Es war das Wendejahr 1989. Damals kam "Zurück in die Zukunft 2" mit Michael J. Fox in die Kinos, der als Marty McFly gemeinsam mit Doc Brown ins Jahr 2015 reiste und dabei Hoverboard fuhr und in einem fliegenden Auto saß. 2015 ist jetzt auch schon wieder fünf Jahre her, und auf beides warten wir noch immer. Dafür haben wir E-Scooter, und 2020 soll die erste zweisitzige Drohne in kommerzielle Serie gehen. Auch andere, durchaus seriöse Prognosen, die vor 30 Jahren gemacht wurden, haben sich nicht erfüllt. Manches jedoch hat sich tatsächlich bewahrheitet.

Was aus der "Agenda 2020" für Europa wurde

"Wir müssen neu denken. Wir müssen neu wirtschaften", sprach die deutsche Kanzlerin Angela Merkel im Februar 2010, als sie mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy eine gemeinsame "Agenda 2020" für die Politik im kommenden Jahrzehnt beschloss. Die 80 Projekte dieser "Agenda 2020" reichten von abgestimmter Wirtschaftspolitik über erneuerbare Energien bis E-Autos, Sarkozy kündigte aber auch "gemeinsame Initiativen zu großen internationalen Fragen" wie dem Nahen Osten und der "Partnerschaft Europas mit Russland" an.

2010 stellte Angela Merkel gemeinsam mit Nikolas Sarkozy eine "Agenda 2020" für Europa vor . . . - © APAweb / afp / Lionel Bonaventure
2010 stellte Angela Merkel gemeinsam mit Nikolas Sarkozy eine "Agenda 2020" für Europa vor . . . - © APAweb / afp / Lionel Bonaventure

Und was ist daraus geworden? Nun, seit der Überwindung der Finanzkrise nach 2008 wächst die europäische Wirtschaft wieder vergleichsweise rasch. In den Bereichen Klimawandel und Energie wurden Fortschritte erzielt, die Union ist bei den "Europa 2020"-Zielen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien zwar auf einem guten Weg, verfehlt das 20-Prozent-Ziel für erneuerbare Energieträger dennoch klar (17,4 Prozent). Im Hochschulbereich wurden die "Agenda 2020"-Ziele bereits erreicht, es brechen auch weniger Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung vorzeitig ab. Auffällig für Österreich: In keinem anderen Land ist die Diskrepanz in Punkto Jugendliche mit inländischen Eltern vs. Jugendliche mit ausländischen Eltern höher als in Österreich. Weniger als fünf Prozent der Jugendlichen mit inländischen Eltern brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab, während das bei mehr fast 15 Prozent der Jugendlichen mit ausländischen Eltern der Fall ist. Die Beschäftigung ist in Europa derzeit einem Rekordhoch; dennoch wird die EU das Beschäftigungsziel der Strategie Europa 2020 wohl knapp verfehlen. Besonders gering sind die Erfolge bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung und bei der Armutsbekämpfung.
Außenpolitisch weht der EU der Wind ins Gesicht: Zwar haben sich die USA im Jahr 2011 aus dem Irak zurückgezogen, der arabische Frühling brachte aber neue Instabilität im Nahen Osten. Auch aus einer Partnerschaft Europas mit Russland wurde nichts – Russlands Annexion der Krim und die Unterstützung von pro-russischen Separatisten in der Ost-Ukraine führte zu einer Eiszeit zwischen der Europäischen Union und Russland.

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Die Bilanz des Wirtschaftsprogramms "Europa 2020"

Der Europäische Rat wiederum verabschiedete im Juni 2010 das zehnjährige Wirtschaftsprogram "Europa 2020". Für das Jahr 2020 wurden dabei mehrere Ziele formuliert:
• die Erhöhung der Beschäftigungsquote der 20- bis 64-Jährigen von damals 69 auf mindestens 75 Prozent (2018 waren es tatsächlich 73,1 Prozent);• Investitionen in Forschung & Entwicklung von mindestens 3 Prozent des BIP (2018: 2,07 Prozent des BIP; Korea: 4,22 Prozent, Japan: 3,28 Prozent, Österreich 2019: 3,19 Prozent, USA 2,76 Prozent);• die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 20 Prozent gegenüber 1990 (2018: -23,2 Prozent unter dem Wert von 1990);• 20 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien (2018 17,4 Prozent);• 10 statt 15 Prozent Schulabbrecher (2016 10,7 Prozent) und mindestens 40 statt 31 Prozent Hochschulabsolventen im Alter von 30 bis 34 Jahren (2018 mehr als 40 Prozent);• die Reduzierung des Anteils an Bürgern unterhalb der jeweils nationalen Armutsgrenze um 25 Prozent, um 20 Millionen Bürger aus der Armut zu holen (113 Millionen Menschen waren im Jahr 2017 armutsgefährdet oder von sozialer Exklusion betroffen, das Agenda 2020-Ziel in der EU wurde weit verfehlt – nach diesem sollte eine Reduktion auf 96,1 Millionen EU-Bürger erreicht werden).

. . . 2020 sind die deutsche Kanzlerin und Sarkozys Nach-Nachfolger Emmanuel Macron (links neben Merkel) mit Boris Johnson (rechts vorne) und dem Brexit sowie Donald Trumps (hinten links) möglicher Wiederwahl als US-Präsident konfrontiert. Der abgetretene EU-Ratspräsident Donald Tusk (links vorne) weiß wohl, was er sich erspart. - © APAweb / afp / Philippe Wojazer
. . . 2020 sind die deutsche Kanzlerin und Sarkozys Nach-Nachfolger Emmanuel Macron (links neben Merkel) mit Boris Johnson (rechts vorne) und dem Brexit sowie Donald Trumps (hinten links) möglicher Wiederwahl als US-Präsident konfrontiert. Der abgetretene EU-Ratspräsident Donald Tusk (links vorne) weiß wohl, was er sich erspart. - © APAweb / afp / Philippe Wojazer