Viele Bücher, wie "Das kleine Ich bin Ich", wurden auch außerhalb Österreichs Bestseller (etwa in Russland). - © Jungbrunnen Verlag
Viele Bücher, wie "Das kleine Ich bin Ich", wurden auch außerhalb Österreichs Bestseller (etwa in Russland). - © Jungbrunnen Verlag

So erlebte er nicht mehr den Einzug in die Gemeindebauwohnung, die Mira und die Kinder, die mittlerweile die österreichsiche Staatsbürgerschaft hatten, nicht zuletzt dank guter Kontakte zur SPÖ - "sie war aber kein Parteimitglied" - bekamen. Damals war sie bereits einer breiten Öffentlichkeit bekannt, spätestens seit sie 1957 den ersten von mehreren Österreichischen Staatspreisen für Kinder- und Jugendliteratur für ihre Kleinkinderbücher in Zusammenarbeit mit Susi Weigel, die sie schon von der "UZ" kannte, bekommen hatte. "Meine Mutter wurde etwas vermögender, nicht nur durch den Erfolg ihrer Bücher, sondern auch durch die deutsche Restitution." Auch Friedrich Lobe war als Jude verfolgt worden und hatte auch körperlich Schaden erlitten. Das Geld wurde in ein Haus in Annaberg (NÖ) angelegt - "weil es dort in der Nähe ein Skigebiet gab". Mira Lobe war aber selten dort. Bis zum Schluss lebte sie in der Wohnung in der Boschstraße 24 in Wien-Döbling.

"Sie war nicht streng"

Und wie war Mira Lobe als Mutter? "Sie war nicht streng, Ohrfeigen gab es nicht - oder nur ganz wenige, und die waren dann eine große Katastrophe: Sie hat sich geschämt, weil sie sich nicht beherrschen konnte, und wir haben uns geschämt, weil wir sie so geärgert hatten", erzählt ihr Sohn. "Sie war eine einfühlsame und liberale Mutter." Genauso, wie ihre Bücher es vermuten lassen? "Naja, die sollen ja typische Durchschnittsfamilien darstellen, aber es sind halt schon Ideale, wie sie selbst sein wollte, was sie aber auch nicht immer geschafft hat. Wir waren ja auch kein Durchschnittshaushalt: Künstler, Juden, Kommunisten, Zuagraste."

Ihre späteren Bücher sind weniger idealistisch, meint ihr Sohn und nennt als Beispiel "Die Sache mit dem Heinrich", wo ein Kind vom Stiefvater geprügelt wird. "Die Omama im Apfelbaum" wiederum ist ziemlich autobiographisch für ihn. "Ich hatte ja sehr früh nicht nur keinen Vater, sondern auch keine Großeltern mehr." Seine Mutter beschäftigte das sehr, und so entstand "Die Omama mit Apfelbaum" mit der Fantasie-Großmutter. Auch an der Entstehung anderer Bücher waren Mira Lobes Kinder beteiligt. "Manchmal hat sie uns ein Stück vorgelesen. Oder sie hat mich bei den Spaziergängen, die sie mit mir fast täglich gemacht hat, nach meiner Meinung gefragt, wie eine Geschichte weitergehen soll."

Mitte der 1980er starb Goldschmidt. Der Tod ihres Lebensgefährten nahm Mira Lobe sehr mit. Sie schrieb zwar noch einige Bücher, ein paar Jahre vor ihrem Tod am 6. Februar 1995 hörte sie aber auf, weil es ihr zu schlecht ging. "Sie hätte noch Ideen gehabt", erzählt ihr Sohn. "Der Stolz auf ihre bisherigen 100 Bücher hat ihr überhaupt nichts gegeben. Sie war einfach nur verzweifelt, weil sie nicht mehr schreiben konnte."