Zeit, Stille, Melancholie - diesem Dreiklang begegnet man in der norwegischen Literatur in vielfältigen Varianten. Er verbindet sich fast immer mit einer großen existenziellen Ernsthaftigkeit (was Humor und Selbstironie keineswegs ausschließt) und einer bemerkenswerten formalen Experimentierfreude. Die Literatur, so scheint es, fungiert in diesem großen kleinen Land noch immer als eine Art Institution der Selbstverständigung - über das Sein an sich und über die Identität einer Nation, welche die Welt (auch geografisch bedingt) stets ein wenig vom Rande her betrachtet.

"Wenn man die Literatur dafür nutzt, Dinge in das eigene Leben zu übersetzen, um sie zu verstehen, dann wird Lesen wichtig. Wenn man vergisst zu lesen, wenn man die Rolle der Literatur in seinem Leben vergisst, ist es so, als würde man einen wesentlichen Teil von sich selbst ausradieren." Mette-Marit sagt das, die norwegische Kronprinzessin. Sie wird mit einem Literaturzug und in Begleitung von 75 Schriftstellern - darunter auch Bestsellerautoren wie Maja Lunde und Jo Nesbø - nach Frankfurt kommen. Eine königliche Hoheit, für die Lesen lebenswichtig ist - Norwegen muss tatsächlich ein sehr glückliches Land sein.