Sportbilder gehörten zu Matejkos Spezialitäten. - © Bild: Sammlung Bentz
Sportbilder gehörten zu Matejkos Spezialitäten. - © Bild: Sammlung Bentz

Theo Matejko - fast niemand kennt diesen Namen heute mehr. Für kurze Zeit jedoch, Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, war er in Wien in aller Munde. Denn der junge Zeichner sollte damals mit seinen Plakaten die Aufmerksamkeit der Wiener Passanten fesseln und in der Stadt zum Gesprächsthema werden. So schrieb die deutsche Fachzeitschrift "Das Plakat" 1920 begeistert über den raschen Aufstieg des vielbeachteten Werbegraphikers: "Plötzlich sah man an allen Anschlagwänden von Wien Plakate politischen Inhalts, im Dienste sämtlicher Parteien, Kinoplakate, Geschäftsplakate, alle von einer schwungvollen Leichtigkeit, Treffsicherheit - gezeichnet: Theo Matejko. Sie bildeten das Gespräch von Wien. "

Zunächst jedoch hatte es gar nicht nach der großen Karriere ausgesehen. Im Ersten Weltkrieg an der Ostfront beargwöhnte ein Vorgesetzter die Zeichenleidenschaft des jungen Soldaten und hätte ihn am liebsten vor einem Kriegsgericht gesehen. Erst als man im Regimentsstab unter den Habseligkeiten eines gerade gefallenen Oberleutnants ein Porträt aus Matejkos Hand fand, wurden die Offiziere auf den jungen Künstler aufmerksam und ließen ihn fortan offiziell als Kriegszeichner arbeiten. In der Unbekümmertheit seiner Jugend, so schilderte es Matejko später, wollte er den Krieg im Gegensatz zu vielen seiner erfahrenen Kollegen, nicht als "Stilleben" aus der Etappe darstellen; er arbeitete an vorderster Front, "im Angelpunkt dieses ungeheuren unbegreiflichen Geschehens".

Seine Bilder vom Kriegsschauplatz an der Ostfront veröffentlichte er bald in der renommierten Leipziger "Illustrirten Zeitung" (damals noch ohne "e" geschrieben, Anm.), die ihn sogleich zu ihrem festen Mitarbeiter machte. Otto Sonne, der Chefredakteur des Blattes, sollte zum Förderer des jungen Mannes werden. Seine Fürsprache beim Direktor des K. und K. Kriegsarchivs ermöglichte es, dass Matejko 1917 als Pressezeichner in die "Kunstgruppe des Kriegspressequartiers" aufgenommen wurde.

Nachdem der Erste Weltkrieg zu Ende war, ließ sich Matejko wieder in seiner Geburtsstadt Wien nieder. Da er auch dort - wie er im 1938 erschienenen "Theo Matejko Buch" schrieb - den Zeichenstift, den er "zuerst im Schützengraben erprobte", nicht "wieder aus der Hand legte", kam es zum steilen Aufstieg als graphischer Künstler.

"Fragmentarisch muss der Versuch bleiben, eine Biographie des Zeichners zu schreiben", sagte Otto Weber, der als Erster einige der verwehten Spuren des Künstlers in seinem Buch "Theo Matejko. Das Buch zum 100. Geburtstag" zusammenführte, Fest steht, dass der Künstler unter dem Namen Theo Matejka am 18. Jänner 1893 als Sohn aus Böhmen zugewanderter Eltern in Wien geboren wurde. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg begann er eine Ausbildung zum Kunstmaler und begann, als Werbegraphiker zu arbeiten. Matejkos frühestes nachweisbares Bild befindet sich heute im Heeresgeschichtlichen Museum.

Was war nun das Besondere an Matejkos Plakatentwürfen für Presse, Politik, Theater und Film? Die Zeitschrift "Das Plakat" lobte: "Die ungeheure Dynamik und Bewegung, die in ihnen zum Ausdruck kam, riss das Auge des Vorübergehenden an sich und ließ es nicht wieder los, bevor es nicht das ganze Plakat erfasst hatte."

In dieser Manier schuf der Künstler unter anderem Werbung für die österreichische Sozialdemokratie, die "Bürgerlich Demokratische Partei", für die Zeitungen "Wiener Mittagspost" "Wiener Woche", die neugegründete Zeitschrift "Der Götz von Berlichingen" sowie Plakate für zahlreiche Filme, wie etwa jenes für "Madame Dubarry" mit Pola Ne-gri, das die Zensur zu aufreizend fand und deshalb verbot.

Von Wien nach Berlin


1920 wurde es Matejko in Wien zu eng und er übersiedelte nach Berlin, wo seine Karriere als Pressezeichner für die Blätter des Ullstein Verlages begann. Könnern wie ihm eröffnete sich hier ein reiches Betätigungsfeld, begann doch gerade die Entwicklung der Reichshauptstadt zur Metropole. Die Presse der Stadt wirkte in dieser Zeit wie ein gewaltiger Magnet, der gierig Talente anzog. Da die technischen Möglichkeiten der fotografischen Reproduktion noch sehr beschränkt waren, die bildlichen Elemente mit ihrer auflockernden und stimulierenden Wirkung aber stark in die Blätter drängten, brauchten die über 100 Tages- und Wochenzeitungen sowie die zahlreichen Illustrierten ein Heer von Illustratoren und Zeichnern. Deren Graphik entwickelte sich zu einer typischen Kunstform der zwanziger Jahre.

Matejko wurde bald zu einem Aushängeschild der berühmten "Berliner Illustrirten Zeitung". Er zeichnete das ausschweifende Berliner Gesellschaftsleben der Kriegsgewinnler oder der blühenden Halb- und Unterwelt, in der sich der Zeichner und seine Frau, das Ufa-Sternchen Erika Fiedler, bestens auskannten. Ebenso zeigte er die Lebenssituation der verelendeten Massen. Mit der Figur des "Raffke" schuf Matejko den hervorstechenden Charakter jener Zeit. In Preisausschreiben konnten die Leser diesem fetten, neureichen Kriegsgewinnler, den Matejko in verschiedenen Posen zeichnete, typische Worte in den Mund legen. 1923 wurde über diese Kunstfigur sogar ein Film gedreht.