Viele Stadtentwickler sorgen sich angesichts wachsender Überhitzung im Sommer um Grünangebote in der Stadt. Bäume sind grundsätzlich willkommen, dafür braucht es aber ein entsprechendes Straßenprofil. Es gilt, den da-runter liegenden Kanalverlauf zu berücksichtigen und manches mehr. Generell erweist sich die monarchistisch geprägte Stadtstruktur heute als Vorteil, weil Parks und Gärten die vollflächige Versiegelung unterbinden.

Die Verbuschung von Innenstädten zur Besserung des Mikroklimas ist jedoch ein heikles Unterfangen. Schließlich kommt auf der Piazza Navona in Rom auch keiner auf die Idee, Hecken zu setzen. Allerdings zeigen antike Stadtmodelle, dass auf ausreichend Grünraum meist geachtet wurde; andererseits war der einzige wirkliche Stau damals nur dann gegeben, wenn eine siegreiche Legion in die Stadt einzog. Und Soldatenschweiß ist auch nicht wirklich mit CO2-Ausstoß gleichzusetzen . . .

Ein interessanter Aspekt ist mit dem Granit in der Herrengasse verbunden. Die Oberfläche der Steine ist nach einer alten Methode bearbeitet. Er ist gestockt. Früher saßen Handwerker mit dem Hämmerchen und haben Oberfläche für Oberfläche abgeklopft. Heute macht das eine Maschine. Die Oberfläche ist rau, der Gehkomfort dadurch verbessert, es gibt einen deutlicheren Grip - und die Rutschgefahr sinkt.

Ausweichzone

Auch für die Rotenturmstraße ist gut betretbarer Untergrund wichtig, schließlich frequentieren sie rund 60.000 Fußgänger täglich. Die Begegnungszone soll auch zu einer Ausweichzone in dieser Straße werden, in der man leicht klaustrophobisch werden kann.

Auf die Frage, wie man einen rund 500 Meter langen, permanent genutzten Straßenabschnitt komplett erneuert, antwortet Peter Lux, der das Kompetenzzentrum technische Infrastruktur und bauliche Sicherheit im öffentlichen Raum der Stadt Wien leitet: "Wir können auf einen guten Erfahrungsschatz verweisen. So ein Bauvorhaben steht und fällt mit der Einsatzbereitschaft, Qualität und Öffentlichkeitsarbeit aller Beteiligten, sowohl auf der Seite der Auftraggeber, der städtischen Bauaufsicht als auch auf Seite der Auftragnehmer, also bei den involvierten Baufirmen. All deren Leistungsbereitschaft und das Eingehen auf die Bedürfnisse der Anrainer und Betriebe - das ist der wesentliche Erfolgsfaktor. Wir tragen jedenfalls dem Trend Rechnung, dass mehr Aufenthaltsqualität im Freien verlangt wird."

Der Flaneur ist eben einer, der nicht von A nach B geht, sondern das Umherschlendern zu seiner obersten Maxime erhebt. Begegnungszonen können daher auch als eine Art Übungsgelände für Flaneure betrachtet werden. Viele von uns müssen freilich auf direktem Wege wohin, um etwas zu erledigen. Das Ziel ist dann tatsächlich das Ziel - und Flanieren bestenfalls eine Teilzeitbeschäftigung, für die Begegnungszonen immerhin Anreize schaffen.

Hinweis:

Der österreichische Verein walk-space.at hat es sich zum Ziel gesetzt, das Leben der Fußgänger maßgeblich zu verbessern. Diese Verbesserung ist im Internet gut dokumentiert, auf www.begegnungszonen.or.at ist eine Auflistung aller derzeit in Österreich vorhandenen Begegnungszonen, ihrer Entstehung und Spezifika einsehbar.