Freud ist heute eine Pop-Ikone und gilt neben Mozart als der bekannteste Österreicher. Der Kult um seine Person wird immer weiter befeuert: Im Vorjahr wurde die Netflix-Mystery-Serie "Freud", die in Kooperation mit dem ORF produziert wurde und eher auf Fiction als auf Facts beruhte, ausgestrahlt. Im selben Jahr widmete Wien-Tourismus dem Entdecker des Unbewussten einen Jahresschwerpunkt, der nicht zufällig ins Jahr der Neueröffnung des Sigmund Freud Museums fiel. Im Marketing setzt man stark auf die Person Freud, denn die Psychoanalyse sei schwieriger vermittelbar, erklärt Norbert Kettner, Geschäftsführer des Wien-Tourismus.

Ekelhafter Eindruck

Doch abgesehen von Bio-Kaffee und Hipster-Bier, von dem Freuds Konterfei eindringlich entgegenblickt wie einst vom 50-Schilling-Schein: Was ist von Freud und seinen Lehren geblieben? Welche Spuren hat der Entdecker des Unbewussten in der Stadt, in der er rund 80 Jahre lang lebte, hinterlassen? Ist die Psychoanalyse für ihre Bewohner heute noch relevant, und erfuhr Freud von Wien jemals jene Anerkennung, die er sich zeitlebens gewünscht hätte? Wie in der Psychoanalyse muss man tief graben, um Antworten auf diese Fragen zu finden, und da wie dort öffnet sich dadurch eine Büchse der Pandora.

Einen ersten Einblick in Freuds komplizierte Beziehung zu Wien ermöglichen seine Briefe: "Ich will Sie mit der Erwähnung des Eindrucks verschonen, den Wien auf mich machte. Es war mir ekelhaft", schrieb der 16-jährige Freud an seinen Freund Emil Fluß - und frisch von einem Adria-Urlaub zurückgekehrt an selbigen: "Ich bin kaum drei Tage hier, und schon hat mich der ganze Mißmut (sic!) des Wienertums ergriffen. Es ist ein Elend, hier zu leben." Und eine Woche später: "Diese Stadt macht die Seele wund und legt wieder alles bloß, was sich in zwei Monaten zu überhäuten begann."

Der aufkeimende Antisemitismus, die Mühsalen zur Durchsetzung der Psychoanalyse und das Ringen um Anerkennung, die ihn zeitlebens begleiteten, befeuerten Freuds Antipathie gegenüber der Stadt, die ihm zur Heimat wurde, zusätzlich. Selbst 1914, als Freud mit fast 60 Jahren die "Geschichte der psychoanalytischen Bewegung" schrieb, habe die Stadt Wien "alles dazugetan, um ihren Anteil an der Entstehung der Psychoanalyse zu verleugnen. An keinem anderen Orte ist die feindselige Indifferenz der gelehrten und gebildeten Kreise dem Analytiker so deutlich verspürbar wie gerade in Wien".

Dabei zogen Freuds Lehren spätestens ab dem Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Die Psychoanalyse, längst das Gesprächsthema im Kaffeehaus und in den Salons war aus dem Fin de siècle nicht mehr wegzudenken. Die breite Bevölkerung begann sich für Psychologie zu begeistern. "Meine Mutter, eine einfache Hausfrau, ging zu den Vorträgen von Helene Deutsch (Psychoanalytikerin, Anm.)", erzählt etwa der Psychoanalytiker Otto Kernberg im Gespräch mit dem "extra".

Der 10-jährige Otto Kernberg, kurz vor seiner Flucht aus Wien. - © privat
Der 10-jährige Otto Kernberg, kurz vor seiner Flucht aus Wien. - © privat

Kernberg, der als einer der wichtigsten Psychoanalytiker unserer Zeit gilt, lebt heute in New York, wo er mit 92 Jahren forscht, lehrt und Patienten analysiert. Der auf Persönlichkeitsstörung spezialisierte Analytiker wurde zu jener Zeit in Wien geboren, als Freud noch in der Stadt praktizierte. Nur ein Jahr nach Freuds Flucht 1938 gelang es auch dem jungen Kernberg, vor den Nationalsozialisten zu fliehen. Während er ins chilenische Exil flüchten konnte, emigrierten Freud und seine Familie mit der diplomatischen Unterstützung von Prinzessin Marie Bonaparte nach London, wo Freud ein Jahr später seinem Krebsleiden erlag (1939).

