Ein Soziologe stellt komische Fragen - und er gibt komische Antworten. Das sagte der in München lehrende Soziologe Armin Nassehi kürzlich bei einem Auftritt in Wien. Wobei mit "komisch" keineswegs - obwohl nicht generell ausgeschlossen - "Lustiges" gemeint ist, also keine Komik (oder eher nur eine unfreiwillige), sondern komisch im Sinne von nicht erwartbar, überraschend oder unorthodox. Soziologie, und das kann nicht oft genug betont werden, ist eine Wissenschaft, die gesellschaftliche Gewissheiten und Selbstbeschreibungen hinterfragt - und dabei oftmals, nicht immer, zu anderen Erkenntnissen gelangt als zu den "üblichen", "gewohnten".

Neue Perspektiven

In den letzten Jahren hat es sich allerdings eingebürgert, dass Soziologen - in Medien zu allem und jedem befragt - oft das allzu Erwartbare sagen, gesellschaftliche (Vor-)Urteile nur beredt wiederholen, womit sie ihre eigene Profession gefährlich untergraben, denn es ist und bleibt ihre ureigene Aufgabe, hinter soziale Übereinkünfte zu blicken, diese gegebenenfalls auch zu korrigieren, statt sie einfach nur zu bestätigen. Auch wenn Soziologen selbst keinen Standpunkt außerhalb ihres Beobachtungsfeldes, also des Sozialen, einnehmen können, so gibt es doch methodische Perspektiven und Möglichkeiten, einen distanzierteren, analytischeren Blick auf soziale Zusammenhänge zu werfen, als das in alltäglicher oder medialer Kommunikation möglich ist.

Daher ist Soziologie auch nur dann interessant, wenn sie zu anderen Sichtweisen und Schlüssen kommt, als es die immergleichen medialen oder politischen Stereotype vorgeben, ohne dass diese deswegen schon zwangsläufig fake news sein müssen. Sie brauchen mitunter eine theoretische Ergänzung, ein Korrektiv oder eben einen anderen Blickwinkel, um als weitgehend absichtslose Scheingewissheiten erkannt zu werden.

Gerne hätte ich hier das Buch "Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopulismus im globalen Zeitalter" von Cornelia Koppetsch als Paradebeispiel für solch eine Vorgangsweise angeführt, allerdings ist die in Darmstadt lehrende Soziologin kürzlich, im Umfeld des Bayerischen Buchpreises, für den ihr heuer erschienenes Werk nominiert war, in ein schräges Licht geraten. Es sind Plagiatsvorwürfe aufgetaucht, problematische Zitationsformen, die nun von einer Kommission geprüft werden. Bis dahin wurde das Buch, das viel Lob eingeheimst hatte und mittlerweile in einer zweiten, teilweise korrigierten Auflage erschienen war, vom Markt genommen. Daher kann man vorläufig schwerlich selbst daraus zitieren, solange nicht ganz klar ist, von wem die jeweiligen Stellen nun wirklich stammen.