Zwischen Hawaii und Kalifornien, mitten im Pazifischen Ozean, befindet sich der größte Mistplatz der Welt: Auf einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern treiben Plastiksackerln, Fischernetze, Flip-Flops, Flaschen, Einwegrasierer und jede Menge anderer Plastikmüll. Die ökologischen Folgen dieses riesigen Müllstrudels, den Wissenschafter etwas technisch den "Great Pacific Garbage Patch" nennen, sind dramatisch: Vögel, Wale und Robben verheddern sich in den Kunststoffteilen und verenden qualvoll an verschluckten Plastikresten. Acht bis zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Weltmeeren, schätzen Forscher. Das ist ungefähr so, als würde jede Minute ein Mülllaster die komplette Ladung ins Meer kippen.

Doch der Garbage Patch ist nur die Spitze: 99 Prozent des Mülls, der u.a. über Flüsse ins Meer gelangt, erreichen den Strudel nie. Auf der bis zu zehn Jahre dauernden Reise werden die Plastikteile von Bakterien und Sonneneinstrahlung zu Mikroplastik zersetzt und landen auf den Tiefseeböden, wo sie sich ablagern und eine neue geologische Schicht bilden: den Plastikhorizont.

500 Jahre dauert es, bis eine Cola-Dose vollständig zersetzt ist. Hätte Kolumbus bei seiner Expedition 1492 eine Dose in den Atlantik geworfen, man würde wohl heute noch Spurenelemente finden. Die Natur hat ein langes Gedächtnis. Vielleicht werden Archäologen in ein paar hundert Jahren mit Roboter-Tauchbooten auf eine meterdichte Plastikschicht in den Ozeanböden stoßen, die sie als Überreste des Zeitalters des Plastozäns deuten.

Verpackung & Werbung

Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums könnten die Ozeane 2050 mehr Plastik als Fisch enthalten. Das ohnehin schon angeschlagene Ökosystem könnte kippen. Der Bumerang kommt schon jetzt zurück. An den Traumstränden von Bali oder Hawaii türmen sich riesige Müllberge, Metropolen ersticken im Mist, in Neapel gibt es regelmäßig "Müllkrisen", weil Müll nicht nur ein dreckiges, sondern auch ein lukratives Geschäft ist.

Jahrzehntelang konnten sich die westlichen Industrienationen das Problem vom Leib schaffen, indem sie tonnenweise Müll in Schwellen- und Entwicklungsländer exportierten. Solange der Müll nicht vor der Haustür landete, war er auch kein Politikum. Doch jetzt, wo Länder wie China ein Importverbot für Plastikmüll verhängen und Indonesien Müll zurückschickt, steht die Konsumgesellschaft vor ihrem Scherbenhaufen.

Dabei ist Müll menschheitsgeschichtlich betrachtet ein relativ neues Phänomen. Die Kulturhistorikerin Susan Strasser schreibt in ihrem Buch "Waste and Want: A Social History of Trash" (1999), dass es Abfall vor dem 20. Jahrhundert praktisch kaum gab.