Im Verlauf des Wahlkampfes sind nicht weniger als drei verschiedene Donald Trumps in Erscheinung getreten, die uns wohl auch in der Präsidentschaft begegnen werden. Zunächst gibt es Trump den "Change Agent", also den Veränderer und Tabubrecher, der die nicht unbeträchtlichen Erwartungen seiner Anhänger teilweise bedienen wird müssen.

Die wichtigsten Ernennungen in seinem Stab und seinem Kabinett zählen hierzu. Schillernde Alphatiere wie Verteidigungsminister "Mad dog" James Mattis, weiters erklärte Gegner der von ihnen zu führenden Behörden, wie der neue Arbeitsminister, der Leiter der Umweltbehörde oder die neue Bildungsministerin, oder charismatische Neueinsteiger wie der neue Außenminister Rex Tillerson.

Trotz aller zu erwartenden Tabubrüche ist anzunehmen, dass Trump eher symbolische Politik betreiben wird und sich Gegner vornimmt, die sich nur begrenzt wehren können, aber ein Maximum an Aufmerksamkeit garantieren. Das offizielle Beerdigen ohnehin toter Freihandelsprojekte wie TTIP und TPP zählt hier etwa dazu. Ob Trump jedoch wirklich gegen NAFTA vorgehen wird, bleibt fraglich. In der Außenpolitik könnten die UNO, die EU oder gar die NATO solche Ziele abgeben. So könnte man der UNO, für US-Nationalisten ohnehin ein Klotz am Bein der Außenpolitik, bei mangelnder Gefügigkeit etwa in der Israelfrage mit der Streichung der Mitgliedsbeiträge drohen.

Was Trump von der EU hält, ließ sich an seiner Empfehlung für den Brexit ablesen. Zukünftige Entscheidungen etwa des Europäischen Gerichtshofes gegen USFirmen wie Apple, Kritik an den USA etwa in Umweltfragen oder "Ermahnungen" Brüssels im Hinblick auf "gemeinsame Werte" könnten den willkommenen Anlass bieten, an den Europäern ein Exempel zu statuieren oder einzelne Staaten gegeneinander auszuspielen. Durch verbale Scharmützel mit dem reichen, aber schwachen Staatenbund könnte Trump relativ risikolos sowohl inhaltlich wie auch im Stil den Unterschied zu seinem Vorgänger dokumentieren.

Politik großer Symbolik

Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass er sich via Twitter in den deutschen oder französischen Wahlkampf einmischt. Harte Worte gegen Saudi-Arabien oder Palästinenser, Drohungen gegen den Iran und Kuba, die Verschärfung von Einreisebestimmungen für bestimmte Nationen oder neue Grenzsicherungs- und Deportationsmaßnahmen sowie eine Kehrtwende in der Klimapolitik zählen ebenfalls zur Politik großer Symbolik, deren Trump sich bedienen könnte.

Bei politischen Niederlagen dürfte Trump - ähnlich wie im Wahlkampf - dennoch einfach medial den Sieg erklären und zum nächsten Thema übergehen. Oder er reagiert beleidigt und lässt den Konflikt eskalieren. Die Gefahren hierbei sind weniger, dass Trump sofort militärisch zuschlägt, sondern, dass die zunächst verbalen Scharmützel in einem Handelskrieg oder einer Schwächung der NATO enden könnten - und somit permanenten Schaden anrichten. Das wiederum würde von dritten Mächten ausgenutzt werden. Vor allem unter Druck neigte Trump bisher stets zu Überreaktionen.

Zweitens präsentierte sich Trump auch als pragmatischer
Dealmaker, der weniger an Ideologie und mehr an Ergebnissen interessiert ist. Frei von Sendungsbewusstsein und moralischen Politikansätzen, kann es durchaus einfacher sein, sich mit diversen Potentaten und autoritären Regimen zu arrangieren. Konzessionen an Russland im Ukrainekonflikt und Syrienkrieg oder die Auslieferung von Fethullah Gülen an den türkischen Präsidenten Erdogan wären Beispiele für solche Deals.

Im Gegenzug könnten sich die USA von ihrem umfassenden Engagement auf bestimmte politische Aufgaben und geopolitische Kernzonen zurückziehen. Gänzlich unklar ist bisher, ob etwa die zukünftige China-Politik der USA im Sinne des Tabubruchs oder doch pragmatisch abgehandelt werden wird. Die zunehmend nationalistische Regierung in Peking herauszufordern ist für Washington nicht ohne Risiko, auch möchte die US-Wirtschaft keinen Handelskrieg mit China.

Trost für Pessimisten

Innenpolitisch weiß Trump, dass er die Unterstützung sowohl seiner Partei im Kongress als auch der Wirtschaft braucht. Daher ist hier trotz gegenlautender Aussagen im Wahlkampf eher mit einer Politik zu rechnen, die sich ideologisch eng an der republikanischen Rechten und den Wirtschaftstreibenden orientieren wird.

Ernennungen wie jene des Parteiobersten Reince Priebus zum Stabschef des Weißen Hauses oder von Wallstreet-Financier Steven Mnuchin zum neuen Finanzminister sind pragmatische Zugeständnisse an die eigene Partei und die Wirtschaft. In einigen Bereichen, etwa in Fragen der Sozialpolitik, wo die rechte Kongressmehrheit einen radikalen Rückbau des Staates wünscht, oder bei Trumps versprochenen Investitionen in die Infrastruktur sind Konflikte mit der knausrigen eigenen Partei bereits vorprogrammiert.

Letztlich hat Trump auch eine gönnerhafte und konziliante Seite, vor allem, wenn er sich als Gewinner sieht. Diese Eigenschaft kann, wie viele rechte Republikaner fürchten, durchaus zu unerwarteten und großzügigen politischen Lösungen führen. Denn Trump ist im Gegensatz zu den meisten in seiner Partei kein Ideologe und sieht sich im gewissen Sinn als Anwalt der kleinen Leute.

Vielleicht trösten sich Pessimisten daher damit, dass, wie das Beispiel Ronald Reagan zeigt, in der Vergangenheit nicht besonders intellektuelle Außenseiter dennoch Unerwartetes leisteten und als große Präsidenten in die Geschichte eingingen.