Der 1841 im böhmischen Teplitz geborene Julius Payer wurde in der Kadettenschule mit dem Forschervirus infiziert, als er als Primus mit sechzehn Jahren ein Buch über eine verschollene Arktis-Expedition erhielt. Später, als junger Oberleutnant in der noch österreichischen Garnison Verona, nützt er jede freie Minute, um die Gletscher von Adamello- und Ortlergruppe erstzubegehen, zu zeichnen und zu kartographieren.

Erste österreichische Arktis-Expedition

Noch ein Zufall sollte sein weiteres Leben bestimmen: Als er dem kommandierenden General Kuhn in Trient ein Fässchen mit frischen Forellen zu bringen hat, nützt er die Chance, ihm seine Zeichnungen der Grenzberge zu zeigen. Vier Jahre später ist dieser General k.u.k. Kriegsminister und erinnert sich: Payer wird dem k.u.k. Militärgeographischen Institut in Wien zugeteilt, damals das führende kartographische Institut Europas (im Gebäude mit dem Globus am Giebel am Friedrich Schmidt Platz 3).

Payer kann weitere Hochalpen-Gruppen erforschen und kartographieren und macht sich auch durch Publikationen einen Namen. Er wird von der Universität Halle mit einem Ehrendoktorat ausgezeichnet und zur zweiten Deutschen Polarexpedition 1869/ 70 nach Grönland eingeladen. 1871 leitet Payer die erste Österreichische Arktis-Expedition. An ihr nimmt auch Karl Weyprecht, 1838 in Darmstadt geborener k.u.k. Seeoffizier, teil. Diese Fahrt mit dem Schoner "Isbjörn" überschreitet östlich von Spitzbergen den 79. Breitengrad und scheint die Annahme zu rechtfertigen, dass es eine, dank des Golfstroms eisfreie Durchfahrt nördlich Sibiriens bis zum Nordpazifik gäbe.

Darauf bauend, wirbt Payer in Vorträgen für eine Österreichisch-
Ungarische Nordpol-Expedition. Er kann den Kohlemagnaten Johann Graf Wilczek begeistern, dem es gelingt, die Kosten einer solchen, auf drei Jahre projektierten Expedition in der Höhe von (heute) rund zwei Millionen Euro durch Spenden vor allem Adeliger, doch auch des Kaisers, zu sammeln. In Bremerhaven wird nach dem Entwurf Weyprechts ein Schiff für die Fahrt mit Segeln und Dampfmaschine gebaut und "Admiral Tegetthoff" getauft.

Insel in Svalbard (Spitzbergen)in der Barentssee: Gletscherschwund, dafür Eisscholle in Blau. . .
 
 - © Gerhard Stadler

Insel in Svalbard (Spitzbergen)in der Barentssee: Gletscherschwund, dafür Eisscholle in Blau. . .

- © Gerhard Stadler

Der Rumpf besteht anstelle des schon üblichen Stahls aus Holz, damit er gegen die erwarteten Pressungen des Eises geschmeidiger ist, auch wird eine bessere Wärmedämmung erwartet. Heinrich von Littrow, Hafenkapitän von Fiume, wird mit der Selektion der Matrosen betraut - fünfzehn Quarneroli, Istrier, die für ihre Heiterkeit und ihren Optimismus bekannt seien - mit den schwermütigen, lethargischen Norwegern hat Payer bei den Vorreisen schlechte Erfahrungen gemacht. Neben Payer und Weyprecht besteht die weitere Besatzung aus einem Arzt, einem Eismeister aus Tromsö, zwei Südtiroler Jägern, je einem Navigationsoffizier, Maschinisten und Koch (ein Grazer, einziger Teilnehmer aus dem heutigen Österreich) sowie acht Hunden.