Zehn Jahre nach ihrer Niederlage kehrten die Perser mit einem deutlich schlagkräftigeren Heer zurück. Im Sommer 480 v. Chr. hielten tausend Griechen, darunter 300 Spartiaten, am Thermopylen-Engpass aus. Trotz ihrer aussichtslosen Lage deckten sie den Rückzug ihrer Kameraden. Später setzte man den Gefallenen hier ein Denkmal. Dessen Inschrift wurde 1795 von Friedrich Schiller übersetzt: "Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl."

Spartas Gesellschaft war hochgradig militarisiert. Der ständigen soldatischen Übungen wegen sahen die Männer ihre Frauen selten. Die Erziehung des entsprechend spärlichen Nachwuchses fiel hart und skrupellos aus. "Spartanisch" wurde zum Synonym für "streng", "genügsam" oder "einfach". Die zu Sparta gehörende Region hieß "Lakonien". Deren Bewohner waren schon in der Antike für ihre nüchterne, ja einsilbige Ausdrucksweise bekannt. Äußert sich jemand kurz aber treffend, nennen wir das deshalb "lakonisch".

Weissagungen

Die wichtigste Orakelstätte der alten Griechen lag in Delphi. Sie war dem Gott Apollon geweiht. Anfangs tat die jungfräuliche Priesterin ihre Prophezeiungen nur an seinem Geburtstag kund. Da die Pilger reichlich Opfergaben mitbrachten, ließ man die Dame bald häufiger in Trance fallen. Das Orakel war höchst zweideutig, was die Gefahr allzu auffälliger Fehlprognosen verringerte.

Dem lydischen König Kroisos hatten etliche Städte Tribut zu zahlen. Er war entsprechend wohlhabend und konnte sich großzügig zeigen. Wir spielen auf seinen Reichtum an, wenn wir auf eine Geldforderung entrüstet mit den Worten "Bin ich der Krösus?!" reagieren. Als ihm die Perser allzu gefährlich wurden, konsultierte Kroisos das Orakel. Sollte er den Grenzfluss Halys tatsächlich überschreiten, so weissagte man ihm in Delphi, würde er "ein großes Reich zerstören". Vermeintlich in seinen Plänen bestärkt, griff Kroisos die Perser im Jahr 541 v. Chr. an. Er unterlag und zerstörte so sein eigenes, großes Reich.

Kein Glück beschieden war auch dem Molosserkönig Pyrrhos I., der 261 Jahre später gegen die junge Römische Republik zu Felde zog. Zwar gewann er die Schlacht im süditalienischen Asculum, doch nur unter schwersten Verlusten. "Noch so ein Sieg", soll er resümiert haben, "und wir sind verloren!". Wird ein Gewinn allzu teuer erkauft, spricht man seither von einem "Pyrrhussieg".

Weil sich die Bevölkerung im 8. Jh. vervielfacht hatte und Ackerland knapp war, gründeten die griechischen Stadtstaaten zahlreiche Kolonien im Mittelmeerraum. Aus Neápolis (griech.: Neustadt) wurde später Neapel, aus Massalia Marseille und aus Nikaia Nizza - auch hier stand die Siegesgöttin Nike Pate.

Syrakusai, das heutige Syrakus, wurde von Siedlern aus Korinth gegründet. In ihrer Heimat wuchs die kleinste aller Rosinenarten, "Korinthe" genannt. So entstand das Schimpfwort "Korinthenkacker" für kleinliche Pedanten oder Erbsenzähler. In Deutschland wird es häufiger verwendet; in Österreich spricht man vornehm von "Idipferl-Reitern".

Alexander der Große passt wohl nicht in diese Kategorie. 333 v. Chr. soll er vor dem Wagen des längst verstorbenen phrygischen Königs Gordios gestanden sein. Ein Seil mit unentwirrbarem Knoten schmückte das Gefährt. Wer ihn auflöste, so die Prophezeiung, würde Asien beherrschen. Alexander überlegte nicht lange. Er durchschlug den Knoten einfach mit seinem Schwert. Die historisch fragwürdige Geschichte schenkte uns den sprichwörtlichen "Gordischen Knoten": Wer einen solchen löst, beseitigt ein schwieriges Problem mit ungewöhnlichen Mitteln.

Das Alphabet

Schon im 9. Jahrhundert v. Chr. kam man mit der phönizischen Schrift in Kontakt, die allerdings keine Zeichen für Vokale kannte. Die Griechen modifizierten sie entsprechend. Ihr Schriftsystem begann mit den Buchstaben Alpha und Beta, die darauf fußende lateinische Schrift später mit A, B und C. Heute sprechen wir zwar häufig vom "ABC", doch der griechische Beitrag verrät sich in Wörtern wie "Alphabet" oder "Alphabetisierung".

Mit Hilfe der Schrift hielt der Athener Drakon im Jahr 624 v. Chr. die zuvor meist mündlich tradierten Gesetze fest; wohl auch, um die häufig geübte Blutrache zurückzudrängen. Viele Vergehen hatten die Todesstrafe zur Folge. Das brachte Drakon den Ruf ein, seine Gesetze mit Blut geschrieben zu haben. Noch heute empfinden wir äußerst drastische Strafen "drakonisch".

Im 4. Jahrhundert v. Chr. soll der in Syrakus herrschende Dionysios II. von seinem Höfling Damokles allzu frech beneidet worden sein - wegen des Reichtums und der Macht. Um ihm die damit verbundenen Gefahren vor Augen zu führen, ließ der Tyrann den Neider an seiner Tafel Platz nehmen; allerdings unter einem Schwert, das bloß an einem Rosshaar hing. Egal, ob die moralisierende Anekdote stimmt oder nicht: Droht jemandem böses Unheil von einer bereits erkennbaren Gefahr, schwebt über ihm das sprichwörtliche "Damoklesschwert".

Mit pólis bezeichnete man einen griechischen Stadtstaat sowie die Gemeinschaft seiner Einwohner. Darauf fußen unsere Wörter "Metropole", "Polizei" oder "Poliklinik". Auch die "Politik": Denn die mit der pólis verbundenen Angelegenheiten wurden unter dem Begriff politiká zusammengefasst. In seinem gleichnamigen Werk untersuchte der vielseitige Philosoph Aristoteles die Verfassungen verschiedener Stadtstaaten, von denen es über tausend gab.