Theodor Hertzka-Porträt aus dem Buch "Freiland". - © Foto: Wikimedia
Theodor Hertzka-Porträt aus dem Buch "Freiland". - © Foto: Wikimedia

Alle vier Utopien widmen dem Verhältnis der Geschlechter hohe Aufmerksamkeit und treffen dafür neue Regelungen. Dem bürokratischen Charakter des Kaisertums Österreich entspricht, dass für das weibliche Geschlecht eigene "Frauencurien" ins Leben gerufen wurden, die der Interessensvertretung von Mädchen und Frauen dienten.

"Freiland" ist in der Geschlechterfrage konservativ: Frauen betreuen den Haushalt und die Kinder, ihre Hauptaufgabe ist die Pflege des Schönen und die geistige und körperliche Entwicklung des Nachwuchses. Die Frauen werden als gleichberechtigt bezeichnet. Im Weltstaat Hertzkas brauchen die Frauen nicht zu arbeiten, in Herzls Altneuland sind die Geschlechter gleichberechtigt.

Die Bildungspolitik ist in den Utopien egalitär orientiert, schon im Kindesalter ist die Entstehung von Klassenunterschieden auszuschließen. Der Unterricht bringt Kinder aus unterschiedlichsten Familien zusammen; der gemeinsame Unterricht dauert in Österreich bis zum 18. Lebensjahr; in Freiland bis zum 16.

Landesverteidigung ist im Weltstaat hinfällig. Im vereinigten Europa Neupauers ebenfalls (Österreich stellt nur einen kleinen Teil der europäischen Verteidigungskräfte). In Freiland existiert kein Heer (ein Ersatz sind intensive Leibesübungen für Kinder und Jugendliche). Da Altneuland Teil des türkischen Reiches ist, verfügt es auch nicht über eine Streitmacht und lebt in Frieden mit seinen Nachbarn.

Sorglos und fröhlich


Einkommensunterschiede und unterschiedliche Lebensstile gibt es in allen vier Utopien, obwohl in dreien davon der Trend zur Gleichheit geht (nicht in "Altneuland"). Die unterschiedlichen beruflichen Stellungen und Verantwortungen bringen auch Unterschiede beim Einkommen mit sich, die zu mildern sich alle Autoren bemühen.

Die Parallelen zwischen früheren Utopien und den angeführten österreichischen sind vielfältig: So führt Hertzka in "Entrückt in die Zukunft" als Lebenszweck "Belehrung und Vergnügen" an. Dieser Frage widmete auch schon "Utopia", die klassische Zukunftsvision von Thomas Morus, große Aufmerksamkeit. Auch hier soll das Leben sorglos und fröhlich geführt werden; alle unsere Handlungen zielen auf Lust als Endzweck und die eigentliche Glückseligkeit. Als Glück des Lebens bezeichnet Morus einmal Freiheit und Pflege des Geistes. In dieser Tradition stehen auch die Wiener Utopien.

Rudolf Teltscher, geboren 1944, dissertierte 1967 über die Utopien der Renaissance und hat sich intensiv mit der Utopie des Marxismus auseinandergesetzt.