Die Zölibatsdiskussion ist jedenfalls wieder einmal mitten in der Kirche angekommen und wurde auch vom neuen Kärntner Bischof Josef Marketz prompt aufgegriffen: Keine Woche designiert, hat er sich für die Abschaffung der Verpflichtung von Priestern zur Ehelosigkeit ausgesprochen. Allerdings "nicht so sehr, weil jeder Mann unbedingt eine Frau neben sich braucht, doch ich sehe die Vereinsamung vieler alter Priester, deren eigene Familie oft nicht mehr da ist". Die Überalterung des Klerus macht Marketz große Sorgen. Unter den heutigen Gegebenheiten sei absehbar nicht viel Priesternachwuchs zu erwarten, "auch wenn wir noch so beten". Die Kirche täte gut daran, "viel mehr Laien - Männer und Frauen - zu ermächtigen, in der Kirche Dienste zu übernehmen". Wenn eine Frau Priesterin werden möchte, "dann kann ich nur mit ihr zusammen hoffen, dass das möglich wird - das sag ich ganz ehrlich", so Marketz, der am 2. Februar im Klagenfurter Dom zum neuen Bischof der Diözese Gurk geweiht werden wird.

Die "Zölibatsfalle"

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner, der vor der Synode dringend Reformen eingemahnt hatte, warnte danach die katholische Kirche im deutschsprachigen Raum davor, "in die Zölibatsfalle zu tappen". Sowohl jene, die in den Viri Probati die Lösung aller Kirchenprobleme sehen, als auch jene, für die sie einen Anschlag auf den unaufgebbaren priesterlichen Zölibat darstellen, "hängen an der Vergangenheit und werden den zukunftsträchtigen Überlegungen der Amazonien-Synode nicht gerecht", so Zulehner, der am 20. Dezember seinen 80. Geburtstag feierte und selbst seit 1964 Priester ist.

Nichtsdestotrotz hat er kurz nach dem Ende der Synode die Online-Petition "Amazonien auch bei uns" gestartet. Es ist nicht sein erster Anlauf in diese Richtung: Schon vor 30 Jahren gab er dem heutigen Wiener Erzbischof Christoph Schönborn sein Konzept gegen den Priestermangel in Österreich mit auf den Weg nach Rom. Damals schilderte er ein Pilotprojekt für das Waldviertel mit bewährten Gemeindeleitern, das richtungsweisend hätte werden können. "Er hat mir nach seiner Rückkehr gesagt, dass er den Zettel gar nicht erst zum Papst mitgenommen habe, weil es noch zu früh dafür gewesen sei." Jahrzehnte später habe Schönborn gemeint, die Bischöfe seien bei Reformen lange Zeit "zu feig" gewesen. Jetzt, unter Papst Franziskus, könnte der Mut groß genug werden.

Seit der Amazonas-Synode haben zahlreiche Kirchenexperten und -vertreter entweder betont, die Grundform der priesterlichen Lebensweise werde der Zölibat bleiben, oder erklärt, der Papst komme in diesem Bereich um Reformen nicht herum. Nur von Franziskus selbst war dazu bisher nichts Konkretes zu hören.

Dabei ist man eine solche Zurückhaltung sonst nicht gewohnt von jenem Papst, der sich wie kein anderer den Kampf gegen "dieses Wirtschaftssystem, das tötet", auf seine Fahnen geschrieben hat; der immer wieder Obdachlose zum Essen einlädt; der am Gründonnerstag Häftlingen die Füße wäscht; der der EU wegen ihrer Asylpolitik regelmäßig die Leviten liest; der auch zu Missbrauchs- und Finanzskandalen in der Kirche klare Worte findet; und der mit seinen Reformen bei nicht wenigen Kurienkardinälen aneckt.

Die Gräben, die sich vom Vatikan aus durch die gesamte Weltkirche ziehen, sind in den vergangenen Wochen und Monaten jedenfalls nicht schmäler geworden. Und der Streit um die Fruchtbarkeitsstatuen (Pachamama), die der Papst aus Respekt vor den Indigenen während der vatikanischen Amazonas-Synode in der Kirche Santa Maria in Transpon-tina in Rom aufstellen ließ, wofür ihm Götzenanbetung vorgeworfen wurde, stellt nur die Spitze des Eisbergs dar. Dass der umstrittene österreichische Abtreibungsgegner Alexander Tschugguel die Statuen aus dem Gotteshaus vor den Toren der Vatikanstadt gestohlen und in den Tiber gestoßen hat (zumindest behauptet er selbst, zu den Dieben zu gehören), war nicht bloß eine medienträchtige PR-Aktion von Kirchenfundis, sondern entsprang offenbar auch einer tiefen Glaubensüberzeugung.