Im Juli 1969 fiebert die Welt der ersten bemannten Mondlandung entgegen. Schon in den Monaten davor fehlte es nicht an Dramatik - mit brenzligen Situationen und einem Attentat. Am 16. Jänner hatten zwei sowjetische Raumschiffe im Erdorbit aneinander angedockt. Alexei Jelissejew und Jewgeni Chrunow stiegen aus der Sojus 5 und hangelten sich in ihren Raumanzügen draußen zum Schwesterschiff Sojus 4 vor. Sie brachten dessen einzigem Kosmonauten Wladimir Schatalow Zeitungen und Briefe mit - und flogen dann mit ihm heim!

Der orbitale Crew-Transfer war eine Premiere, die Mission eine wichtige Vorübung für den sowjetischen Mondflug. In der Sojus 5 blieb damals nur Boris Wolynow zurück. Seine Landung geriet fast zum Desaster, weil sich das Servicemodul viel zu spät vom Rückkehrmodul der Sojus löste. Die Kapsel nahm beim heißen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre deshalb zunächst die falsche Lage ein. Die Lukendichtung schmorte bereits. Der harten Landung wegen brachen Wolynow mehrere Zähne.

Kurz danach wurden die Heimkehrer im Kreml empfangen. Ihr offener Wagen fuhr an der Spitze eines Triumphzugs durch Moskau, gefolgt von der Limousine mit KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew und Ministerpräsident Alexei Kossygin. Im dritten Fahrzeug saßen weitere berühmte Kosmonauten wie Walentina Tereschkowa und Alexei Leonow.

Die Menschen am Straßenrand jubelten. Doch der Geheimdienst wusste: In einer Kaserne waren zwei Armeepistolen gestohlen worden. Deshalb bogen die beiden ersten Wagen vorzeitig ab. Die anderen blieben auf der geplanten Route. Plötzlich sprang ein Uniformierter aus der Menge und feuerte mit zwei Pistolen los - in der Annahme, er hätte das Fahrzeug mit den beiden wichtigsten Männern von Partei und Regierung vor sich. Weder Tereschkowa noch Leonow wurden ernsthaft verletzt, doch ihr Fahrer erlitt einen tödlichen Kopfschuss.

Öffentliche Auftritte der Kosmonauten waren zuletzt problematisch geworden, da diese immer wieder nach dem Datum der ersten sowjetischen Mondlandung gefragt wurden. Doch die ist - in Wahrheit - längst in weite Ferne gerückt. Am 19. Februar versuchte man, ein schweres, ferngesteuertes Mondmobil abzusetzen: Die Trägerrakete kollabierte beim Aufstieg. Zwei Tage später explodierte auch noch die fürs sowjetische Mondlandeprogramm unverzichtbare Riesenrakete N1 bei einem Teststart.

Die Crew der Apollo 11: Michael Collins zwischen Neil Armstrong (links) und Buzz Aldrin. - © NASA
Die Crew der Apollo 11: Michael Collins zwischen Neil Armstrong (links) und Buzz Aldrin. - © NASA

Hingegen hatten drei US-Astronauten den Mond zu Weihnachten 1968 in der Apollo 8 umkreist - und die UdSSR bei diesem wichtigen Etappenziel geschlagen. Dann war endlich auch die Landefähre einsatzbereit: Die Apollo-9-Crew sollte sie im Erdorbit testen. Nach dem Start am 3. März 1969 drehte sie das Apollo-Schiff um 180 Grad, dockte mit dessen Nase an die Mondfähre an und zog diese "im Rückwärtsgang" aus der dritten Stufe der Saturn-V-Rakete.