Die griechische Geschichte begann mit Kleinkönigen, also mit Monarchien (mónos: allein; archein: herrschen). Dann, zur Zeit der Aristokratie, teilten Adelsfamilien vielerorts die Herrschaft unter sich auf (áristoi: die besten; krátos: Macht). Davon unterschied Aristoteles die "Oligarchie", die Herrschaft Weniger (olígos: wenig). Machtkämpfe zwischen Adeligen und andere Faktoren führten zur Beteiligung des Staatsvolks (demos). Kurze Perioden der Tyrannei (týrannos: Herr, Gebieter) unterbrachen die so entstehende Demokratie.

Athen war seit der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. demokratisch organisiert. Fast im Wochenrhythmus fanden sich an die 6000 Bürger zu den halbtägigen Volksversammlungen ein. Sie bestimmten die Angelegenheiten ihrer pólis ganz direkt. Heute ist der Umweg über gewählte Repräsentanten die Regel. Das Wort ergreifen durfte jeder Bürger. Allerdings traten vor allem die rhetorisch geschulten hervor. Manche agierten schon damals als Demagogen (ágein: führen): Sie lenkten den Volkswillen, indem sie an Gefühle oder Vorurteile appellierten.

Ohne Stimme waren Zugewanderte, Sklaven sowie sämtliche Frauen. Tatsächlich entschied selbst in den demokratischen Stadtstaaten also immer bloß eine Minderheit. Nur zum Vergleich: In der Schweiz blieben die Bürgerinnen bis 1971, in Liechtenstein bis 1984 vom Urnengang ausgeschlossen. Um Machtkonzentrationen zu vermeiden, wurden die allermeisten Ämter verlost - und das jedes Jahr neu. Abstimmen konnte man auch über die zehnjährige Verbannung unerwünschter oder allzu machtgieriger Bürger. Dazu ritzte man den entsprechenden Namen in Tonscherben. Heute sprechen wir von einem "Scherbengericht", wenn mit jemandem hart verfahren wird.

Der Bocksgesang

Die alten Griechen trafen einander auch bei Gelagen. Während sie liegend aßen und tranken, lauschten sie Dichtern oder Sängern. Der Wein kam zusammen mit Wasser in ein Mischgefäß (kratér); der Form wegen ging dessen Name auf die Vulkankrater und später auch auf die Meteoritenkrater über. Bei einem solchen rituellen Gelage, dem sympósion, übte man sich im Singen, Stegreifreimen oder Witzeerzählen. Gern ließen sich die Teilnehmer von Hetären (etaíra: Gefährtin) verwöhnen. Heutige Symposien werden von Kulturschaffenden oder Wissenschaftern besucht. Dabei geht es viel nüchterner zu.

Beim Kultfest des Dionysos huldigte man dem Gott des Weins, der Freude, der Ekstase und der Fruchtbarkeit. Hunderte in Bocksfelle gehüllte, Unfug treibende Athener mimten sein lautes Gefolge. Im Dionysos-Heiligtum am Fuße der Akropolis traten Chöre zum Wettstreit an. Im Jahr 534 v. Chr. schälte sich erstmals ein Solist aus dem Chor heraus, der Protagonist ("Ersthandelnder"). Dann folgte ein zweiter, der Antagonist (Gegenspieler). So wurde die Tragödie tatsächlich aus dem Bocksgesang geboren (trágos: Bock; odé: Gesang).

Die Charaktere der Tragödie fanden sich in schicksalhaften Dilemmata oder Konflikten wieder. Mitunter griffen aber höhere Mächte ein. Zu diesem Zweck schwebte eine Gottheit auf die Bühne herab, und zwar mit Hilfe einer kranähnlichen Maschine (mechané). In lateinischer Übersetzung wurde aus dieser rettenden Figur der nach wie vor bekannte "deus ex machina".

Aus dem erwähnten, recht ausgelassenen Festumzug (kómos) zu Ehren des Dionysos entstand bald darauf die Komödie. Somit ist auch klar, woher unsere Wörter "tragisch" oder "komisch" stammen.

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