten als andernorts. Wenn Trump die Kältewelle im Mittleren Westen mit den zynischen Worten kommentiert, die USA könnten "ein bisschen von dieser guten alten Erderwärmung gebrauchen", versucht er den US-Exzeptionalismus auch meteorologisch zu beglaubigen.

Die USA, die mythisch überhöhte City upon a Hill, die von der "ominösen" Erderwärmung verschont bleibt. Umweltschutz ist in dieser Logik Artenschutz der vom Aussterben bedrohten Nation. Der Kern der konservativen Revolution besteht gerade in der Illusion, sich gegen die "Stürme" einer globalisierten Welt - Migration, Kriege, Klimawandel - mit physischen und geistigen Mauern zu schützen. Möge es draußen noch so winden, so lange wir uns in unserer ideologischen Trutzburg verschanzen, sind wir vor den Fährnissen der Globalisierung sicher!