Eine Woche nach der deutschen Kapitulation vom 8. Mai 1945 wurde die erste Flasche Coca-Cola nach dem Krieg abgefüllt - zunächst aber nur für die US-Soldaten vor Ort. Colonel Jim Nash wollte einen Cola-Automaten im Verhandlungssaal der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse aufstellen. Doch diese Idee "wurde leider abgelehnt", wie er im Mai 1946 in einem Brief nach Hause schrieb. Dennoch war der Siegeszug von Cola nicht aufzuhalten.

Am Beginn des Kalten Krieges bildeten sich kuriose Allianzen aus Kommunisten, Winzern, Saftverkäufern, um den flüssigen "American Way of Life" zu behindern und zu stoppen. In Frankreich wurde ein Gesetzesentwurf eingebracht, der Coca-Cola als "Gift" bezeichnete und sich vergeblich um ein Verbot bemühte. In Italien wurde die Mär verbreitet, dass der Konsum von Cola die Haare über Nacht schlohweiß werden lässt. In Japan wurde das Gerücht in Umlauf gebracht, Cola würde Frauen unfruchtbar machen. Und während ein verwirrter Demagoge in Ägypten wegen der Unterstützung Israels durch die USA die These aufstellte, Cola sei mit Schweineblut versetzt und daher unrein, sah Mao Tse-Tung darin sogar das "Opium für die Rennhunde des revanchistischen Kapitalismus".

Coke und Patriotismus

Auch in Deutschland organisierten sich Cola-Feinde: Die Mineralwasserindustrie schloss sich in einem "Koordinations-Büro für deutsche Getränke" zusammen, weil sie Umsatzeinbußen hatte, um mit aggressiver Öffentlichkeitsarbeit wie etwa mit dem Pamphlet "Coca-Cola, Karl Marx und die Geistesschwäche der Massen" die Besatzerbrause in Misskredit zu bringen. In Bayern wollte man 1950 Cola und andere "aus Drogen hergestellte Getränke" verbieten.

Tatsache ist, dass in den Anfangsjahren der Cola-Limos tatsächlich Kokain darin enthalten war. Ein Liter Coca-Cola enthielt etwa 250 mg Koks. 1914 wurde in den USA der Zusatz von Kokain in Getränken und rezeptfreien Arzneimitteln verboten, und auch in den europäischen Staaten wurden strenge Suchtgiftbestimmungen erlassen.

"Es darf auf der ganzen Welt keine geographischen und kulturellen Breitengrade geben, die nicht an den Segnungen von Coca-Cola teilhaben können", hatte der charismatische Coca-Cola-Boss Robert W. Woodruff in den 1950ern mit großem Sendungsbewusstsein gefordert. Den Zweiten Weltkrieg hatte die Company zur Stärkung der Marke in Europa und Asien genützt. Das von John S. Pemberton erfundene Gebräu gegen Kopfschmerz, Müdigkeit und Frauenleiden wurde im Weltkrieg zum Symbol der amerikanischen Moral.

"Unserer Ansicht nach kann Coca-Cola als eins der grundlegenden, die Moral hebenden Produkte für die Jungs eingestuft werden", schrieb ein Offizier im Jänner 1942 an die Coca-Cola-Company. Die sich in der Folge mit einem gigantischen Werbebudget daran machte, Coke und Patriotismus in ein und derselben Flasche auszuliefern. Nach 1945 waren die Herren aus Atlanta als ideologische Sieger im Goldenen Westen hoffnungsfroh an den Start gegangen und machten Profite mit Siegern und Besiegten. Doch bei den mit den USA verbündeten Kommunisten im Ostblock waren auf einmal die Pepsi-Cola-Lieferanten aus North-Carolina angesagt.

Wieso denn das?

Es war das Resultat eines massiven Geldflusses in der US-Innenpolitik: Vizepräsident Richard Nixon war lange Zeit Rechtsanwalt von Pepsi und ließ sich seinen Wahlkampf vom Pepsi-Management finanzieren. Dafür machte er sich 1959 im Gegenzug während eines Moskau-Besuchs bei Sowjet-Führer Nikita Chruschtschow für Pepsi stark. Auf Pressefotos konnte die ganze Welt sehen, wie Chruschtschow und Nixon miteinander Pepsi tranken.

Im Tausch gegen Gabelstapler aus Bulgarien und Weine aus Rumänien gelangte das zur Herstellung notwendige Pepsi-Konzen-trat hinter den Eisernen Vorhang und sorgte für große Gewinne. Ab 1974 wurde es auch in der Brauerei Rostock abgefüllt und kam auf diese Weise in der DDR auf den Markt.

Carter für Coca-Cola

Beide Cola-Produzenten sind seit jeher stark in der amerikanischen Politik verwurzelt. Die Demokraten werden von Coca-Cola, die Republikaner von Pepsi finanziert: Nixon machte den sowjetischen Markt für Pepsi klar. Präsident Jimmy Carter war später mit Nachdruck dabei behilflich, den chinesischen Markt für Coca-Cola zu öffnen.

Pepsi befürchtete 1970 durch die Wahl des Sozialisten Salvador Allende zum Präsidenten von Chile Umsatzeinbußen und drängte zusammen mit anderen Konzernen die amerikanische Regierung dazu, einen Militärputsch zu organisieren. Die Vorbereitungen dazu gipfelten in der Entführung und Ermordung des Allende-Vertrauten und Oberbefehlshabers des Militärs René Schneider im Rahmen einer CIA-Aktion. Und auch Coca-Cola Inc. und deren Zitrusfrüchtelieferant, The United Fruit Company, finanzierten den blutigen Putsch von 1973.

Als die Sowjetunion auseinanderbrach, war Pepsi Cola nicht mehr länger interessant, und in kürzester Zeit setzte sich auch bei den Ex-Genossen die unwiderstehliche "Muttermilch des Kapitalismus" (Woodruff über Coca-Cola) durch.

"Schnell rüstete Coke in Osteuropa auf", berichtete "Der Spiegel" 1996 über den Siegeszug von Coca-Cola in Osteuropa. "Für 1,5 Milliarden Dollar wurden 26 Abfüllanlagen gebaut, 50.000 Läden vertreiben Coca-Cola. Dauerrivale Pepsi verlor wertvolle Zeit: Der Konzern musste zunächst seine alten Partner, die staatlichen Abfüller, aufkaufen. Mittlerweile setzt Coke etwa doppelt so viele Flaschen in Osteuropa ab wie die Konkurrenz."