"Ob der Kaffee schmeckt, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab. Nicht zuletzt, weil Kaffee wie Wein ein Naturprodukt ist und damit Sorte, Herkunft und Röstung eine große Bedeutung haben", sagt der Präsident des Kaffeeverbandes und verweist darauf, dass jede Bohne rund 800 Aromen enthält, während man beim Wein "nur" etwa 400 Aromen kennt. Wer es lieber fruchtig und säurebetont mag, wird sich über helle Röstungen freuen. Die kurze Röstdauer führt zu einem ausgeprägten Säureanteil und deutlichen Fruchtaromen. Bei den dunklen Röstungen dominieren schokoladige bis rauchige Aromen und ein kräftiger Geschmack. Hier tritt die Bitternote deutlich hervor, die einen gelungenen Espresso ausmacht.

Kaffeehaus-Legende

Dass die Lust der Österreicher auf Kaffee ungebrochen ist, zeigen auch die Importzahlen. Im vergangenen Jahr wurden 1,5 Millionen 60-kg-Säcke importiert, wobei 73 Prozent (entspricht 1,1 Millionen 60-kg-Säcken) tatsächlich hierzulande konsumiert und die Differenz wieder exportiert wurde (Quelle: ico.org).

"In Wien gibt es so etwas wie eine ‚kulinarische Dreifaltigkeit‘: Kaffeehaus, Beisl und Heuriger", sagt der ehemalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl. "Sie sind unverzichtbarer Bestandteil unserer international berühmten Lebensqualität (...) Glücklich ist eine Stadt, die eine soziale Einrichtung vorzuweisen hat, wie es sie sonst nirgends auf der Welt gibt: nämlich das Wiener Kaffeehaus."

Unesco Kulturerbe und soziale Einrichtung, die es sonst nirgends auf der Welt gibt: das Wiener Kaffeehaus. - © apa/Herbert Neubauer
Unesco Kulturerbe und soziale Einrichtung, die es sonst nirgends auf der Welt gibt: das Wiener Kaffeehaus. - © apa/Herbert Neubauer

Die Legende berichtet, dass Georg Franz Kolschitzky nach der zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683 ein paar Säcke Kaffee gefunden und Wiens erstes Kaffeehaus eröffnet hat. Diese Geschichte ist bis heute in zahllosen Publikationen zu finden. Wahr ist sie trotzdem nicht. Eine zwielichtige Figur, der armenische Spion Deodato, und nicht Kolschitzky, erhielt vom Hof die Erlaubnis, ein Café zu eröffnen. 1714 gab es bereits 31 Kaffeehäuser, 1879 waren es 605 und 1918 etwas mehr als 800.

"Nach dem Zweiten Weltkrieg war von der heilen Kaffeehauswelt nur noch wenig übrig", verrät Herbert Hacker im Magazin "Falstaff". "Der Grund dafür: Ein Großteil der Gebildeten, Literaten, Ärzte und Anwälte jüdischer Abstammung, die einen wesentlichen Teil der Intelligenz ausmachten, war nach dem Dritten Reich nicht mehr da."

Die Faszination dieser Kultstätten beschrieb der Dichter Stefan Zweig in seinem Buch "Die Welt von Gestern": "Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass das Wiener Kaffeehaus eine Institution besonderer Art darstellt, die mit keiner ähnlichen in der Welt zu vergleichen ist. Es ist eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann."

An diese Tradition erinnert seit Jahren der Kaffeesiederball. Heuer verwandelt sich die Hofburg am 14. Februar 2020 in das größte und schönste Kaffeehaus der Welt. Die Kaffeesieder und ihre Gäste feiern das Unesco Kulturerbe, die Wiener Kaffeehauskultur. Der vielleicht charmanteste Ball des Jahres ist elegant und gemütlich zugleich. Das heurige Motto lautet: "Kaffee - Symphonie der Liebe!"