Donald Trump bei der "Thank You Tour 2016", Mobile, Alabama, 17. Dezember. - © afp/Jim Watson.
Donald Trump bei der "Thank You Tour 2016", Mobile, Alabama, 17. Dezember. - © afp/Jim Watson.

Kaum jemand war über seinen Triumph wohl mehr überrascht als Donald Trump selbst. Als eifriger Konsument von Meinungsumfragen und jemand, der die Welt fast ausschließlich durch 24-Stunden-Nachrichtensender, allen voran Fox News, wahrnimmt, war er wohl mit einer gedämpften Erwartungshaltung in den Wahlgang gegangen. Aber am nächsten Tag wurde der Emporkömmling aus Queens dann überraschend zum mächtigsten Mann der Welt gewählt.

Was für eine Genugtuung musste das für einen Mann gewesen sein, der zeit seines Lebens dazugehören wollte - und doch stets Außenseiter blieb. Zwar entstammte er einer durchaus wohlhabenden Familie, war aber nur im biederen, kleinbürgerlichen Stadtteil Queens und nicht in Manhattan aufgewachsen, wo die wahre Elite des Landes residierte.



Alle Bemühungen, das Manko seiner Herkunft zu kompensieren und Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, hatten eher den gegenteiligen Effekt. Als Playboy, Kasinomogul und seichter TV-Entertainer beeindruckte er zwar die Unterschicht, nicht aber die politische und wirtschaftliche Elite des Landes. Exklusive Gesellschaften wie die Palm Beach Society in Florida wehrten sich gegen Trumps Eindringen in ihre Kreise. Die vergoldeten Armaturen in seinen Gebäuden, sowie die häufige Prahlerei mit seinem Vermögen und sogar seinem Geschlechtsteil verrieten den Geschmack eines Aufsteigers.

Twitter-Kanonaden

Trump, von dem man sagt, dass er lieber mit seinen Leibwächtern als mit Seinesgleichen plaudert, hat nicht nur die Sprache der einfachen Leute und deren durch das Fernsehen geprägte Sensibilitäten übernommen, sondern versteht es auch, mit ihnen eine emotionale Verbindung herzustellen. Er weiß, wie er die Dinge ansprechen, Informationen verknappen und diese dann effektiv lancieren muss.

Das im Grunde einsame und sozial isolierte Leben des Donald Trump zeigte sich am stärksten in den nachmitternächtlichen Twitter-Kanonaden, immer wenn der Dauerfernseher Trump auf vermeintliche oder tatsächliche Verunglimpfungen in TV-Sendungen reagierte. Im Wahlkampf legte er sich wochenlang in Tweets mit einer ehemaligen venezolanischen Miss Universum an, von der er - der zukünftige "Führer der freien Welt" - sich beleidigt wähnte.

Keine auch noch so kleine Kränkung, die unbeachtet blieb und nicht einen vollen Gegenschlag nach sich gezogen hätte. Vor zwei Jahren musste Trump, der mit Niederlagen und Erniedrigungen noch nie umgehen konnte, eine öffentliche Demütigung sondergleichen über sich ergehen lassen: Bei der traditionellen Washingtoner Abendveranstaltung der politischen und medialen Elite der USA, in der Kabarettisten ebenso wie der amtierende Präsident Prominente durch den Kakao ziehen, filetierte Obama den New Yorker Milliardär und dessen krause politische Ansichten auf derart effektive Weise, dass dieser vor laufender Kamera kaum die Beherrschung behalten konnte.

Man sagt, dass just an jenem Abend der Entschluss reifte, es allen zu zeigen, vor allem der politischen Elite, den etablierten Me-dien und dem verhassten Präsidenten, an dessen amerikanischen Wurzeln Trump öffentlich gezweifelt hatte. Vereint im Glauben, das Gespött großstädtischer Eliten zu sein, wurde der Playboy-Milliardär aus New York zum Helden der kleinen Leute abseits der städtischen Speckgürtel und Küstenmetropolen.

Die Demokraten hingegen hatten nie wirklich verstanden, was sich spätestens seit der Tea-Party zusammengebraut hatte im sogenannten "Heartland", einem Euphemismus für jenes Hinterland, wo industrielle Abwanderung, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit, zwei Kriege, sowie eine Drogenepidemie, allen voran Meth-Amphetamin, ein explosives soziales und politisches Gemisch hatten entstehen lassen.

Schreckgespenst

Dort, wo aus Sicht der liberalen Bildungselite bigotte Waffennarren, bildungsresistente Modernisierungsverlierer sowie tiefverwurzelter Rassismus zuhause waren und die politischen Ansichten, sozialen Gepflogenheiten samt Sprache und Ästhetik im letzten Jahrhundert steckengeblieben sind. Deutlich wurde dies in Hillary Clintons Wahlkam-
pagne, in der eigentlich nur drei Bevölkerungsgruppen vorkamen.

Wie sich die China-Politik der USA entwickeln wird, ob Tabubruch oder eher Pragmatismus, bleibt abzuwarten. Hier eine Trump-Enten-Skulptur in Taiyuan, Provinz Shanxi. - © APA/AFP/STR
Wie sich die China-Politik der USA entwickeln wird, ob Tabubruch oder eher Pragmatismus, bleibt abzuwarten. Hier eine Trump-Enten-Skulptur in Taiyuan, Provinz Shanxi. - © APA/AFP/STR

Zum einen die sogenannten Professionals, also Personen wie Ihresgleichen mit Universitäts- und Collegeabschluss oder einer weiterführenden Berufsausbildung. Diese Gruppe repräsentierte quasi die "normale" amerikanische Mittelschicht, die es zu gewinnen galt. Dann konzentrierte man sich auf die diversen Minderheiten, und schließlich umwarb man die Armen und sozialen Randgruppen, um derentwillen spezielle staatliche Hilfsmaßnahmen, wie ein höherer Mindestlohn und bessere Sozialprogramme, versprochen wurden. Für den Rest der Bevölkerung musste allein das Schreckgespenst eines Trump-Wahlsieges ausreichen, letztlich für Hillary zu stimmen.

Die breite untere Mittelschicht, die Fach- und Industriearbeiterschaft, kam im Wahlkampf der Demokraten weder politisch noch kulturell vor. Viele von diesen wähnten sich seit geraumer Zeit in einem fremden Land lebend. Angeführt von einem schwarzen Professor aus Hawaii mit arabischem Namen und sensiblen Attitüden, schienen sich die Politik und etablierte Medien vornehmlich mit sich selbst oder mit politischer Korrektheit und absurden Themen wie transgendergerechten Klos zu beschäftigen, während Millionen illegaler Einwanderer vermeintlich das Lohnniveau drückten und Industriejobs nach China oder Mexiko verlagert wurden.