Das alte Jahr liegt in den letzten Zügen. Da richtet sich der Blick auf ein Medium, das sonst eher beiläufig unseren Alltag begleitet: auf den Kalender. Die Produktion solcher "Zeitweiser", die das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft synchronisieren sollen, lässt sich in Wien bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Einblattdrucke der Frühzeit wurden bald ergänzt durch umfangreiche Almanache, die auch Geschichten, Gespräche und Ratgebertexte enthielten.

Relativitätstheorie

Heute gibt es ein riesiges Angebot von Wand- und Tisch-, Taschen- und Terminkalendern in gedruckter und inzwischen auch in elektronischer Form. Sie informieren uns über gesellschaftliche Zeitmarken wie Sonn- und Werktage, Feier- und Gedenktage. Und sie helfen dabei, den Fluss der Zeit zu strukturieren und für die Zukunft zu planen.

Die Zeit fließt nicht immer und für alle gleich schnell. Bei monotonen Tätigkeiten kriecht sie wie eine Schnecke, abwechslungsreiche Stunden dagegen können wie im Fluge vergehen. Unangenehme Gefühle, Trauer, Schmerz, Schuld und Ermüdung bremsen das Erleben des Zeitablaufs. Auch das Warten kann das Zeiterleben verlangsamen. Wie viele (gefühlte) Jahre haben wir schon vor Bahnschranken und roten Ampeln, vor Supermarktkassen oder in Wartezimmern von Ärzten und Ämtern verbracht?

Für ältere Menschen läuft die Zeit schneller ab als für jüngere. Wir erinnern uns an die eigene Kindheit: Wie lang war die Zeit von Weihnachtsfest zu Weihnachtsfest! Zwei traditionelle Zeitweiser erhöhen am Ende die Spannung: der Adventskranz, der mit seinen vier Kerzen die Wochen bis zum Heiligen Abend überbrückt, und der Adventskalender, der hinter den geöffneten Türchen die Tage bis zum Fest mit Bildern oder kleinen Geschenken verkürzt.

Mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsintervallen gliedern Medien den Tag, die Woche, den Monat, das Jahr . . . - © reuters/Eric Gaillard
Mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsintervallen gliedern Medien den Tag, die Woche, den Monat, das Jahr . . . - © reuters/Eric Gaillard

Albert Einstein soll seine Relativitätstheorie in einem Gespräch so erläutert haben: "Wenn Sie zwei Stunden mit einem netten Mädchen zusammensitzen, denken Sie, dass es nur eine Minute ist; aber wenn Sie eine Minute auf einem heißen Herd sitzen, denken Sie, dass es zwei Stunden sind." Damit greift er einen Gedanken auf, den schon der römische Politiker und Schriftsteller Plinius der Jüngere formuliert hat: "Jede Zeitspanne erscheint umso kürzer, je glücklicher sie ist."

Die individuellen Unterschiede in der Wahrnehmung der Zeit verlangen nach einer gesellschaftlichen Synchronisierung. Einer der wichtigsten sozialen Zeitgeber in entwickelten Gesellschaften sind die Massenmedien. Um diese These zu entfalten, möchte ich zu einer kurzen Zeitreise in die Geschichte der Medien einladen.