Das Zitat vom Beginn dieses Beitrags verweist auf jenen Typ von Ansichtskarten, der bis heute die größte Verbreitung hat und am beliebtesten ist: die topographischen Karten. Sie zeigen Abbildungen von Städten, Dörfern und Landschaften und definieren durch ihre Bildauswahl, was "sehenswert" ist. Markante Kirchen, Burgen und Schlösser, historische Plätze, Denkmäler und Paläste, idyllische Berge, Wälder und Seen - die Bildmotive bestätigen in Zeiten eines boomenden Tourismus häufig die Erwartungserwartungen der Empfänger. So sind in Wien klassische Motive wie der Stephansdom, das Riesenrad im Prater, Schloss Schönbrunn oder eines der prominenten Kaffeehäuser bei Reisenden besonders beliebt.

Erinnerungsstütze

Im Kontrast dazu werden auch witzige Illustrationen, satirische Verfremdungen und persiflierende Darstellungen gerne gewählt. Solche Ansichtskarten sind nicht nur Erinnerungsstützen für den Einzelnen, sie sind auch kulturgeschichtliche Dokumente. Im Zeitvergleich dokumentieren sie den historischen Wandel: Dieselbe Straße, dieselbe Kirche, dieselbe Fabrik: wie haben sie, zum Beispiel, vor und nach dem Krieg ausgesehen? Was hat sich verändert, was ist gleichgeblieben?

Kein Wunder, dass sich auch Wissenschafter und Museumsleute mit diesem ersten globalen Bildmedium befassen. Die Sammlung des Wien Museums umfasst 16.000 topographische Karten aus der Zeit von 1900 bis zur Gegenwart. Darunter sind auch geschlossene Sammlungen wie jene von Else Erxleben: Verheiratet mit einem Angestellten der Reichsbahn, begleitete sie um 1900 herum ihren Mann häufig auf Fernreisen. Dabei hat sie insgesamt rund 3500 Postkarten in vielen Orten Europas gesammelt, diese dann anschließend in Alben geordnet und kommentiert. Teile davon sind nun im Internet zugänglich, und für 2021 ist eine Ausstellung geplant.

Was die Sammelleidenschaft betrifft, so gibt es also nicht nur Philatelisten, die Briefmarken horten, sondern auch Philokartisten, die es auf Ansichtskarten abgesehen haben. Bereits im Mai 1894 gründeten in Hamburg Liebhaber dieses Mediums den ersten "Sammlerverein für illustrierte Postkarten". In der Folge erschienen eigene Fachzeitschriften zum Thema, Auktionen wurden veranstaltet, eigene Läden eröffnet.

Karl Valentins Sammlung "Münchner Originale" (Detail/Buchcover)
Karl Valentins Sammlung "Münchner Originale" (Detail/Buchcover)

Viele Sammler spezialisierten sich, etwa auf topographische Karten aus bestimmten Regionen, auf Feldpostkarten, Glückwunschkarten, Werbekarten, Karten mit Künstler- und Prominentenporträts oder andere Motivkarten. Der Münchner Komiker Karl Valentin zum Beispiel hatte sich auf örtliche Ansichten und lokale Skurrilitäten spezialisiert - soeben erst ist ein Buch über "Münchner Originale" mit Kostproben aus seiner Sammlung erschienen.

Kunstpostkarte

Und dann gibt es noch eine ganz besondere Sorte: die Kunstpostkarte. Gemeint sind nicht die Miniaturabbildungen von Kunstwerken, die man in Museumsshops und gut sortierten Buchläden erwerben kann, sondern Original-Kunstwerke auf Postkarten. Sie werden teilweise hoch gehandelt: So ersteigerte ein Sammler bei einer Kunstauktion im November 2017 drei Postkarten, die Franz Marc 1913 an seinen Kollegen Erich Heckel geschickt hatte, für insgesamt 925.000 Euro. Die Karten zeigten aquarellierte Tiermotive, für die Franz Marc berühmt ist.