Auch manche Schriftsteller haben sich dieses Mediums bedient: Jurek Beckers Buch "Am Strand von Bochum ist allerhand los" (Suhrkamp, 2018) besteht aus einer Sammlung von solchen Postkarten, und der Wiener Lyriker und Feuilletonist Peter Altenberg hat eine Reihe von Gedichten als "Ansichtskartentexte" bezeichnet.

Ansichtskarten versendet man üblicherweise an sein persönliches Netzwerk von Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen. Eine spezielle Gruppe von Liebhabern dieses Mediums versucht inzwischen, das Organische, die persönliche Kommunikation, zu organisieren: die Postcrosser.

Postcrossing

Seit 2005 können sich Interessenten auf einer Online-Plattform registrieren lassen (www.postcrossing.com). Sie senden dann eine Postkarte an eine von dort angeforderte Adresse. Der Empfänger gibt die Identifikationsnummer des Absenders auf der Website ein und erhält eine neue Adresse, an die er dann seinerseits eine Postkarte schickt.

Das weltweite Netzwerk umfasst inzwischen schon fast 800.000 Mitglieder, die insgesamt bereits mehr als 50 Millionen Postkarten verschickt haben. Wer schickt, dem wird geschickt - die einfache Regel funktioniert offenbar gut. So können durch Postkarten über Sprach- und Ländergrenzen hinweg Brieffreundschaften entstehen.

Die Selfie-Gesellschaft hat inzwischen neue Wege der Short-Message-Kommunikation gefunden. Whatsapp, Twitter, Facebook und Instagram ermöglichen es dem Smartphone-Besitzer, ohne Zeitverzug Nachrichten und Bilder von sich und seiner Umwelt an einen oder mehrere oder gleichzeitig an viele Adressaten zu senden.

Einen ganz neuen Medienverbund zwischen der analogen und der digitalen Welt bietet die Mobile App My Postcard: Hier kann man digital Ansichtskarten selbst gestalten, sei es mit eigenen Fotos oder mit vorgegebenen Motiven. Zusammen mit dem individuell eingegebenen Text wird die Ansichtskarte dann in Berlin gedruckt, frankiert und weltweit verschickt, übrigens zu einem sehr günstigen Preis. Der Empfänger findet sie schon nach wenigen Tagen im Briefkasten vor - die langen Laufzeiten aus fernen Ländern lassen sich so erheblich verkürzen.

Freilich: auch der Klassiker, die handbeschriebene Ansichtskarte, bleibt aktuell. Bedenkenswert ist allerdings auch eine Bemerkung von Robert Musil: "Manche Menschen reisen hauptsächlich in den Urlaub, um Ansichtskarten zu kaufen, obwohl es doch vernünftiger wäre, sich diese Karten kommen zu lassen."