Die Fußgängerzone ist seit den 1950er Jahren eine Idee, die über den protestantisch geprägten Raum gewissermaßen ihren Weg in die weite Welt gefunden hat. Bereits 1961 entstand in der Klagenfurter Kramergasse die erste Fußgängerzone Österreichs. 1971 wurde das Automobil vom Wiener Graben ausgeschlossen. Bilder aus den 60er Jahren zeigen noch Autokorsos und zugeparkte Seiten. 1974 gestalteten die Architekten Wilhelm Holzbauer und Wolfgang Windbrechtinger die Kärntner Straße zur Fußgängerzone um. Die Stadt entwickelte danach vor allem Grätzl, Liegenschaften und Plätze neu, allen voran das Museumsquarter (MQ).

In den Niederlanden kam in den 1970er Jahren der sogenannte Woonerf (Wohnhof) auf, ein Konzept zur Verkehrsberuhigung, das der gegenwärtigen Idee der Begegnungszone zugrunde liegt. Die Begegnungszone lässt sich deshalb als Spin-Off der Fußgängerzone verstehen. Die Kern-Qualitäten der Begegnungszone sind: Fließgeschwindigkeit von maximal 20 km/h, Nivellierung des Terrains, gleichwertige Einbeziehung aller Verkehrsteilnehmer, die Reduk-
tion von PKW-Abstellflächen sowie die Erweiterung der Stadt um eine behagliche Facette.

Begegnungszone Herrengasse. - © Pascal Petignat
Begegnungszone Herrengasse. - © Pascal Petignat

Mit einer Novelle der Straßenverkehrsordnung 2013 wurde das Konzept der Begegnungszone in die Überlegungen der urbanen Raumgestaltung in Österreich aufgenommen. Zwar war die Etablierung der Begegnungszone Mariahilfer Straße das, was man salopp und dennoch euphemistisch "eine schwere Geburt" nennen kann, aber parallel dazu entstanden in den letzten sechs Jahren in ganz Österreich eine Reihe von Begegnungszonen, die zur Verkehrsberuhigung und zur Aufwertung des öffentlichen Raumes geführt haben.

Beispiel Herrengasse

Seit 2016 ist auch die Herrengasse eine Begegnungszone. Geschuldet ist sie der Initiative Herrengasse+ und ihrem Gründer Wolfgang Spitzy. Als seit Jahren agierender Vertreter der Eigentümer des ersten Wiener Hochhauses war ihm die Rolle eines Sprechers bereits vertraut. Als Bewohner des Hauses hat er Leidensdruck im Alltag selbst verspürt.

"Es gab einen engen Gehsteig, der die Menschen eher dazu animiert hat, auf die Straße zu gehen, als sich aneinander vorbei zu zwängen", konstatiert der Jurist rückblickend. "Mir wurde schnell klar, dass man nur dann eine Chance hat, eine wirksame Veränderung im Straßenbild zu erzielen, wenn man eine größere Initiative bildet." Das Beispiel Herrengasse hat im ersten Bezirk bereits Begehrlichkeiten geweckt und einige Nachahmer motiviert: So entsteht etwa in der Rotenturmstraße zurzeit eine weitere Begegnungszone. Was beide Projekte verbindet, ist die Aufwertung der Zivilgesellschaft. Schließlich beteiligen sich auch Private an der Finanzierung.