Neuaufbau nach 1945

Freud und Kernberg sind keine Einzelschicksale. Fast alle Wiener Analytiker wurden von den Nazis ermordet oder vertrieben. Damit ist schnell erklärt, warum ab den 1950er Jahren London, New York und einige südamerikanische Städte zu den neuen Metropolen der Psychoanalyse avancierten.

Was aber wurde aus Wien? Konnte sich die Stadt von der Vertreibung der Vernunft jemals wieder erholen? "Nein. Wien wird sich von diesem Brain Drain niemals erholen, und die Stadt ist weit entfernt davon, jenes Zentrum der Psychoanalyse zu sein, welches es vor dem Zweiten Weltkrieg war", sagt Stephan Doering, Leiter der Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie an der Medizinischen Universität Wien. "In Österreich wurde, im Gegensatz zu Deutschland, nichts dafür getan, um vertriebene Intellektuelle wieder zurückzuholen", erklärt Hemma Rössler-Schülein, stellvertretende Vorsitzende der Psychoanalytischen Vereinigung.

In Österreich musste die Psychoanalyse nach dem Zweiten Weltkrieg völlig neu aufgebaut werden. "Es dauerte bis in die 1970er Jahre, bis sich wieder eine nennenswerte psychoanalytische Community gebildet hatte", sagt Martin Engelberg, Präsident der Sigmund Freud Gesellschaft. Zwar wurde die Psychoanalytische Vereinigung bereits am 10. April 1946 wieder eröffnet. "Man hatte große Hoffnung und Pläne, Freuds Lehren fortzuführen, etwa in der Erziehungsberatung. Aber nach dem Krieg standen viele, auch Psychiater, der Psychoanalyse kritisch und skeptisch gegenüber", erzählt Rössler-Schülein.

Sigmund Freud und seine Tochter Anna (links) im Londoner Exil. - © AFP
Sigmund Freud und seine Tochter Anna (links) im Londoner Exil. - © AFP

Jahr des Aufbruchs

Das Jahr 1971 markiert den Aufbruch der Wiener Psychoanalyse: Die Medizinische Universität erhält einen Lehrstuhl für Tiefenpsychologie (heute: Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie) und das Sigmund Freud Museum öffnet seine Pforten. Der Anstoß dafür kam von außen. Der damalige Bundeskanzler Josef Klaus wurde auf einer Dienstreise in den USA darauf angesprochen, warum in Österreich so wenig dafür getan wurde, um das Erbe Freuds weiterzuführen. Daraufhin initiierte Klaus die Museumsgründung.

Zuerst stand Anna Freud der Idee, ihre einstige Wohnung zu einem Museum umzufunktionieren, skeptisch gegenüber. Letztendlich willigte sie aber ein, und anlässlich der Museumseröffnung sowie des Kongresses der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung kehrte Freuds jüngste Tochter 1971 erstmals nach ihrer Vertreibung nach Wien zurück. Anlässlich ihres medial viel beachteten Wien-Besuchs sagte die Kinderanalytikerin und Pädagogin: "Wenn wir nicht durch die politischen Ereignisse unterbrochen worden wären. Wenn wir weitergebaut hätten auf diesen Anfängen. Wo wäre die Psychoanalyse in Wien heute?"

