Entwurf für eine nachhaltige Stadt auf dem Wasser: Oceanix City. - © Abb.: Oceanix City/BIG - Bjarke Ingels Group
Entwurf für eine nachhaltige Stadt auf dem Wasser: Oceanix City. - © Abb.: Oceanix City/BIG - Bjarke Ingels Group

Schon vor 8000 Jahren sind Menschen aufs Wasser ausgewichen. Archäologen haben beim oberösterreichischen Mondsee Überreste von Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit ausgegraben. Diese Bauweise bot schon damals Schutz vor Hochwasser. Noch heute finden sich entlang der Donau einfache Hütten, die auf hölzernen Pfosten stehen und als Fe-rienwohnungen vermietet oder von Fischern als Wohn- und Vorratsräume genützt werden.

Große Teile der Stadt Venedig ruhen ebenso auf Holzpfählen wie das historische Amsterdam, das nicht nur von den Holländern gerne "Venedig des Nordens" genannt wird. Schon lange ist dort Wohnraum knapp. Deshalb leben viele Menschen auf Hausbooten. Eine Besonderheit von Amsterdam ist die Lage: Die Stadt liegt teilweise unterhalb des Meeresspiegels und wird durch gigantische Deichanlagen vor den ozeanischen Wassermassen geschützt.

Um Leben sowie Hab und Gut vor Überschwemmungen zu bewahren, errichtete man auf den Philippinen, am Mekong in Kambodscha und in Thailand hölzerne Pfahlbausiedlungen in Lagunen und Flussmündungen. Millionen Menschen in Südostasien bewohnen Boote, und in China sind richtig große Städte aus Hausbooten errichtet worden. Siedlungen auf dem Wasser gibt es auch schon lange auf dem Tonle Sap See in Kambodscha, in der Halong-Bucht in Vietnam oder in Südamerika - auf dem Titicacasee in Peru.

Meeresspiegel steigt

Schwimmende Städte auf den Ozeanen waren bisher in erster Linie ein Thema für Science-Fiction-Autoren und tollkühne Gedankenspiele visionärer Architekten. Doch solche Projekte rücken durch den Klimawandel in greifbare Nähe. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung leben heute weniger als 100 Kilometer von Meeresküsten entfernt, und zehn Prozent sind in Regionen zu Hause, die höchstens vier Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Das wird immer mehr zum Problem, denn wie neue Daten des "Intergovernmental Panel on Climate Change" dokumentieren, wachsen die Meere seit Jahrzehnten. Klimaforscher erwarten, dass die Temperatur auf der Erde in den nächsten 30 Jahren um 1,5 Grad ansteigen wird. Das kann ein Ansteigen des Meeresspiegels um 26 bis 77 Zentimeter nach sich ziehen. Der Ozeanologe und Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ist pessimistisch. In einem Interview mit dem Magazin "National Geographic" sagt er: "Frühere Prognosen zum Meeresspiegelanstieg sind inzwischen von den Messdaten überholt worden."

Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen. Einerseits hat erwärmtes Wasser ein größeres physikalisches Volumen als kaltes - und benötigt mehr Platz. Nur wenn Wasser zu Eis wird, braucht es ebenfalls mehr Raum. Jedenfalls werden in den Binnenländern durch das Abschmelzen der Gebirgsgletscher große Wassermassen in die Meere gespült.