Der Maskenbildner hilft dem Schauspieler Johannes Krisch. - © Reinhard Maximilian Werner
Der Maskenbildner hilft dem Schauspieler Johannes Krisch. - © Reinhard Maximilian Werner

Für Bühnenbildnerin Bühler wiederum kann während der Arbeit an einem Projekt "alles zur Inspirationsquelle werden. Ich betrachte mein Umfeld dann wie durch eine andere Brille." Bei Regisseur Schachermaier kommen häufig zündende Ideen, wenn er "mit der Vespa durch die Gegend gurkt". Etliche Konzeptionsgespräche zum "Alpenkönig" wurden während Bergwanderungen geführt, andere fanden in Wiener Lokalen statt. Künstler arbeiten, so das Selbstbild, zu jeder Zeit, alles wird ihnen Teil des Werks. "Ich wache um sechs Uhr morgens auf", so Michael Schachermaier, "und das Denken geht los."

Im großen Malersaal der Bühnenwerkstätten landete vor einiger Zeit ein Erdtrabant. In Form einer Scheibe mit vier Metern Durchmesser liegt der Mond auf Stützböcken. Die Oberfläche ist mit spiegelglatter, sogenannter Opera-Folie bespannt; im Inneren des Bühnenmondes sind Leuchtmittel montiert. Das Bodentuch, eine Stoffbahn von 17 Metern Länge und 35 Metern Breite, wird von zwei Handwerkern besprüht; das fertig präparierte Tuch wird anschließend über die Holzkon-struktion der Berglandschaft gezogen. Handwerker bohren, sägen, hämmern an der riesig wirkenden Berg- und Tallandschaft bis zur Sommerpause. Im Juli und August ruhte die Arbeit. Anfang September wurden die Proben wieder aufgenommen, die große Theater-Maschine wieder angeworfen.

Die Woche vor der Premiere, die erste Hauptprobe. Erstmals laufen die vielen Fäden im Haupthaus zusammen: Bühnenbild, Licht, Technik, Kostüme, Maske, Akteure. Alles arbeitet auf Hochtouren. Bis zuletzt sind auch die Schneiderinnen im Einsatz. In den Endproben zeigt sich, ob ein Darsteller mit seinem Kostüm zurechtkommt, ob die Hose sitzt, eine Falte geändert werden muss. Jedes Detail, jede Finesse ist wichtig. Regisseur Schachermaier versucht in den Tagen und Stunden, die dem Erstauftritt vorausgehen - "es ist ein geistiger und körperlicher Ausnahmezustand" - vor allem Ruhe zu bewahren, keinen Druck auszuüben. "Am Tag der Premiere stehen wir dann wie Fußballtrainer am Rand, das Spiel gehört den Schauspielern." Der Anpfiff für das Spiel ist diesen Samstag, um 19.30 Uhr.

Petra Rathmanner hat Theaterwissenschaft studiert und ist Kulturredakteurin und Theaterkritikerin der "Wiener Zeitung".