Anna Freuds Reformpädagogik


Ja, wo wäre sie? Um dem Gedankenexperiment zu folgen, blickt man am besten in die Zeit vor dem "Anschluss": In den 1920er Jahren trug die Psychoanalyse, die damals eine einflussreiche Bewegung war, zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung im Roten Wien bei. Verschiedene psychologische Schulen trieben die Reformation des Sozial- und Schulwesens voran. An der Entwicklung der Reformpädagogik maßgeblich beteiligt waren Anna Freud und ihre Lebensgefährtin Dorothy Burlingham. In ihrer Privatschule, die sie 1927 in Hietzing gründeten, setzten sie auf alternative Lehrmethoden und Projektunterricht.

Zehn Jahre spätere starteten die beiden Frauen mit der "Jackson Nursery" eine Kinderkrippe, die sich stark an der Montessoripädagogik orientierte und in der Kinder aus sozial benachteiligten Familien bevorzugt aufgenommen wurden. Die dort gewonnen Erfahrungen nutzte Anna Freud, um ihre Theorien über die kindliche Entwicklung in der Praxis zu überprüfen.

Otto Kernberg, der Anna Freud persönlich kannte, beschreibt sie als "hochintelligente, energische und originelle Frau, die die Rigiditäten in ihren Anschauungen vehement zum Ausdruck brachte". Die Differenzen liegen auf der Hand, denn obwohl Kernberg ideologische Grabenkämpfe meidet und als Brückenbauer zwischen klassischer und moderner Psychoanalyse gilt, stand er den Theorien der Londoner Kinderanalytikerin Melanie Klein näher als jenen von Anna Freud. Kern des Konflikts zwischen den beiden Kinderanalytikerinnen: Anna Freud ging im Gegensatz zu ihrer Rivalin davon aus, dass Kinder erst ab dem sechsten Lebensjahr analysierbar seien.

Die Erkenntnisse der Kinder- und Jugendanalyse sind heute gefragter denn je. Junge Menschen leiden besonders stark unter sozialer Isolation, Homeschooling und Lockdown. Zwar wird in der Regel erst ab der Adoleszenz auf der Couch behandelt, doch psychoanalytisch therapiert wird ab dem Säuglingsalter (wobei der Analytiker dann vor allem mit der Mutter oder dem Vater arbeitet).

Steigende Nachfrage in der Pandemie


Allgemein ist die Nachfrage nach Psychotherapien und -analysen seit der Pandemie gestiegen. Wobei die Analyse, die Mutter aller Therapien, ihre Vormachtstellung zu Gunsten kürzerer Therapieformen verloren hat. Laut dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie macht sie heute fünf Prozent aller Therapien aus. Bezieht man alle psychoanalytisch orientierten Psychotherapien mit ein, erhöht sich der Anteil auf 15 bis 20 Prozent, schätzt Renate Kohlheimer, Vorsitzende der Psychoanalytischen Vereinigung.

Die klassische Analyse findet zumindest dreimal pro Woche statt. Zu Freuds Zeiten wurde sechsmal pro Woche analysiert. Dafür dauerte die Analyse damals mitunter nur wenige Monate - heute sind es meist etliche Jahre. Während zu Freuds Zeiten fast ausschließlich Frauen analysiert wurden, sind heute - der Wandel des Männerbilds macht sich auch hier bemerkbar - fast ein Drittel der Patienten Männer. Damals wie heute liegt der Patient mit dem Rücken zum Analytiker auf der Couch und soll in freier Assoziation möglichst ungefiltert alles sagen, was ihm in den Sinn kommt. Das soll das Unbewusste bewusst machen, innere Konflikte lösen und seelisches Leid lindern.

Heute könne man ziemlich genau sagen, für wen die klassische Analyse Sinn macht, erklärt der Psychoanalytiker Stephan Doering: "Für Menschen mit tiefergehenden Erkrankungen und Störungen." Das Potential der Psychoanalyse besteht darin, dass der Patient die Fähigkeit entwickelt, über sich selbst nachzudenken. Otto Kernberg formuliert es so: "Die Psychoanalyse dient der Subjektivität des Menschen in den tiefsten, unbewussten Motivationen des Verhaltens. Die Analyse hat das Potential, verzerrte, gehemmte Persönlichkeiten dahingehend zu verändern, dass man die Fähigkeit erlangt, abhängig und autonom zu sein."

