Karl Hopf, der Ehefrauenmörder. - © Kriminal-Museum, Frankfurt/Main
Karl Hopf, der Ehefrauenmörder. - © Kriminal-Museum, Frankfurt/Main

Der Mann war sportlich, attraktiv, konnte recht charmant sein und bewies in diversen Lebensbereichen ein goldenes Händchen. Im Jahre 1891 errang er in London den Weltmeistertitel im Säbelfechten. Als muskelbepackter Varietékünstler "Athos", beziehungsweise "Captain Charles Vernon" erntete "der beste Degenkünstler aller Welt" Beifallsstürme, etwa wenn er vor heimischem Publikum im Frankfurter Schumann-Theater einen Apfel auf der zarten Kehle seiner Partnerin mit einem Hieb zerteilte. . .

Karl Hopf, 1863 in Frankfurt in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren, schmiss das Gymnasium und zog in die Welt hinaus. In London war er - wie zuvor schon daheim - im Drogerie- und Chemikalienhandel tätig. Auch in Belgien, Marokko und Indien erweiterte er sein Fachwissen. Anfang der 1890er Jahre kehrte Hopf von Malaria geschwächt nach Deutschland zurück.

Er zog in das Taunusdorf Niederhöchstadt (heute ein Ortsteil von Eschborn) und erwies sich dort als erfolgreicher Hundezüchter. Sein Prachtexemplar, ein Bernhardiner, erzielte den Spitzenpreis von 10.000 Goldmark. Der angesehene Fachbuchautor entwickelte darüber hinaus taugliche Mittel gegen die Hundestaupe. 1902 heiratete er Josepha Henel, die noch im gleichen Jahr an einer mysteriösen Krankheit verstarb. Bei der Polizei ging eine Anzeige ein: Hopf, der "zu Heilzwecken" Bakterien züchte, habe seine Frau ermordet. Dieser Verdacht schien den Ermittlern absurd. Der untröstliche Witwer durfte Josephas Lebensversicherung kassieren: 20.000 Mark.

Der Wiederholungsfall


Auch Hopfs zweite Frau, Auguste Christine Schneider, genannt Didi, erkrankt schwer. Ist sie bei Hopf in Niederhöchstadt, geht es ihr gesundheitlich miserabel, pflegen die Eltern sie, erholt sie sich. Christine wird misstrauisch, verlässt den Gatten, wird geschieden. Und heiratet erneut. Aber es ist zu spät. Auch sie geht dahin.

"Tuberkulose" lautete die Todesursache. Didis Leben war auf 30.000 Mark versichert. Die erhielt aber nicht Hopf, sondern der neue Ehemann. Auch das Töchterchen Elsa aus der Ehe mit Hopf war - fünf Wochen nach der Geburt - auf unerklärliche Weise verstorben. Wieder wurde er angezeigt, wieder das Verfahren eingestellt. Hopf drehte den Spieß um, verklagte erfolgreich die "Verleumder", darunter mehrere Zeitungen.

Karl Hopf verkaufte sein Haus, zog nach Frankfurt und begab sich erneut auf Freiersfüße. In London heiratete er 1912 während einer Gastspielreise die aus Dresden stammende Österreicherin Wally Siewec. Er schloss eine Lebensversicherung über 80.000 Mark ab und machte seiner Angetrauten weis, die wäre allein auf ihn ausgestellt. Bei einer neugierigen Schnüffelaktion stieß Wally auf versteckte Unterlagen, aus denen hervorging, dass auch ihr Leben "auf Gegenseitigkeit" mitversichert worden war.

Kurz darauf bekommt sie schreckliche Magen- und Darmbeschwerden, die Glieder schwellen an. Hopf kümmert sich in rührender Weise, flößt ihr Medizin ein. Dadurch verschlechtert sich ihr Zustand rapide weiter, das Fieberthermometer steigt auf über 40 Grad. Der jungen Frau gelingt es schließlich gegen Hopfs Widerstand, ins Frankfurter Diakonissenkrankenhaus eingeliefert zu werden. Dort vermutet ein fachkundiger Arzt eine schwere Vergiftung. Die Polizei wird verständigt, der Haudegen Hopf auf dem Weg zum Hospital von vier kräftigen Beamten festgenommen, die seinen Selbstmord mit Zyankali gerade noch verhindern können.

Die Durchsuchung seiner eleganten Wohnung bringt Schockierendes zu Tage. Neben einem kompletten Chemielabor - mit Giften wie Arsenik, Zyankali, Strychnin und Digitalis - finden sich auch solche "animalischer Natur", virulente Typhus-, Rotz-, Starrkrampf- und Cholerabazillenkulturen in großer Menge. "Das", so ein Journal, "hätte gereicht, ganze Stadtviertel auszurotten".

Hopf hatte sich die gefährlichen Mikroorganismen von einem bakteriologischen Institut aus Wien schicken lassen. Einmal beklagte er, der vorgab, die Erreger für die Herstellung von Hundemedizin zu benötigen, in einem Beschwerdebrief ganz unverblümt "die sehr mangelhafte Wirkung beim Menschen" und verlangte erfolgreich Ersatz. Seine Wiener Geschäftspartner wollten damals übrigens statt "am Menschen" "am Meerschwein" gelesen haben. Hopf ließ sich gar frischen Nachschub von den Schlachtfeldern des Balkankrieges (1912/13) zukommen.

Geheime Begierden


In der Wohnung stoßen die Ermittler auf ein perfekt getarntes "Geheimkabinett", von dessen Existenz die Ehefrau nichts ahnte. Peitschen, Ruten, Stöcke, Pritschen mit Lederriemen, Drahtkäfige. Und mittels Selbstauslöser aufgenommene pornografische Fotos von Hopf, nur mit schwarzer Maske und Socken bekleidet, beim Misshandeln von Frauen. "Billige Straßenmädchen", hieß es im zeitgenössischen Jargon. Die Prostituierten stellten für Hopf, der auf großem Fuß lebte, einen gewichtigen Kostenfaktor dar und trugen wesentlich zur ständigen Geldnot bei.