Finanzskandale

Es sind sehr viele gänzlich unterschiedliche und einander entgegenstehende Strömungen von erzkonservativ bis modernistisch, die es der katholischen Kirche in ihrem dritten Jahrtausend nicht eben leicht machen, ihrem Namen (das altgriechische Wort katholikós bedeutet "allumfassend") gerecht zu werden. Und je tiefer man ins Herz der Kirche vordringt, desto eher bekommt man den Eindruck, dass es oft gar nicht so sehr um den Glauben geht, sondern um viel profanere Motive, sprich: ums liebe Geld.

Erst vor Kurzem hat der Papst einen Finanzskandal im Vatikan eingestanden, der diesmal "von innen" aufgeklärt worden sei. "Sie haben Sachen gemacht, die nicht sauber erscheinen", erklärte er auf dem Rückflug von seiner Japan-Reise. "Sie", das sind fünf Mitarbeiter der Kurie, die mit einem dreistelligen Millionenbetrag aus dem sogenannten Peterspfennig - einer Kollekte, die jedes Jahr in den Kirchen weltweit für den Papst gesammelt wird - unter anderem auf dem Londoner Luxusimmobilienmarkt spekuliert haben sollen.

Schon früher hat der Papst mit Hilfe von außen sämtliche Konten der undurchsichtigen Vatikan-Bank IOR prüfen und verdächtige Kunden entfernen lassen. Auch die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls soll reformiert werden - hier geht es um tausende Immobilien im Wert von mehreren Milliarden Euro. Immer wieder wurden Luxuswohnungen von Spitzenbischöfen oder Kardinälen zu Spottpreisen verschachert.

Pädophilie-Kommission

Franziskus führt mit der Durchleuchtung der vatikanischen Finanzen einen Prozess weiter, den schon sein Vorgänger Benedikt XVI. als Konsequenz aus dem Vatileaks-Skandal angestoßen hat. Allerdings stößt der Papst auch hier an seine Grenzen oder ist doch nicht so konsequent, wie seine Fans sich das wünschen würden. Zum Teil ist auch die Kommunikation nicht die beste. So meinte jüngst der Chef der päpstlichen Güterverwaltung, Bischof Nunzio Galantino, in Medienberichten entstehe der Eindruck, der Vatikan betreibe seine Geldgeschäfte "fröhlich und bedenkenlos und obendrein mit katastrophalen Ergebnissen". Dabei sei die Wirklichkeit "sehr anders", doch das oft hartnäckige Schweigen der Kirchenführung lasse "halbe Wahrheiten blühen, die letztlich ganze Unwahrheiten sind".

Auch in Österreich wartet man eineinhalb Jahre nach der Versetzung des Gurker Bischofs Alois Schwarz nach St. Pölten in Folge von Vorwürfen der Misswirtschaft auf eine Reaktion aus Rom.

Ein Imageproblem hat die Kirche auch in Bezug auf viel abscheulichere Verbrechen als finanzielle Veruntreuung. Zwar hat Franziskus schon kurz nach seiner Wahl den Kampf gegen Kindesmissbrauch ganz oben auf seine Agenda gesetzt, entsprechende Dekrete erlassen, "null Toleranz" verkündet und 2014 eine eigene Kommission zum Schutz von Minderjährigen eingesetzt, in die auch Missbrauchsopfer berufen wurden. Doch die Pädophilie-Kommission blieb lange ein zahnloser Papiertiger. Erst in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Kirche intensiver mit den Straftaten ihrer Hirten auseinandergesetzt. Und am vergangenen Dienstag, 17. Dezember, hat der Vatikan das Schutzalter für Opfer von Kinderpornografie von 14 auf 18 Jahre hinaufgesetzt. Außerdem wird das "päpstliche Geheimnis" im Fall von Missbrauch abgeschafft. Diese Entscheidungen waren Konsequenzen aus einem Krisengipfel zum Missbrauch, den Franziskus im Februar 2019 einberufen hatte.