In der Wahrnehmung der einfachen Leute standen die Demokraten eher auf Seiten schwarzer Krimineller und mexikanischer Drogendealer statt auf Seiten der einfachen Polizeibeamten, die tagtäglich Kopf und Kragen riskierten. Obama und die Demokraten schienen für alle und jeden Rücksicht und Verständnis aufzubringen, selbst für die Gegner Amerikas, fanden aber nie die Zeit oder die richtigen Worte, sich mit den Menschen im kleinstädtischen Amerika und dem "Rostgürtel" auseinanderzusetzen.

Auch für Hillary war die Industriearbeiterschaft eher ein Talking Point. Ihre Forderung nach einem höheren Mindestlohn war für Arbeiter in Ohio und Pennsylvania eher eine Verhöhnung. Die Leute sorgten sich um ihre gutbezahlten Industriejobs - und darum, ihren Lebensstandard an die Kinder weitergeben zu können, aber wähnten sich nicht als sozial bedürftig oder dachten daran, McJobs zum Mindestlohn anzunehmen. Dass durch Obamas Umweltpolitik die Industrie Stellen abbaute oder sich durch seine Krankenversicherung für die Armen bei vielen Arbeitern die Prämien erhöht hatten, tat ein Übriges, das Ansehen demokratischer Politik zu untergraben.

Milliardärs-Empathie

Die meisten Betroffenen wollten nicht unbedingt Linderung, sondern vor allem Empathie und dass ihre Leiden öffentlich anerkannt werden. Ausgerechnet dem selbstbezogenen Milliardär Trump gelang dies vortrefflich. Mit einfachen deftigen Worten und mit Wut im Bauch nannte er die Dinge beim Namen und identifizierte aus seiner Sicht die Schuldigen. Für Arbeiter stellte auch Trumps Reichtum kein Problem dar. Wer hart arbeitet oder clever ist, soll auch seine Millionen haben. Eher unbeliebt dagegen sind die von Clinton hofierten Professionals, also jene "Paper Pushers", die sich nie die Hände schmutzig machen, aber in der Regel mehr verdienen als Arbeiter - und diese gerne herumkommandieren.

Trump versprach eine Rückkehr in eine idealisierte Vergangenheit, wo alles wieder an seinem angestammten Platz war, wo man sich vor allem als weißer Industriearbeiter wieder geborgen fühlte und harte Arbeit belohnt wurde. Er schuf von Anfang an eine emotionale Verbindung zu seinen Wählern, wobei es selten um Fakten ging, sondern um das, was als wahr empfunden wird. In der postfaktischen Politik suggeriert das Empfinden, dass die Tristesse der eigenen Lebenssituation dem kolossalen Betrug am Volk durch politische und wirtschaftliche Eliten geschuldet sei, die Fremdes, darunter billige Arbeitskräfte, importieren und gute Arbeitsplätze exportieren würden.

Im Wahlkampf brach Trump mit allen Konventionen und profitierte wie noch kein US-Politiker vor ihm von sogenannten Fake News. Nicht nur dass er viele dieser Falschnachrichten selbst in die Welt setzte und wahre Behauptungen trotz Videobeweises abstritt, sondern er war auch Nutznießer weltumspannender Anstrengungen, Hillary in ein schiefes Licht zu rücken. Mitgeholfen hatten nicht nur der russische Geheimdienst, sondern zahlreiche vor allem jugendliche Internetprofis, die soziale Netzwerke und das Verhalten von Online Communities zum eigenen Vorteil zu nützen wussten.

Wie der Rest der Welt hatte wohl auch Donald Trump nur sehr ungenaue Vorstellungen, was er als Präsident genau machen würde. Da er noch nie ein öffentliches Amt bekleidete, oft nur rudimentäres historisches und geografisches Wissen anklingen hat lassen und sich im Wahlkampf immer wieder widersprach, lässt sich sein Kurs als Präsident nur schwer abschätzen. Andererseits soll man Politiker durchaus beim Wort - und zumindest seine oft wiederholten Ankündigungen ernst nehmen. Auch aus den bisherigen Ernennungen der Berater und Kabinettsmitglieder, sowie aus seinem Psychogramm lässt sich ebenfalls einiges ableiten.

Politik als Deal

Immer wieder hatte Trump im Wahlkampf starke nationalistische Töne angestimmt und dürfte daher den Begriff des nationalen Interesses deutlich enger fassen, als dies bisher der Fall war. Gleichzeitig scheint er ein starkes Bedürfnis zu haben, geliebt und anerkannt zu werden, vor allem von seinen Anhängern. Diese beiden Faktoren dürften eine Art Filter für seine Politik darstellen.

Trump neigt auch dazu, politische Entscheidungen wie eine Abfolge von Businessdeals zu verstehen und Staaten Firmen gleichzusetzen. Die jeweils dahinterstehende Politik wird stark personalisiert wahrgenommen. Ideologien, Normen oder historisch bedingte Verhaltensmuster scheinen in dieser Sichtweise wenig Platz zu haben. Die Reduktion von Staaten und deren Verhalten auf deren Führungspersönlichkeiten erinnert ein wenig an dynastische Konflikte im Europa vergangener Jahrhunderte. Ferner sind Beziehungen zwischen Staaten komplexer, erstrecken sind über viele Runden, oft mit diffusen Ergebnissen, während Deals in der Geschäftswelt eher nur die Verhandlungspartner betreffen und in der Regel zu einmal lukrierten Ergebnissen führen.

Trump ist auch bekannt dafür, keine besondere Neugier für Dinge zu entwickeln, die außerhalb seiner bisherigen Geschäfts- und Beziehungswelt stehen. In Slowenien, der Heimat seiner Frau, war er nur einmal für wenige Stunden. Er liest kaum und bezieht seine Informationen nach eigenen Aussagen fast ausschließlich aus Fernsehen und Internet. Expertenwissen gegenüber ist er skeptisch, was selbst die eigenen Geheimdienste miteinschließt, wie wir nun wissen.

Ein wenig wirkt das Projekt Trump-Präsidentschaft bisher wie ein Familienunternehmen. Diverse Angehörige und ausgesuchte langjährige Vertraute sind ebenso Teil dieser Gruppe wie eine Reihe von Beratern, die in ihren Gebieten oft zu den Außenseitern zählen. Das lässt darauf schließen, dass politische Entscheidungen mitunter unkonventionell ausfallen dürften und eher ad hoc oder aus dem Bauch heraus getroffen werden.