Die Globalisierung scheint das Schicksal der Menschheit im 21. Jahrhundert zu sein. Das aber ist ein Prozess, der geradezu gegenläufig verläuft: Universalisierung der von Europa ausgehenden Rationalitätskultur mit ihren Naturwissenschaften, deren technischer Umsetzung und ökonomischer Nutzung einerseits, der Regionalisierung und geradezu Abschottung von Regionen und Ländern durch Religion und auch Nationalismus andererseits. Die Tendenzen verlaufen kontrovers, sind aber aufeinander bezogen. Wie verträgt sich das in der globalisierten Gesellschaft?

Die Rationalitätskultur nahm in der griechischen Antike ihren Ausgang und hat in der Neuzeit von Europa aus die Welt erobert: Es ist eine Kultur der rationalen, nicht mehr mythischen Beschreibung der Natur - und dies möglichst in quantitativ-mathematischer Form. Diese kann technisch umgesetzt werden, so etwa in der Elektrotechnik, deren Anwendung seit dem 19. Jahrhundert unser ganzes Alltagsleben durchdrungen und verändert hat. Das wird ökonomisch genutzt, kapitalistisch und profitabel finanziert. In der heutigen globalen Rationalitätskultur bestimmt der Standard der Entwicklung der Rationalitätskultur den materiellen Wohlstand eines Volkes und einer ganzen Region.

Rationalitätskultur

Bekanntlich hat die nördliche Erdhalbkugel den höheren Rationalitätsstandard als die südliche und ist daher auch die viel reichere Region, mit großen Unterschieden auch hier in den Nord- und Südhälften, in Italien etwa umgekehrt wie in Deutschland. Länder wie China, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein extrem rückständig waren, sind heute Vorreiter der Rationalitätskultur, die sich ihrerseits auf dem Sprung zu einer zunehmend digitalisierten, computerisierten, automatisierten Welt befindet. Die moderne Rationalitätskultur setzt dabei die Standards in Armut und Reichtum, jedenfalls im Rahmen der Produktion und des Konsums von Industriegütern einschließlich der Krankenversorgung und Sozialprogramme der hochentwickelten Industriestaaten.

Bekanntlich setzt das heute auch große Migrationsströme in Gang: aus den Armutsregionen der Welt in die reicheren Zonen, so in Europa von Süden nach Norden und von Afrika nach Europa. Man wird davon ausgehen müssen, dass diese im 21. Jahrhundert bei der demographischen Entwicklung gerade der größten Armutsregionen der Welt noch stark zunehmen werden. Aller Voraussicht nach verdoppelt sich die Bevölkerungszahl in Afrika in diesem Jahrhundert noch zweimal von jetzt 1,2 Milliarden Menschen auf 2,4 in rund 25 Jahren und dann weit über 4 Milliarden in weiteren 25 Jahren.