Die Frage nach Wiener Wahrzeichen scheint schnell beantwortet: Stephansdom, Riesenrad, Schloss Schönbrunn, Donauturm. . . Doch je länger die Liste, desto breiter gefächert sind die Antworten. Blickt man zurück, taucht Überraschendes wie auch Verschwundenes auf.

Emil Hofmann (1864-1927), Wiener Schriftsteller, Heimatforscher, Autor des Buches "Wiener Wahrzeichen" (und mit dem Verfasser dieses Artikels nicht verwandt), meint dazu: "Die Wahrzeichen. Sie erzählen von Leid und Freude, von Scherz und Laune, von Kunst und Wissenschaft, von Sitte und Brauch und oft klettert an ihnen die schöne Sagenranke hinan und spinnt ihre duftenden Blüten." Dieser Klassiker mit dem Untertitel "Ein Beitrag zur Sage und Geschichte der Kaiserstadt am Donaustrand" wurde 1914 an die Schuljugend verteilt und war als Stadtführer quer durch die damals 21 Bezirke angelegt.

Der Schwerpunkt lag auf Gebäuden, Denkmälern, Bildsäulen, Hauszeichen (Stichwort Basiliskenhaus) etc. Der Autor verfolgte einen sehr breiten Ansatz. So finden wir auch den Brigittakirtag, der 1848 zum letzten Mal stattfand. Mit dem Wäschermädel oder der Frau Sopherl vom Naschmarkt erhob Hofmann auch Wiener Typen zum Wahrzeichen. Mit dem Bäckerschupfen oder der legendären Burgmusik listete er lieb gewordene Bräuche auf - heute würden sie als immaterielles Erbe firmieren. Am Ende des Buches würdigt er die Donau mit pathetischen Worten: "Du bist das vollendetste Wahrzeichen echt österreichischer Treue und Beständigkeit."

Größe reicht nicht

Manche Wahrzeichen sind derart bedeutend, dass sie über Wien hinaus als solche wahrgenommen werden, das gilt nicht nur für den Lauf der Donau auf ihrem Weg ins Schwarze Meer. Auch Schönbrunn, heute UNESCO-Weltkulturerbe, ist so ein Beispiel. "Ja, Schönbrunn ist nicht österreichischer, sondern österreichischester Boden, ist nicht ein Wahrzeichen von Wien, sondern Oesterreichs", schrieb "Das kleine Volksblatt" am 30. Mai 1948, als Wien unter den vier Besatzungsmächten aufgeteilt war. Auslöser des Artikels war der bevorstehende Rückzug Großbritanniens, das sein Hauptquartier im kaiserlichen Schloss aufgeschlagen hatte, wo einst schon Napoleon residierte.

Bleiben wir aber beim Thema Wiener Wahrzeichen von weltweiter Bedeutung. Die "Wiener Zeitung" würdigt in ihrer Reihe "100 Jahre Republik - Chronik" am 23. August 2018 unter dem Titel "Ein Wiener Wahrzeichen für die Welt: Die Uno-City wird eröffnet" den Wiener Standort der UNO. Zusammen mit New York, Genf und Nairobi gehört Wien zu den vier weltweiten Standorten der Vereinten Nationen. Eröffnet wurde der Bau am 23. August 1979, also vor 40 Jahren.