Apropos andere Päpste: Für Spekulationen sorgt immer wieder das Verhältnis zu seinem emeritierten Vorgänger, Benedikt XVI. Wer sich damit intensiver auseinandersetzen will, dem sei der Film "Die zwei Päpste" von Fernando Meirelles empfohlen (und das gleichnamige Buch von Anthony McCarten, auf dem der Film beruht).

In Österreich steht demnächst auch eine wichtige Personalentscheidung an: Kardinal Schönborn, nicht nur Erzbischof von Wien, sondern auch Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, wird am 22. Jänner 75 Jahre alt und hat sein Rücktrittsgesuch dem Papst während der Amazonas-Synode persönlich übergeben. Angesichts seines gesundheitlichen Zustands dürfte er sich nicht besonders darum reißen, noch viel länger im Amt zu bleiben. Mutmaßlich wird wohl ein anderer Bischof nach Wien nachrücken (und nachzubesetzen sein).

Wechsel in Wien?

Österreich braucht also eher früher als später einen neuen Bischof - wenn der Papst einen findet. Laut dem Leiter der vatikanischen Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, lehnt jeder dritte potenzielle Bischof dankend ab, Tendenz steigend. Vor zehn Jahren sei es noch jeder Zehnte gewesen, so der Kardinalpräfekt, der meint, die Kirche brauche heute "weniger Professoren und mehr Hirten, die den Geruch der Schafe angenommen haben und in Nächstenliebe vorangehen". Ein Sprachbild, das Ouellet von Franziskus übernommen hat.

Wie stark der Stallgeruch des Papstes ist, wird man bald aus seiner Weihnachtspredigt heraushören können. Wie Franziskus davor den Heiligen Abend verbringt, ist fast schon ein Staatsgeheimnis. Er feiere Weihnachten vergleichsweise nüchtern, heißt es nur. Das mag nicht nur an seiner Prägung als intellektueller Jesuit liegen, sondern auch an seiner Herkunft: In Argentinien fällt Weihnachten in den Sommer, auf der Südhalbkugel haben sich deshalb andere Bräuche entwickelt als im dunklen und kalten Winter Europas.

Trist und grau ist übrigens auch das Ergebnis der noch unveröffentlichten Studie "Religion im Leben der Österreicherinnen 1970-2020", die Paul Zulehner durchgeführt hat. In der letzten Umfrage waren fast 80 Prozent der Katholiken der Ansicht, man könne auch ohne Sonntagsmesse ein guter Christ sein. Er selbst sei darüber sehr erschrocken, so Zulehner. "Ist dies der Preis dafür, dass wir die ehelose Lebensform der Priester dem Wert der Eucharistie faktisch überordnen?"

Er betont die Bedeutung der Eucharistiefeier, die "alle Grunderfahrungen christlichen Lebens" erfasse und als Wandlung auch der dabei Versammelten zu verstehen sei: "Hinein gehen sie mit ihren Ängsten, die ihnen die Kraft zu solidarischer Liebe rauben, hinaus gehen sie als engagierte Fußwaschende." Doch das Verständnis für diesen tieferen Sinn der Eucharistie "scheint zu verdunsten".

Mathias Ziegler ist Redakteur und Stellvertretender Chef vom Dienst bei der "Wiener Zeitung".