Prägten die markanten Türme der UNO-City mit ihrem Y-förmigen Grundriss zunächst die Skyline Transdanubiens, entstanden in den nächsten Dekaden weitere Hochhäuser, die sowohl einzeln - erwähnt sei der 2014 eröffnete, 250 Meter hohe DC Tower - wie auch als Ensemble das Zeug zum Wahrzeichen haben. An dieser Stelle sei der 1964 vollendete Donauturm nicht vergessen - mit 252 Metern das höchste Gebäude Österreichs. Eine Ehre, die über Jahrhunderte der Stephansdom innehatte. Doch Höhe oder Größe alleine machen ein Wahrzeichen nicht aus.

Auch Komponenten wie die Tradition als solche oder Alleinstellungsmerkmale kommen hinzu. Wikipedia etwa weist darauf hin, dass der Terminus Wahrzeichen kein "offizieller Titel" ist und führt hier typische Merkmale und Erkennungszeichen ins Treffen. In diesem Kontext sind auch fiktive Figuren (Bremer Stadtmusikanten), Landschaften (Tafelberg in Kapstadt) und Pflanzen (Tulpe in den Niederlanden) gelistet.

Historische Ansicht einer Wiener Landmarke. - © Archiv Thomas Hofmann
Historische Ansicht einer Wiener Landmarke. - © Archiv Thomas Hofmann

Doch bleiben wir in Wien. Unter den alten Wahrzeichen taucht neben dem Stephansdom auch immer wieder die Spinnerin am Kreuz, die gotische Landmarke am Rücken des Wienerbergs, auf. Auch Emil Hofmann hat sie als Titelvignette seiner "Wiener Wahrzeichen" gewählt. Dazu als besonderes Attribut deren Alter. Glaubt man dem "Kleinen Volksblatt" (19. Februar 1941), ist es "eines der ältesten Wahrzeichen Wiens".

Rechnet man nicht in historischen, sondern in geologischen Zeitmaßstäben, so ist der Kahlenberg der unbestrittene Methusalem. Ein Feuilletonist des "Feldkircher Anzeigers" (20. Juni 1893) beginnt seine Erinnerungen an Beethoven mit der Beethovenpromenade, die er "zwischen den prangenden Weingärten hinan, gegen den treuen alten Kahlenberg, das Wahrzeichen Wiens" lokalisiert.

Ein Blick zu den Künstlern

Dass der Kahlenberg (484 m) mit der Stephaniewarte und dem Sender zwei weitere Wahrzeichen trägt, mag uns nicht verwundern. Die landschaftsprägende Wirkung mit der wunderbaren Aussicht, Stichwort Grillparzer ("Hast du vom Kahlenberg das Land dir rings beseh’n . . . "), und die historische Bedeutung (Stichwort Schlacht des Entsatzheeres unter Jan Sobieski gegen die Türken im September 1683) machen ihn selber zum Wahrzeichen.

Überhaupt lohnt sich ein Blick zu den Künstlern. Als etwa der letzte Spross der Straußdynastie, Eduard (Bruder des legendären Walzerkönigs Johann, "Schani") am 28. Dezember 1916 als 82-Jähriger starb, war die Trauer groß. "Eduard Strauß war ein lebendes Wahrzeichen Wiens und der Wiener Musik und seine schlanke, elegante Figur bildete durch ein Menschenalter hindurch den Typus des Wiener Kapellmeisters voll Schwung und Temperament." ("Wiener Bilder", 7. Jänner 1917).

Dass sein Vater zusammen mit Joseph Lanner den Wiener Walzer salonfähig machte, ist unbestritten. Das meint auch der empörte Leser R. G. im "Neuigkeits-Welt Blatt" (12. April 1929), der in einem Leserbrief die Pflege der Strauß-Gräber vernachlässigt sah: "Durch Johann Strauß Vater wurde der Walzer eigentlich zum Wahrzeichen Wiens."