Bei der für Ende 2019 geplanten Fertigstellung der neuen
Rotenturmstraße ist eine Co-Finanzierung von rund drei Millionen Euro durch Private am gesamten Investitionsaufwand von elf Millionen gesichert. In der sechs Millionen Euro teuren neuen Herrengasse finanzierten die Anrainer bis auf eine halbe Million Euro alles selbst. Diese wurde von der Stadt (MA 31) zur Sanierung der Wasserleitungen beigetragen. Jedes Haus der Straße ist ein Projektant. Manche besitzen mehrere Liegenschaften. Aus der Frontlänge der Liegenschaft errechnet sich der jeweilige Prozentsatz der Gesamtkosten für jeden Projektanten. Mit der Umsetzung der Begegnungszone Herrengasse war der Architekt Clemens Kirsch betraut. Er konnte bereits mit der 2009 eröffneten Fußgängerzone Wien City sein Wissen in die Neugestaltung des öffentlichen Raums einbringen.

Private Initiativen

"Die Herrengasse kann als Paradebeispiel dienen, weil die Straße ein einzigartiger homogener Straßenzug ist, ein Muster an Kompaktheit sowohl in der baulichen Struktur und auch in der Eigentümercharakteristik", beschreibt Kirsch den genius loci. Gleichzeitig weiß er, dass Gestaltung bloß ein Teil eines größeren Ganzen darstellt. "Als Planer braucht man nicht zu glauben, dass ein neuer Belag allein schon ausreicht, damit alles als neu gilt", differenziert der Stadtentwickler. "Aber es kann eine Hebelwirkung für eine verbesserte Nutzung und die Annahme von mehr Freiraum sein." Dass diese Annahme quantifizierbar ist, beweisen Zählungen, die in der Herrengasse vor, während und nach der Implementierung der Begegnungszone durchgeführt wurden.

Laut einer Untersuchung vom Herbst 2018 stieg in der Herrengasse die Fußgängerfrequenz um rund vierzig Prozent. "Die Geschäftsleute jubeln", sagt Spitzy. Dieses Return on Investment war ein Ziel dieser mehrheitlich privat finanzierten städtebaulichen Errungenschaft.

Eine besondere Koordination war mit der MA 28 für Straßenverwaltung und Straßenbau sowie der MA 46 für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten erforderlich. Nach Abschluss der Arbeiten ging die Wartung komplett in die Verantwortung der Stadt über. Thomas Keller, Leiter der Magistratsabteilung 28, zieht ein erfreuliches Fazit - mit einem Versprechen auf Fortsetzung: "Als Straßenerhalterin sind wir über die private Initiative zur Umgestaltung der Herrengasse sehr glücklich. Die Stadt hat eine neue, moderne Begegnungszone erhalten, wobei die Kosten für den Umbau nahezu komplett von Privaten übernommen wurden. Das war eine absolute Novität für uns. Die gewonnenen Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit den handelnden Akteuren der privaten Initiative werden bei künftigen partizipativen Vorhaben berücksichtigt - insbesondere die Motivation zur Veränderung und die dahinterstehenden Interessen der Beteiligten."

Grünangebote

Ein kommerzieller Hintergedanke ist keine Sünde; von manchen Stellen wurde Kritik laut, dass sich "die Oligarchen die Stadt gestalten, wie es ihnen gefällt". Dagegen argumentiert Wolfgang Spitzy: "Die Budgets der Stadt sind limitiert, wir entlasten sie und ermöglichen Projekte an der Peripherie, die sonst erst nach vielen Jahren umgesetzt werden."

Die Verzahnung von zivilgesellschaftlicher Initiative und Behörde ist ein Muster für zukünftige Projekte. Eventuell etabliert sich Private Public Partnership auch für die Entwicklung urbaner Räume und nicht nur für einzelne Bauvorhaben.