Eines der beliebtesten Fotomotive: die Jungfrau, mit 4158 Metern der dritthöchste Berg der Berner Alpen. - © Robert Bressani
Eines der beliebtesten Fotomotive: die Jungfrau, mit 4158 Metern der dritthöchste Berg der Berner Alpen. - © Robert Bressani

Während Dardel und Barnabé kleinformatige Unikate, nämlich Daguerreotypien, herstellten, arbeiteten die Brüder Bisson und auch Braun mit einer neuen Technik, dem sogenannten "Nassen Kollodiumverfahren". Dabei wurden als Trägermaterial Glasplatten verwendet, die vor der Aufnahme händisch mit einer chemischen Lösung beschichtet und lichtempfindlich gemacht wurden. Belichtet wurden sie in nassem Zustand. Die Bilder mussten noch vor Ort fixiert und gewässert werden. Diese Vorgangsweise war besonders im Hochgebirge zeitraubend und oft schwierig. Nicht selten misslangen Aufnahmen, die unter großen Strapazen entstanden waren.

Das Fotografieren im Hochgebirge war, so lautete eine häufig geäußerte Klage der frühen Fotopioniere, immer ein Kampf mit den Tücken der Natur. "Das Mitschleppen des Zeltes, in dessen Dunkel das Silberbad bereitet und das Bild ‚hervorgerufen‘ wird, die Last der Camera und insbesondere des dreifüßigen Stativs sind dabei das Geringste", beschrieb Heinrich Noë im Jahr 1874 die Schwierigkeiten des Fotografierens im Gebirge und klagte insbesondere über "Staub, Insekten und andere kleine Teufeleien, die sich auf die feuchte Collodium-Schichte der Platte stürzen".

Schwere Ausrüstung

Noë hatte im Oktober 1873 den Münchner Fotografen Bernhard Johannes bei dessen gewagter Besteigung der Zugspitze begleitet und im Jahr darauf einen Bericht über das fotografische Bergabenteuer verfasst. "Mit jedem Hundert Meter Erhebung über die Meeresfläche", so heißt es bei ihm weiter, "vermindern sich die Aussichten des Gelingens. Maulthiere oder Träger können an den Werkzeugen etwas verderben; der Wind kann das aufgeschlagene Zelt bedrohen, geeignetes Wasser schwer zu finden sein, im wichtigsten Augenblicke sich Nebel vor das Objectiv legen, die Platten im Kasten können zertrümmert werden - und wie die Störungen, die einer fortgesetzten Reihe von chemischen Experimenten drohen können, alle heißen mögen."

Neben der Natur und den Herausforderungen der Chemie und der Technik setzte den frühen Bergfotografen vor allem eines zu: das Gewicht ihrer Ausrüstung. Zu befördern waren die schwere, großformatige hölzerne Kastenkamera mit Objektiv und Stativ, Glasplatten, Negativkassetten, ein Dunkelkammerzelt, Chemikalien und Wasser. Dazu kamen Zelte für die Unterkunft sowie Verpflegung für die oft mehrtägigen, gelegentlich auch mehrwöchigen Ausflüge, da zunächst noch kaum Hütten und Unterkünfte zur Verfügung standen. Als der Franzose Aimé Civiale 1859 eine Fotoexpedition ins Schweizer Hochgebirge zusammenstellte, benötigte er, um die Last der umfangreichen Ausrüstung transportieren zu können, 25 Träger samt mehreren Maultieren.

Am 24. Juli 1861 erreichte der französische Fotograf Auguste Rosalie Bisson nach zwei gescheiterten Versuchen (August 1859 und Juli 1860) in einer aufsehenerregenden Expedition den Gipfel des Montblanc und brachte aus 4792 Metern Höhe drei belichtete Platten mit.

Das Medienecho auf Bissons Erfolg war gewaltig, er selbst wurde als Held und Eroberer gefeiert. Seine Unternehmungen gaben den Anstoß für eine Reihe weiterer fotografischer Expeditionen in den Alpen. Im Juli 1863 brach der Österreicher Gustav Jägermayer zu einer fotografischen Großglockner-Expedition auf. Im selben Monat unternahm der Turiner Fotograf Alberto Luigi Vialardi die erste italienische Hochgebirgsmission in die Turiner Alpen. Er brachte mehrere Aufnahmen vom 3841 hohen Monviso mit ins Tal.