Komplexe Themen verlangen freilich nach kompetenten Wortmeldungen. Deshalb holen wir jetzt ein paar "Obergescheite" vor den Vorhang, deren alltägliche Aufgabe es ist, im Kaffeesud zu lesen. Da ist zunächst einmal Professor Chahan Yeretzian. Er lehrt und forscht am Kompetenzzentrum für Kaffee an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Der Syrer kam als Kind mit seinen Eltern in die Schweiz und gilt seit mehr als zehn Jahren in einer Konsumentenwelt, in der Kaffeegenuss zu einer Wissenschaft geworden ist, als erste Adresse für Kaffeeforschung.

Mehr als ein Getränk

"Weltweit leben 100 Millionen Menschen vom Anbau, von der Produktion und dem Verkauf von Kaffee. Das ist mehr als ein Getränk, es ist eine Welt in sich: Alle Probleme dieser Welt kommen in der Wertschöpfungskette zum Ausdruck", sagt Yeretzian, der herausgefunden hat, dass "jeder Kaffeetrinker anders ist. Wie der Kaffee schmeckt, hängt etwa von der Form der Mundhöhle ab oder davon, wo der Schluck zuerst die Zunge berührt."

Reife Kirschen auf einem Kaffeebaum. - © Deutscher Kaffeeverband
Reife Kirschen auf einem Kaffeebaum. - © Deutscher Kaffeeverband

In einem Interview mit der Schweizer Kirchenzeitung "Reformiert" bekennt sich der Kaffee-Professor zu seinem täglichen Konsum von sechs bis zehn Tassen pro Tag und erklärt: "Eine Harvard-Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Langlebigkeit. Menschen, die vier bis fünf Tassen Kaffee pro Tag trinken, leben im Schnitt vier bis fünf Jahre länger. Kaffee scheint also ein Heilmittel zu sein."

Andreas Rebmann ist da ganz anderer Ansicht: "Eine Sucht hat immer großen Einfluss auf das Energiesystem des Menschen. Sie raubt ihm Zeit und Geld und leitet die Energien in eine falsche Richtung. Generell könnte man eine Sucht als eine Suche nach Gott an der falschen Stelle bezeichnen", sagt der ernsthaft nach dem Sinn des Lebens suchende deutsche Esoteriker, der sich bisher u.a. der feinstofflichen Bedeutung von Gallensteinen gewidmet hat und nun auf seiner Homepage die Kaffeekonsumenten davor warnt, ihre Körper bis aufs Letzte auszumergeln.

Rebmann glaubt, dass der Kaffeekonsum vieler Menschen seine Ursache in fehlender Motivation hat: "Wenn der Mensch beruflich nur wegen des Geldes Dinge tut, für die er eigentlich gar nicht genug Motivation hat (Geld verdienen ist für die Seele keine ausreichende Motivation)", dann versuche er, diesen Mangel mit Kaffee zu beheben. Wer jedoch seiner inneren Vision folge, werde nie Kaffee oder andere Muntermacher brauchen, weil seine Motivation tausend Mal stärker sei als jeder Kaffee. Wie bei der Zigarettensucht seien auch beim Kaffee die historischen Grundlagen in der Kolonialzeit gelegt worden, "als immer größere Tabak- und Kaffee-Plantagen entstanden sind. So ging die Ausbeutung dieser Kolonialstaaten Hand in Hand mit steigenden Suchtabhängigkeiten in Europa."

Kult & Lifestyle

Danke, Herr Rebmann. Auftritt von Frau Prof. Karen Nieber. Sie forscht am Institut für Pharmazie der Uni Leipzig und hat in ihrem lesenswerten Buch "Schwarz und stark - wie Kaffee die Gesundheit fördert" eingeräumt, dass Kaffee-Trinker mit hoher Tages-Dosis durchaus Entzugserscheinungen haben können, vor allem Kopfschmerzen, wenn die gewohnte Menge einmal nicht zur Verfügung steht. In hohen Dosen kann Kaffee sehr wohl negative Folgen auf den Körper haben. Völlegefühl, Sodbrennen, Herz- und Magenbeschwerden sind ebenso dokumentiert wie Schlaflosigkeit, Angstzustände und Panikattacken, aber auch Müdigkeit und Reizbarkeit.