Einfach wegschauen, wenn es irgendwo ein größeres Problem gibt, ist für den in Berlin lebenden Autor keine Option. Im Gegenteil. Je größer das Problem, desto stärker scheint für Eisenhauer der Reiz zu sein, sich damit zu beschäftigen. Und zwar bei Bedarf an vorderster Front. Im Notfall auch im Alleingang. Aber nie ohne Vernunft.

Drei Ratgeber, thematisch eng miteinander verwandt und stilistisch zum Verwechseln ähnlich, sind so entstanden, und zum besseren Verständnis, von welch anachronistischer und tiefgründiger Art die Empfehlungen sind, die Eisenhauer jetzt in seinem Buch über die Angst versammelt hat, lohnt ein Blick in die beiden vorangegangen Bücher.

Den Auftakt der Trilogie bildete 2014 "Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens - in aller Kürze beantwortet". (Siehe Besprechung in der "Wiener Zeitung" dazu.)  Der großspurige Titel führt in die Irre. Das Buch enthält nämlich keine Ratschläge, wie man möglichst rasch reich oder berühmt wird. Im Gegenteil. Es rät ganz entschieden zu Bescheidenheit und Demut. Warum?

Eisenhauer schreibt im "Brotberuf" Nachrufe. Sein Blick auf das Leben vieler Verstorbener, die für ihre Freiheit und Karriere auf alle Bindungen verzichtet hatten und die dann vor ihrem Tod verzweifelt feststellen mussten, dass in der größten Not niemand da ist, der sie tröstet, hatte ihn überzeugt: Was im Leben letztlich wirklich zählt, ist die Freundschaft zu anderen Menschen - und auch die Freundschaft zu sich selbst.

2016 erschien "Wie wir alt werden ohne zu Altern - 7 Ideen gegen die Verholzung des Denkens". (Rezension in "WZ") Wiederum versprach der Titel zu viel. Denn Eisenhauers Rat ist nicht dafür gedacht, das biologische, sondern das geistige Altern zu stoppen - und die unausweichlichen körperlichen Einschränkungen mit geistiger Weiterentwicklung zu kompensieren. Und das ist sein Programm: Bücher lesen, statt sich mit Pillen zu sedieren. Dankbar für geschenkte Lebensjahre sein, statt über Gebrechlichkeit zu jammern.

Gregor Eisenhauer ist kein Autor, der Lesern das eigene Denken ersparen will. Er zwingt sie vielmehr dazu. Und er zwingt sie auch zu ständigem Zweifel. Seine Sätze sind keine Sänften, die Leser zu Gewissheiten tragen. Sie sind eher wie ein überraschender Schwall Eiswasser ins Gesicht.

"Ich habe Angst. Seit ich denken kann. Angst vor der Dunkelheit, vor dem Erwachsenwerden, vor dem Altwerden, vor dem Dickwerden, vor dem Tod. Angst vor der Liebe, vor dem Hass, vor dem Neid, vor den Grillpartys meiner Nachbarn, vor dem Besuch alter Schulfreunde, vor der Zukunft, vor der Vergangenheit, vor den engen Kurven im Parkhaus."

Illusion Autonomie

Mit diesem eruptiven Geständnis beginnt Eisenhauers jüngstes Buch. Als Leser gerät man in-stinktiv in Panik, einer derart ausufernden und aufdringlichen Beichte nicht lange genug folgen zu können, um bis zu brauchbarem Rat vorzudringen. Das weiß natürlich auch Eisenhauer, darum grenzt er sein ungeheuer großes Thema rasch ein: "Dieses Buch handelt nicht von den großen Krisen: Finanzkrise, Klimakrise, Hungerkrise, Glaubenskrise, Eurokrise, es handelt von den Krisen des Alltags."