Überragende Wahrzeichen mit Monumentalcharakter finden oft Erwähnung; zunächst bei der Planung, dann beim Bau, bei der Einweihung u.s.w. ". . . wir sehen in der Rotunde, dem prachtvollsten Ausstellungsraum der Welt, ein Wahrzeichen, daß Wien seiner Aufgabe, Mittelpunkt der Cultur Osteuropas zu sein, gerecht zu werden beginnt, und wie der altehrwürdige Stephansthurm das Symbol des alten historischen Wiens ist, so ist die Rotunde das Symbol der mächtig aufstrebenden Welt- und Handelsstadt an der Donau, des Wiens der Zukunft." ("Wiener Weltaustellungs-Zeitung", 8. Februar 1873).

Dass dieser Monumentalbau je verschwinden würde, war undenkbar. Als er am 17. September 1937 abbrannte, war die Trauer groß. "Wien ist um ein Wahrzeichen ärmer." ("Das interessante Blatt", 23. September 1937).

Ähnlich mag es im Herbst 2019 manchem Wiener und mancher Wienerin angesichts des Abrisses des 1980 errichteten Rinter-Mistzeltes in Wien Donaustadt gehen. Dass das 68 Meter hohe transdanubische Wahrzeichen, das in seiner äußeren Gestalt an die Rotunde erinnerte, nicht mehr sein wird, bedarf der Gewöhnung. Irgendwann werden nur mehr die Geschichtsbücher davon berichten, ganz so wie beim einst weithin sichtbaren Gasometer Leopoldau, "ein industrielles Wahrzeichen Wiens" ("Das kleine Volksblatt", 27. Juli 194), der heute schon längst Geschichte ist.

Bei Wahrzeichen muss man wohl mit allem rechnen. Sie sind auch für Überraschungen gut, vor allem, wenn man in Satire-Zeitschriften danach sucht. Zum Schmunzeln ist etwa die Antwort im "Kikeriki" vom 28. Dezember 1893 auf die Frage, welches "Wiener Wahrzeichen" als Motiv für die Damenspende auf dem Ball der Stadt Wien in Fragekäme:

- "Da wüßt’ ich gleich ein prächtiges Motiv!
- Na, g’wiß den alten Steffel.
- Ka Spur! Den alten - Schlendrian!"