Doch ist die Wirksamkeit der Psychoanalyse ausreichend belegt? "Diese Kritik war vor 20 Jahren berechtigt, inzwischen gibt es eine ganze Reihe an Studien, die ganz eindrucksvoll belegen, dass Psychoanalyse wirksam ist. Im Gegensatz zu kürzeren Formen hat sie den großen Vorteil nachhaltiger Wirksamkeit. Es ist wissenschaftlich belegt, dass sie noch zehn Jahre nach der analytischen Behandlung die Ausgaben im Gesundheitssystem reduziert", sagt Stephan Doering.

Elitarismus-Vorwurf

Trotz der erwiesenen Wirksamkeit hat die Psychoanalyse bis heute zum Teil einen schlechten Ruf. In dem aktuellen Buch "Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg?" spricht der Analytiker offen und unbeschönigt über Missbrauchsfälle. Otto Kernberg gilt auch als einer der größten Kritiker der autoritären Ausbildung, sagt aber: "Wie die Forschung wird auch die Ausbildung besser, das entwickelt sich jetzt langsam."

Nicht zuletzt wird der Analyse oft Elitarismus vorgeworfen. Zwar bezahlt in Österreich die Krankenkasse - anders als etwa in den USA oder Großbritannien - bei entsprechender Diagnose einen Teil der Behandlung, wobei Stunden bei Analytikern, die sich noch in Ausbildung befinden, in der Regel günstiger sind. Dennoch muss man sich diese hochfrequente Therapieform, die oft fünf Jahre oder mehr in Anspruch nimmt, leisten können. Und nicht jeder braucht eine Analyse.

"Psychoanalyse und psychoanalytische Therapien sind die besten Behandlungen für Menschen mit ernsthaften Schwierigkeiten in Arbeit und Beruf, Liebe und Sexualität", sagt Kernberg. Für andere Patienten sei eine andere Behandlungsmethode besser geeignet. "Ein Psychologe muss genügend Kenntnisse von allen Therapieformen haben, um zu wissen, welche Behandlung die beste für den Patienten ist."

Das Interesse an der Psychoanalyse geht aber seit jeher weit über den Behandlungsraum hinaus. Freud lud regelmäßig Analytiker und Ärzte, aber auch Schriftsteller und Intellektuelle in seine Wohnung in der Berggasse, um über psychoanalytische Entwicklungen zu diskutieren. Die sogenannte "Psychologische Mittwoch-Gesellschaft" war maßgeblich an der weltweiten Verbreitung der Psychoanalyse beteiligt. Aus ihr entstand die Wiener Psychoanalytische Vereinigung, die bis heute Psychoanalytiker ausbildet und öffentliche Vorträge zu psychoanalytischen Themen anbietet.

Wartezimmer in Freuds Praxis, wie es im 2020 neu eröffneten Freud Museum zu sehen ist. - © AFP
Wartezimmer in Freuds Praxis, wie es im 2020 neu eröffneten Freud Museum zu sehen ist. - © AFP

Ein weiterer wesentlicher Verwalter von Freuds Erbe ist das Freud Museum, das vor der Wiedereröffnung im Jahr 2020 vom Wiener Architekten Hermann Czech umgebaut und vergrößert wurde. Es ist ein Erinnerungsort und will mit einer Dauerausstellung ein breites Publikum anziehen. In der Bibliothek - diese war ein ausdrücklicher Wunsch von Anna Freud - bietet das Museum auch einen Studienraum. Seit der Wiedereröffnung gibt es auch ein Café: Hier blickt man, nur durch eine Glasscheibe getrennt, durch bodenlange Fenster vom Freud'schen Universum hinaus ins öffentliche Leben auf der Berggasse.

