Wäre es nach seinem Vater gegangen, hätte Walter Baade, geboren am 24. März 1893 in Schröttinghausen, Theologie studiert. Doch im Gymnasium packte ihn die Liebe zur Astronomie. Nach dem Studium erwarb er die Doktorwürde bei Johannes Hartmann, der in Walters Geburtsjahr an der Wiener Kuffner-Sternwarte assistiert hatte. 1919 wurde Baade dann selbst Assistent - an der Hamburger Sternwarte. Rasch entdeckte er dort mehrere Kleinplaneten: Die Westphalia taufte er nach seiner einstigen Heimat, den Hidalgo nach dem mexikanischen Nationalhelden und die Muschi nach dem Kosenamen seiner Gattin Johanna.

1931 erhielt Baade eine Anstellung am Mt. Wilson Observatorium in Kalifornien. Die Hamburger Kollegen wollten ihn zurück, boten ihm sogar die Direktorenstelle an. Doch der Deutsche wusste: Hier in den USA würden ihm leistungsfähigere Teleskope zur Verfügung stehen. Er blieb. Während des Kriegs zogen die US-Streitkräfte auch Astronomen ein. Nicht aber Baade: Er galt als Ausländer aus einem Feindesland.

Als das nahe gelegene Los Angeles aus Furcht vor einem Angriff verdunkelt wurde, herrschten auf dem Mount Wilson beste Beobachtungsbedingungen. So konnte ausgerechnet Baade das 2,5-Meter-Teleskop voll ausreizen; es war das größte Teleskop der Welt.

Eisen im Regenbogen

Der deutsche Astronom und Astrophysiker Walter Baade (1893-1960) - © Archiv
Der deutsche Astronom und Astrophysiker Walter Baade (1893-1960) - © Archiv

1944 bemerkte er: Die Sterne auf seinen Fotoplatten ließen sich in zwei Gruppen teilen. Jene der Population I halten sich in den noch gasreichen Spiralarmen der Milchstraße auf. Sie sind relativ jung; auch unsere Sonne zählt dazu. Die flache Sternenscheibe ist in einem riesigen, kugelförmigen Halo eingebettet; darin dominieren die alten Sterne der Popula-
tion II
.

Ein Prisma oder Beugungsgitter zerlegt das Sternenlicht in ein Regenbogenband: Zwischen dem blauen und dem roten Ende dieses Spektrums fallen feine, dunkle Linien auf: Chemische Elemente in den Sternatmosphären stehlen das Licht bestimmter Wellenlängen. Die Linien sind für den jeweiligen Lichtdieb typisch - ähnlich wie Fingerabdrücke bei Menschen. Sie verraten, welche Elemente in den Sternatmosphären stecken. Mit etwas größerem Aufwand lassen sich auch deren Häufigkeiten bestimmen. Man drückt sie gern im Verhältnis zum alles dominierenden Wasserstoff aus. Besonders leicht sind die vielen dunklen Linien des Eisens nachzuweisen.

Alle Elemente, die schwerer sind als Wasserstoff oder Helium, werden von den stellaren Spek-tralanalytikern "Metalle" genannt. Das ist so eigenwillig, dass wir dieses Wort hier immer in Anführungszeichen setzen. Den jungen Sternen der Population I (kurz: "Pop I") sind diese "Metalle" deutlich beigemischt. Bei den wesentlich früher entstandenen Vertretern der Population II ist der "Metallgehalt" bescheidener. Das Universum reichert sich also immer mehr mit schweren Elementen an. Wer ist dafür verantwortlich? Es sind die Sterne selbst!