Helme mit Filzüberzug

Zu den wissenschaftlichen Begleitern gehört auch der St. Galler Stiftsbibliothekar Ernst Tremp. Er sieht im Bau der Klosterstadt in Messkirch auch einen Gewinn für die UNESCO-Stätte St. Gallen. Dem Stiftsbibliothekar kommt aber noch eine weitere Funktion zu. Sollte es zwischen der Gemeinde Messkirch und dem Verein Campus Galli je zu Streitigkeiten kommen, übernimmt er die Rolle eines Schiedsrichters.

Geurten versichert, dass der Klosterplan konsequent mit den Mitteln des 9. Jahrhunderts realisiert wird. "Die einzige Ausnahme sind Umweltschutz- und Sicherheitsvorschriften, die wir selbstverständlich erfüllen. Deshalb tragen die Handwerker einen Helm mit Filzüberzug." Wie damals üblich, errichten die Bauarbeiter zuerst eine Holzkapelle, die während der Bauphase als Provisorium dient, bis das Kloster fertig gebaut ist.

Bereits vor Baubeginn wirft der Klosterplan hohe Wellen. Freiwillige aus der ganzen Welt melden Geurten ihr Interesse an einer Mitarbeit an. Doch die Kapazität ist beschränkt. Zwischen Mai und November beschäftigt der Aachener regelmäßig 25 professionelle Handwerker und noch einmal so viele Freiwillige. Die Berufsschule für Polybau aus Uzwil im Kanton St. Gallen überlegt sich, ihre Lehrlinge jährlich eine Woche auf den Campus Galli zu schicken.

Roman über Nachbau

Geurten ist 63 und wird die Vollendung des Klosters wohl nicht mehr erleben. Er nimmt es mit Humor. "Das ist wie Moses, der die Israelis in Gelobte Land führte, es aber selbst nicht erreichte. Mein Wunsch wäre, dereinst im Kloster begraben zu werden. Dann können die Besucher für mich eine Kerze anzünden."

Die Chancen stehen gut dafür, dass er ein anderes Werk noch vollenden kann. Der Journalist möchte über den Bau der Klosteranlage einen historischen Roman schreiben, der zwischen Realität und Fiktion pendelt. Im Plot geht es darum, dass Karl der Große am Sterbebett seiner Frau Hildegard das Versprechen gegeben hat, ihr zu Ehren ein Kloster bauen zu lassen. Er hat es zu Lebzeiten nicht erfüllen können und den Auftrag seinem Vertrauten Abt Haito gegeben, der ihn nach St. Gallen weiterleitete. Um Hildegards Seelenheil zu garantieren, müsse die Klosterstadt innerhalb von 1200 Jahren realisiert werden.

Dass Geurten den Plan nun realisieren will, hat deshalb auch persönliche Gründe. "Ich habe es schriftlich, dass ich ein Nachfahre von Karl dem Großen bin."

Martin Arnold, geboren 1961, ist freier Journalist und Mitbegründer des Pressebüros Seegrund in Kreuzlingen (CH). Er lebt in St. Gallen.