Konkrete breitenwirksame Folgen hatte der dreieinhalbtägige Kinderschutzgipfel freilich ebenso wenig wie eine fünf Monate davor von der Deutschen Bischofskonferenz präsentierte große Missbrauchsstudie, zu der Opferverbände ein Jahr später feststellten: "Viele Täter, wenig Gerechtigkeit." Ein Grund dafür ist, dass alle Angaben in der Studie anonymisiert sind und somit die Justizbehörden keinerlei Anhaltspunkte für Ermittlungen haben.

Und dann gibt es umgekehrt Fälle wie jenen, der jüngst durch die deutschen Medien ging, in dem ein Priester auch nach zwei strafrechtlichen Verurteilungen trotzdem immer wieder von der Kirche angestellt worden war. Es bleibt also bisher bei stellvertretenden Entschuldigungen durch das kirchliche Spitzenpersonal, das gleichzeitig einen Schutzmantel um die Täter legt.

Positive Bilanz

Man darf dem Papst aber nicht nur Vorwürfe machen. In den sechseinhalb Jahren seines Pontifikats hat Franziskus auch viel Gutes geleistet, und die Kurie lässt sich eben nicht von heute auf morgen in seinem Sinn reformieren. Ein wichtiger Schritt ist die Installierung des mit 62 Jahren verhältnismäßig jungen philippinischen Kardinals Luis Antonio Tagle in einer Schlüsselposi- tion: nämlich an der Spitze der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, die eine der ältesten und einflussreichsten Behörden im Vatikan ist und deren Leiter einst "Roter Papst" genannt wurde. Was den chinesisch-stämmigen Kardinal Tagle mit Franziskus verbindet, ist der von ihm getätigte Satz: "Lasst uns zusammen eine Kirche der Armen stärken." Ob der manchen zu harmlos wirkende Asiate sich allerdings im Kuriendschungel durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Bei vielen Katholiken gut angekommen ist die erste Jugendsynode im Oktober 2018, auch wenn deren Schlussdokument laut dem deutschen Theologen Hermann Häring zeigte, dass die Bischöfe "in der alten Theologie verhaftet bleiben". Wesentlich war aber - so wie schon bei den Synoden zu Ehe und Familie im Herbst 2014 und 2015 -, dass es im Vorfeld großflächige Befragungen unter den Katholiken gab und damit die Themen auch in den Ortskirchen breiter diskutiert wurden.

Besuch im Irak 2020

Auch in der Ökumene hat Franziskus für positive Schlagzeilen gesorgt, als er etwa die Gunst der Stunde nutzte und am 31. Oktober 2016 in Schweden das 500-Jahr-Reformationsjubiläum mitfeierte, um dann bei seiner darauffolgenden Reise im April 2017 in Ägypten den Dialog mit den Muslimen und den Kopten zu stärken. Im heurigen Februar besuchte er als erster Papst die Arabische Halbinsel, und 2020 will er den Irak besuchen.

Ganz so reisefreudig wie sein Vorvorgänger Johannes Paul II. ist der aktuelle Papst zwar nicht, aber er sucht seine Ziele geschickt aus. Eine "Bank" sind dabei die Weltjugendtage. Und auch mit den Heiligsprechungen nicht nur des polnischen Papstes, sondern auch Pauls VI. und Johannes XXIII. sowie vor allem Mutter Teresas hat Franziskus den Nerv der Zeit getroffen. Ein Statement war dabei auch die Heiligsprechung des 1980 ermordeten Befreiungstheologen und Erzbischofs von San Salvador, Óscar Romero.