Der Eiger in den Schweizer Alpen. - © Robert Bressani
Der Eiger in den Schweizer Alpen. - © Robert Bressani

Auch Frauen waren unter diesen Pionieren, etwa die Engländerin Lily Bristow, die ebenfalls auf den Montblanc kletterte und fotografierte. In der Kletterfotografie trat an die Stelle des breit angelegten Landschaftsbildes das Detail, die Textur der Oberfläche, Blöcke, Spalten, Risse. Und natürlich der Protagonist, der sich scheinbar mühelos inmitten des steilen, abweisenden Geländes bewegt.

Seit der Zwischenkriegszeit beschleunigte sich die mediale Vermarktung der Erstbesteigungen und vor allem der groß angelegten außereuropäischen Bergexpeditionen. Die großen Expeditionen wurden nun nicht nur von Fotografen, sondern teilweise auch von Filmern begleitet, um die Unternehmungen möglichst umfassend und - insbesondere im Nationalsozialismus - auch propagandistisch ausschlachten zu können (u.a. in Wochenschauen, in der illustrierten Presse, in Postkarten und Fotobüchern).

Distanz zum Gebirge

In die Geschichte der deutschen Bergpropaganda gingen etwa die Aufnahmen von Ludwig Vörg ein, der Ende der 1930er Jahre die legendäre Erstbesteigung der Eiger Nordwand fotografierte. Ebenfalls in den 1930er Jahren begleiteten die Fotografen Ludwig Schmaderer und Peter Aufschnaiter die deutschen Himalaya-Expeditionen.

Einen ästhetisch ganz anderen Weg schlug etwa zeitgleich der Amerikaner Ansel Adams ein, der ab 1942 die amerikanischen Nationalparks fotografierte. Im Unterschied zu den Expeditionsfotos, die die Dramatik und die Steilheit des Geländes inszenierten, hielten Adams’ Aufnahmen Distanz zum Gebirge. Die Berge wurden bei ihm oft in ein monumentales, gelegentlich romantisch gefärbtes Licht getaucht. Er inszenierte in seinen Bildern eine der Zivilisation entrückte amerikanische Paradelandschaft und trug wesentlich zur nationalen Wiederentdeckung der Wildnis in der Nachkriegszeit bei.

Seit den 1950er Jahren gehörte die billige, kleinformatige Kamera in praktisch jeden Bergrucksack. Heute ist die Handykamera an ihre Stelle getreten. Jahrzehntelang landeten Millionen von Bergfotos im Familienalbum, seit etlichen Jahren in den Sozialen Netzwerken und auf Datenplattformen im Netz. Aus diesen massenhaft zirkulierenden Urlaubserinnerungen ist längst jede Pionierstimmung gewichen. Und so ist es kein Wunder, dass sich gegen die Flut der mittelmäßigen Bergbilder Widerstand regt. Einige der bekanntesten Bergfotografen der Gegenwart und der jüngeren Vergangenheit traten und treten explizit gegen diese Welle geknipster Mittelmäßigkeit an. Einige versuchten, dem zu Tode eroberten (und fotografierten) Gelände wieder die Anmutung des Abenteuers zurückzugeben oder es in einem neuen, faszinierenden Licht erscheinen zu lassen.

Professionelle Fotografen wie Bernd Ritschel, Heinz Zak, Peter Mathis, Ruedi Homberger, Jürgen Winkler oder Michael Schnabel knüpfen in ihren Bildern durchaus an die heroische Zeit des Alpinismus an, propagandistische Verklärung oder pathetische Gestik sind ihnen aber fremd. Andere zeitgenössische Lichtbildner, etwa Lois Hechenblaikner, Jules Spinatsch, Gregor Sailer oder Walter Niedermayr dokumentieren mit nüchternem Auge die Verwandlung des Gebirges zum Themenpark und Freizeitspektakel. Während ihre künstlerischen Fotoarbeiten in Galerien und Museen gezeigt werden, erobert die populäre Bergfotografie der Gegenwart immer neue thematische Nischen.

Längst ist an die Stelle des Familienalbums und des altehrwürdigen Bergbildbands das Internet getreten. Aber immer noch werden Bergfotos an die Wohnzimmerwand gehängt. Neben dem traditionellen Bergkalender gibt es neuerdings Bergbilder auch für besondere Zielgruppen. Der "Bikini Boulderers Calendar" etwa zeigt junge, leicht bekleidete Frauen in aufreizenden Kletterposen. Die Bergfotografie kennt auch im 21. Jahrhundert keine Grenzen.