Am 19. Februar 1616 beauftragt Papst Paul V. elf Theologen, die grundlegenden Sätze der kopernikanischen Lehre zu überprüfen. Es sind fast ausschließlich Dominikaner und Jesuiten. Sie beraten am 23. und 24. Februar. Dann fällen sie ihr einhelliges Urteil: Die Behauptung einer ruhenden, zentralen Sonne sei formell ketzerisch, die Annahme einer bewegten Erde irrtümlich für den Glauben.

Das Buch des Theologen Foscarini wird verboten. Der Karmeliter stirbt wenige Tage später im 51. Lebensjahr. Der Papst fordert auch ein komplettes Verbot von "De revolutionibus". Doch die Kardinäle Bonifacio Caetani und Maffeo Barberini schlagen einen anderen Weg vor. Die im Buch enthaltenen Ideen sollen weiterhin vermittelt werden dürfen - jedoch nicht als Behauptungen, sondern bloß als Hypothesen. Als solche würden sie nicht gegen die biblische Wahrheit verstoßen. Das Werk des Kopernikus müsse daher nur verbessert, aber nicht verdammt werden.

Dieses Dekret wird am 5. März allerorts veröffentlicht. Ab sofort ist es untersagt, das kopernikanische Weltbild zu lehren, zu vertreten oder für wahr zu halten. Man darf es zwar weiterhin erwähnen - aber eben nur als hypothetische Gedankenspielerei oder als bloße Rechenhilfe; keinesfalls jedoch als zutreffende Beschreibung der Wirklichkeit. Die Kirche reißt damit einen Graben zwischen Wissenschaft und Religion auf, der für Kopernikus selbst nie existiert hat.

Auf Geheiß des Papstes ermahnt Kardinal Bellarmin den immer noch in Rom weilenden Galilei am 26. Februar. Der Generalkommissar der Inquisition befiehlt ihm gleichzeitig, die kopernikanischen Behauptungen aufzugeben. Galilei unterwirft sich. Er muss zu diesem Zeitpunkt aber weder abschwören, noch wird er mit einer Buße belegt. Bald tauchen anderslautende Gerüchte auf, offenbar um Galileis Ruf zu schaden. Der Philosoph lässt sich von Bellarmin am 26. Mai eine Art "Leumundszeugnis" ausstellen.

"Schlafender Hund"

Der Florentiner Staatssekretär kennt den streitbaren Galilei nur allzu gut. Er fordert ihn Ende Mai dringend zur Rückkehr auf: Fürst Cosimo II. fürchte Unannehmlichkeiten, die auf den Hofphilosophen in Rom zukommen könnten. Bisher mit Ehre aus der Sache hervorgegangen, solle er den "schlafenden Hund" nicht weiter reizen. Tatsächlich zieht sich Galilei im Juni 1616 nach Florenz zurück.

Wer ein Exemplar von "De revolutionibus" besitzt, muss die inkriminierten Passagen jetzt überkleben, durchstreichen oder handschriftlich hinzufügen, dass es sich hier eben nur um Hypothesen handle. Auch Galilei wird dazu gezwungen. Ohne solche Korrekturen darf niemand mehr dieses Buch aufbewahren oder lesen. Allerdings zeigt das päpstliche Dekret praktisch nur in Italien Wirkung. Anderswo bleiben fast alle Exemplare unzensiert.

17 Jahre später hält es Galilei nicht mehr aus. Er verstößt in einer Schrift recht frech gegen das Dekret. So kommt es zum legendären Inquisitionsprozess gegen den Gelehrten. Dieser endet mit der Verurteilung wegen Ungehorsams und mit lebenslangem Hausarrest.

Späte Rehabilitation

Die Arbeiten von Galilei, Kepler und Newton verhelfen der kopernikanischen Lehre letztlich zum Durchbruch. Im 18. Jahrhundert löst ihr Verbot nur noch Kopfschütteln aus. Selbst in Italien wird es kaum noch respektiert. Doch Rom tut sich schwer, den einstigen Fehler einzugestehen. Erst 1835 verschwinden die kopernikanischen Bücher wieder aus dem Index der verbotenen Bücher.

Weitere 138 Jahre später gibt die Vatikanische Post sogar Briefmarken mit dem Porträt des Kopernikus heraus. Sie werden 1973 von der österreichischen Staatsdruckerei hergestellt. In Polen gilt Kopernikus längst als Nationalheld. 1992 wird dann auch Galileo Galilei rehabilitiert - und zwar von dem aus Polen stammenden Papst Johannes Paul II.