Dieses Denkmal in der Normandie erinnert an den D-Day. - © Jon Boyes/ incamerastock/ Corbis
Dieses Denkmal in der Normandie erinnert an den D-Day. - © Jon Boyes/ incamerastock/ Corbis

Am 3. November 1943 unterschrieb Adolf Hitler die Weisung Nr. 51, in der er auf die sich abzeichnende Gefahr im Westen hinwies: "Die Gefahr im Osten ist geblieben, aber eine größere im Westen zeichnet sich ab: die angelsächsische Landung!" Er befahl, die Verteidigung dort entsprechend zu verstärken. Für ihn war klar, dass im Westen die Entscheidungsschlacht geschlagen würde.

Zuversicht im Westen

Im Dezember 1943 wurde Generalfeldmarschall Erwin Rommel beauftragt, die bedrohte Küste verteidigungsbereit zu machen. Am 7. März 1944 schrieb er an seine Frau: "Im Westen sind wir bester Zuversicht, es zu schaffen. Allein der Osten muss halten." Drei Tage später fand sich die gesamte Generalität aus Frankreich im Schloss Klessheim bei Salzburg ein, wo Hitler eine Stunde sprach. Laut Rommel war es eine Rede von "wundervoller Klarheit und überlegenster Ruhe".

Hitler war vom Scheitern der Invasion überzeugt; das wiederum würde zum totalen deutschen Sieg führen. Die im Westen eingesetzten 45 Divisionen müssten "sofort nach der Entscheidungsschlacht im Westen" nach dem Osten abtransportiert werden, um dort eine grundlegende Änderung der Lage herbeizuführen. Hitler abschließend: "Es hängt somit von jedem einzelnen Kämpfer der Westfront, als der kriegsentscheidenden Front, der Ausgang des Krieges und damit das Schicksal des Reiches ganz allein ab."

So wie Hitler waren auch die Militärs optimistisch. Generaloberst Jodl meinte, der Weg sei klar vorgezeichnet, es gehe um Sieg oder Vernichtung: "Ich sehe dem Kampf mit vollem Vertrauen entgegen." Von der politischen Führung wurde öffentlich Gelassenheit und Zuversicht demons-triert. Propagandaminister Goebbels betonte am 4. Juni, einem Sonntag, auf dem Adolf-Hitler-Platz in Nürnberg vor 70.000 Menschen, man sei vorbereitet: "Und wenn der Feind kommt, so werden wir ihm eine Lektion erteilen."

Einen Tag später traf er Hitler auf dem Obersalzberg. Der "Führer" sah, so Goebbels, "blendend" aus und befand sich in guter Stimmung; die Aufgabe von Rom am Tag zuvor hatte ihn in keiner Weise niedergedrückt. Abends um zehn kamen die ersten Nachrichten, denen zufolge die Inva- sion in derselben Nacht beginnen sollte. Goebbels saß mit Hitler und Eva Braun bis morgens um zwei am Kamin; man tauschte Erinnerungen aus und freute sich über die vielen schönen Tage, die man zusammen erlebt hatte. "Kurz und gut", notierte Goebbels in sein Tagebuch, "es herrschte eine Stimmung wie in guten alten Zeiten."

Tag der Entscheidung

Über dem Obersalzberg ging in jenen Stunden ein schweres Gewitter nieder, eine Art Vorbote für das, was kommen sollte. Goebbels fuhr nachts spät noch zu Reichsleiter Martin Bormann. Erst um 4:00 Uhr an diesem 6. Juni fuhr man zurück nach Berchtesgaden. Dort lagen inzwischen weitere Meldungen über die Invasion vor. Aus ihnen war zu entnehmen, dass sie noch in den frühen Morgenstunden stattfinden werde. Für Goebbels war klar: "Damit wäre dann also der entscheidende Tag des Krieges angebrochen."

Wenig später war er wieder bei Hitler und schrieb anschließend in sein Tagebuch: "Der Führer ist außerordentlich aufgekratzt. Die Invasion findet genau an der Stelle statt, an der wir sie erwartet hatten (was nicht zutraf, Anm.), und auch genau mit den Mitteln und Methoden, auf die wir uns vorbereitet haben. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht damit fertig würden."

Bekanntlich wurde man damit nicht fertig. Da half auch nicht Hitlers Aufruf vom 6. Juni an die "Soldaten der Westfront. Der Feind ist zu dem seit langem von uns erwarteten Angriff auf Europa angetreten, seine Absichten sind uns allen bekannt. Ihr seid dazu berufen, sie zu vereiteln und damit die nationale Sicherheit, die Existenz und Zukunft unseres Volkes zu sichern."

Der "große Kreuzzug"

Fast gleichzeitig hatte der Oberkommandierende der alliierten Streitkräfte, General Dwight D. Eisenhower, in einem Tagesbefehl an seine Soldaten erklärt: "Ihr begebt euch nun auf den großen Kreuzzug, für den wir uns seit vielen Monaten vorbereitet haben. Ihr werdet die deutsche Kriegsmaschine zerschlagen, die Nazityrannei über die unterdrückten Völker Europas hinwegfegen und Sicherheit für uns alle in einer freien Welt schaffen. Eure Aufgabe wird nicht leicht sein. Euer Feind ist gut ausgebildet, gut ausgerüstet und kriegserfahren."

Am Abend des 6. Juni standen bereits mehr als 150.000 Mann alliierter Truppen auf französischem Boden. Die Wehrmacht hatte die Schlacht am Strand am ersten Tag verloren. Die Invasion war geglückt. In den folgenden Tagen konnten Amerikaner, Briten und Kanadier ihre Brückenköpfe ausweiten.

Auf deutscher Seite glaubte man immer noch, die Alliierten wieder ins Meer zurückwerfen zu können, solange sie noch keinen Hafen hatten. Das änderte sich am 26. Juni, als Cherbourg in die Hände der Amerikaner fiel. Am 1. Juli standen bereits 920.000 alliierte Soldaten in der Normandie. Zwei Tage später eröffneten die Amerikaner eine Offensive nach Süden, die Briten eroberten die Stadt Caen, am 19. August wurden im Raum Falaise zwei deutsche Armeen in einer Stärke von rund 120.000 Mann eingeschlossen. Etwa 45.000 Mann gerieten in amerikanische Gefangenschaft. Vier Tage vorher waren amerikanische Truppen zwischen Cannes und Toulon gelandet.