Einen Sonderstatus nimmt hier natürlich der "Donauwalzer" ein, die inoffizielle Hymne Österreichs, ein Werk von Johann Strauß Sohn ("Schani"), das im Februar 1867 erstmals aufgeführt wurde. 50 Jahre später lesen wir in einer Würdigung: "Und wie der Stephansturm ein Wahrzeichen Wiens, so ist der Donauwalzer ein Wahrzeichen der wienerischen Musik geworden." ("Neue Freie Presse", 11. Februar 1917).

Das Café Central in der Wiener Innenstadt. - © Thomas Ledl
Das Café Central in der Wiener Innenstadt. - © Thomas Ledl

Ebenso typisch wie der Walzer ist das Kaffeehaus; dessen zunehmendes Verschwinden beklagten die "Wiener Caricaturen" schon in den 1920er Jahren. "Eine ganz namhafte Anzahl der, geradezu ein Wahrzeichen bildenden Wiener Kaffeehäuser mußten ihre weltbekannt eleganten Räume räumen, zu Ehren Merkurs, des Gottes des Handels und der Banken . . . " Das Fazit? Alles schon einmal da gewesen, auch das Kaffeehaussterben. Als Wahrzeichen unter den Wahrzeichen, "ein Wahrzeichen der Branche", findet schon 1890 das legendäre Café Central Erwähnung als ein "von der besseren Welt frequentierter Moccatempel" ("Montags Zeitung", 24. November 1890).

"Der Kanzler mit der Virginia"

An dieser Stelle sei nicht nur an die Kaffeehausliteraten erinnert, sondern auch an den Tabakgenuss, der dort gepflegt wurde. Wir treffen die legendäre Virginia, die - wie könnte es anders sein - auch zu den Wahrzeichen gezählt wurde. "Diese lange, schmale Zigarre ist gewissermaßen auch ein Wahrzeichen der Wiener Art geworden."

Und: "Die Virginia ist insoferne eine Königin der Zigarren, als ihr alle Raucher ohne Unterschied des Ranges und Standes huldigen. Bekanntlich hat auch Kaiser Franz Joseph jahrzehntelang die Virginia jeder anderen Zigarre vorgezogen." Nachzulesen im "Fremden Blatt" vom 31. Juli 1918.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der virginiarauchende Bundeskanzler Julius Raab als Verhandler beim Staatsvertrag in die Geschichte eingehen. Anlässlich des Jubiläums 60 Jahre Staatsvertrag widmete ihm Ernst Trost 2015 eine Fernsehsendung mit passendem Titel: "Julius Raab - Der Kanzler mit der Virginia".

Unter den Wahrzeichen, die man wohl kaum als solche identifizieren würde, befindet sich auch der "Eiserne Wehrmann". Das ist jene überdimensionale Holzstatute eines Ritters, die heute über und über mit Nägeln bedeckt in den Arkaden des Hauses Felderstraße 6-8 / Ecke Rathausstraße steht. 1915 war die Lindenholzstatue als "Wiener Wahrzeichen aus der Kriegszeit" ("Deutsches Volksblatt", 6. April 1915) am Schwarzenbergplatz aufgestellt worden. Jeder Nagel, der dort gegen bare Münze (eine Krone) in der Manier des alten Wahrzeichens ("Stock im Eisen") eingeschlagen wurde, kam dem Witwen- und Waisenhilfsfonds als "Waisenglücksnagel" zugute. Crowdfunding würde man heute dazu sagen.