"Die Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen". Dieser Satz des Philosophen und Soziologen Theodor W. Adorno könnte als Motto seiner theoretischen Werke dienen. Er übertrug diese Maxime auf die Philosophie und verweigerte sich dem akademischen Diskurs, der ihn langweilte. Dem routinierten Ablauf der Kathederphilosophie setzte er ein lebendiges Denken gegenüber, das sich an Friedrich Nietzsches "Philosophieren mit dem Hammer" orientierte.

Adorno zerstörte konventionelle Denkschablonen, die von Generationen gepflegt wurden. Er wandte sich gegen die optimistische Vorstellung, dass Philosophie der Lebensbewältigung diene und wie ein Rezept aus der Apotheke anzuwenden sei.

Diese skeptische Weltsicht trug Adorno den Ruf eines großen Verweigerers ein, der sich bequem im "Hotel Abgrund" eingerichtet habe, wie der Vorwurf des ungarischen Marxisten Georg Lukács lautete. Ähnlich argumentierte Thomas Mann, der sich 1952 in einem Brief an Adorno darüber beklagte, dass er kein positives Konzept entdecken könne, "das eine auch nur ungefähre Vision der wahren, der zu postulierenden Gesellschaft gewährte!" Darauf antwortete Adorno: "Wenn mir etwas von Hegel und denen, die ihn auf die Füße stellten, in Fleisch und Blut übergegangen ist, dann ist es die Askese gegen die unvermittelte Aussage des Positiven."

Adorno betonte stets den Nonkonformismus seines Denkens, das sich wehrte, in den klassischen Kanon der Philosophie eingereiht zu werden. Er vertrat eine "Kritische Theorie", die vor allem systematische Philosophiegebäude wie den Deutschen Idealismus oder den Positivismus bekämpfte. So polemisierte er gegen die "idealistischen Rauschebärte" und gegen die "quietschvergnügten Positivisten". Adorno ging von einem Philosophieren aus, das sich im Widerstand gegen alle systematischen Theorien bewegt und empfahl eine radikale Subversion: Denken war seiner Auffassung nach "Resistenz gegen das ihm Aufgedrängte".

Adornos Schriften zeichnen sich durch eine hermetische Schreibweise aus; sie verweigern sich der Kulturindustrie, mit der Absicht, das leicht Konsumierbare zu ächten. In seinem umfassenden Werk beklagte der neomarxistische Paradeintellektuelle "das beschädigte Leben" des Individuums, das von der spätkapitalistischen Industriegesellschaft auf dem Altar der Profitmaximierung geopfert wird.

Für Adorno war diese Gesellschaftsform das "ganz Falsche", gleichsam die "Hölle menschlicher Existenz"; ein Totalschaden, der das Individuum zum "Lurch" degradiert. Seine Sichtweise der "verwalteten Welt der Konsumgesellschaft" bezeichnete er - im Gegensatz zu Nietzsches "fröhlicher Wissenschaft" - als "traurige Wissenschaft", die von der Aussichtslosigkeit des Einzelnen angesichts der totalitären Macht der kapitalistischen Maschinerie kündet.