Freuds Orte in Wien

In der Stadt Wien kann man vorzüglich auf Freuds Spuren wandern. Eine der wenigen seiner Wirkungsstätten, die bis heute fast unverändert erhalten sind, ist das Chemische Institut in der Währinger Straße, wo Freud am Ende seines Medizinstudiums forschte. In der ehemaligen Mazzesinsel, wo Freud in der Taborstraße ab seinem neunten Lebensjahr die Schule besuchte, befindet sich heute in der Wohlmutstraße das Sigmund-Freud-Gymnasium, benannt nach seinem berühmtesten Absolventen.

Einer der schönsten Spaziergänge führt jedoch auf den Cobenzl. Im Schloss Bellevue verbrachte Freud gerne seine Sommer und hier hatte er jenen Traum, der zu einem der wichtigsten Ausgangspunkte der Psychoanalyse wurde. Ein halbes Jahr nach Erscheinen der "Traumdeutung", das eines seiner wichtigsten Werke wurde, schrieb Freud in einem Brief an einen Freund: "Glaubst du eigentlich, dass an dem Hause dereinst auf einer Marmortafel zu lesen sein wird: Hier enthüllte sich am 24. Juli 1895 dem Dr. Sigm. Freud das Geheimnis des Traumes. Diese Aussichten sind gering."

Trotz Freuds Pessimismus befindet sich heute am Bellevue tatsächlich eine Tafel mit eben diesem Text. Bei der Enthüllung der Tafel im Jahr 1977 war Anna Freud, die im Jahr der Traumdeutung geboren wurde, vor Ort.

Späte Ehrungen

Überliefert ist, dass sich Freud einst ausmalte, dass eines Tages auch seine Büste im Arkadenhof des Hauptgebäudes der Universität Wien stehen würde. Dem ist tatsächlich so, enthüllt wurde diese aber erst 1955, also 16 Jahre nach Freuds Tod. Immerhin noch zu seinen Lebzeiten, 1926, wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt.

Nicht mehr miterlebt hat er, dass 1947 ein Gemeindebau in der Gussenbauergasse im 9. Bezirk nach ihm benannt wurde, dass die Oesterreichische Nationalbank 1987 einen 50-Schilling-Schein herausbrachte oder dass ihm 2018 mit einer Statue am Campus der MedUni Wien ein Denkmal gesetzt wurde.

Ein eindrücklicher Wirkungsort der Psychoanalyse, der bis heute existiert, befindet sich in einem unscheinbaren Gründerzeithaus in Währing, auf dessen Fenstern Papierschnitte kleben: In der Gersthofer Straße im 18. Bezirk gibt es einen städtischen Kindergarten, in dem bis heute Pädagogik und Tiefenpsychologie, aber auch Entwicklungsförderung, Forschung und Lehre verknüpft werden. Die Forschungsergebnisse, die der Psychoanalytiker Karl Purzner seit vielen Jahren begleitet, fließen in den Kindergartenalltag ein.

Kinder im Anna-Freud-Kindergarten - © MA 10
Kinder im Anna-Freud-Kindergarten - © MA 10

Kurz vor der Fertigstellung, im Jahr 1979, besichtigte Anna Freud den im Bau befindlichen Kindergarten. Die Anreise zur Eröffnung war der damals 84-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen indes nicht mehr möglich, doch im Anna-Freud-Kindergarten lebt das Werk der Psychoanalytikerin und Pädagogin bis heute fort.

Ob das gereicht hätte, um Freud mit Wien zu versöhnen? Es gibt zumindest ein Indiz, das darauf hindeutet, dass ihm seine Liebe zu Wien lange Zeit nicht bewusst war. Einen Tag nach der Ankunft im Londoner Exil und ein Jahr vor seinem Tod schrieb er an seinen Freund Max Eitingon: "Die Affektlage dieser Tage ist schwer zu fassen, kaum zu beschreiben. Das Triumphgefühl der Befreiung vermengt sich zu stark mit der Trauer, denn man hat das Gefängnis, aus dem man entlassen wurde, immer noch sehr geliebt..."